Ein Cocktail gefällig
Die Wasserqualität ist seit vielen Jahren ein ganz besonders brennendes Thema auf der iberischen Halbinsel. Wenn denn überhaupt Wasser vorhanden ist.
Wie den meisten bekannt ist, gibt es in weiten Teilen Spaniens einfach viel zu wenig von diesem wertvollsten aller Güter auf Mutters Erde.
Nicht selten bleibt im Sommer in einer ganzen Reihe von Regionen, insbesondere Südspaniens, Tag für Tag der Wasserhahn für einen längeren Zeitraum einfach trocken. Oder es kommt gerade einmal nur ein dünnes Strählchen heraus.
Auch auf den Balearen und Mallorca gibt es dann und wann Probleme, allerdings schrammte man hier bei uns eigentlich auch manchmal nur mit viel Glück an einer zumindest kleinen Katastrophe vorbei.
Während in weiten Teilen Spaniens den Bewohnern des Landesinneren Jahr für Jahr das Wasser abgedreht wird, damit die Küstenregionen und der mit dem ganzen Land verbundene existentiell wichtige Tourismus überhaupt noch am Leben erhalten werden kann, haben wir hier auf unserer beliebten Insel mit derart massiven Einschnitten zum Glück nicht zu tun.
Wenn sich auch im Sommer die Wasserlage nicht so komfortabel darstellt, Grund zu drastischen Eingriffen gab es bislang eigentlich kaum. Die beiden grossen Auffangbecken im Tramuntanamassiv garantieren die Versorgung von ganz Mallorca, auch die Inselorte im Landesinnern bleiben von dem oben geschildertem Unbill verschont.
Dazu gibt es noch jede Menge Einsparmöglichkeiten in der Wassernutzung, wo man auch hinschaut wird oft mehr als grosszügig und spendabel mit diesem wertvollen Nass umgegangen. Sei es bei der Autowäsche oder sogar Bootswäsche in vielen Nebenstrassen, oder noch schlimmer, bei dem Besprengen grosser Privatgrundstücke zumeist vermögender Gutsbesitzer.
Deren Fincas erstrahlen nicht selten in saftig-satten Grüntönen, während der weitaus grösste Teil der Landschaft auf Mallorca das unverkennliche Zeichen einer langandauernden Dürreperiode wiederspiegelt. Mit dem hoffentlich ernstgemeinten Stopp von Golfplatzneubauten schiebt man einer weiteren Ausbeutung natürlicher Insel-Ressourcen vorerst einmal einen Riegel vor.
Ein weiteres, mindestens genauso schwerwiegendes Problem stellt die Wasserqualität dar. Diese spiegelt überall in Spanien wie auch hier auf Mallorca den auch in manch anderen Bereichen immer wieder zu beobachtenden Egoismus und eine geradezu fahrlässige Gedankenlosigkeit der Spanier wieder.
Das Wasser ist verunreinigt, nach Auffassung unabhängiger Fachleute sogar regelrecht vergiftet. Wenn man deutsche Qualitätsmassstäbe und Grenzwerte zugrunde legen würde, wahrscheinlich sogar in allen Regionen Spaniens. Das Schlimme ist, dass dieses Thema entweder tabu ist, oder man desinformiert die breite Öffentlichkeit bewusst und absichtlich, in dem man die Fakten unzureichend oder falsch darstellt.
Das Dumme dabei ist nur, jeder sieht mit seinen eigenen Augen, was für eine Brühe aus seinen Wasserhähnen fliesst. Vielmehr, er kann es sogar riechen. Und der Geruch, der da den Nasen entgegenweht, ist alles andere als angenehm.
Er schwankt je nach Gemeinde auf Mallorca von seltsam bis äusserst übel. Die Gesundheitsgefahren sind gross, die Verursacher wiegen sich dennoch in einiger Sicherheit, weil es eigentlich nicht vorkommt, dass jemand durch direkten Kontakt mit dem Wasser unmittelbar zu Schaden kommt. Selbst wenn er diesen Giftcocktail trinkt. Die Folgen zeigen sich zumeist viel später, oft erst nach vielen, vielen Jahren.
Die Gefährdung ist so gross, dass sogar die Gesundheitsministerien hin und wieder einschreiten. So wie nun das balerarische, welches den Wasserversorger Edam S.A. aufgefordert hatte, seine Verbraucher endlich zu informieren.
Daraufhin hat dieser nun eine Warnung herausgegeben, vorerst nur an seine Kunden in Portocolom, Cala Ferrera und Cala d´Or. Das Leitungswasser hätte erhöhte Chlorid- und Natriumwerte und es sei deshalb nicht zum Trinken oder Kochen geeignet.
Was da sonst noch so alles drin herumschwimmt, das schieben sie halt einfach einmal beiseite. Der Kunde muss ja nicht unbedingt alles wissen. Da genügt das ja völlig, so werden es sich die Verantwortlichen denken, dass man diejenigen warnt, die am schnellsten und von dieser Giftbrühe umkippen könnten.
Aber wahrscheinlich ist dies sogar schon geschehen. Senioren sollen genauso die Finger von dem Wasser lassen, wie Frauen nach den Wechseljahren oder Personen mit Problemen an Herz und Durchblutung. Auch wer Magengeschwüre hat soll sich vor dem Leitungswasser hüten.
Ich frage mich angesichts des Ausmasses der Wasserverschmutzung, auch hier auf Mallorca, wie dumm eigentlich Menschen sein müssen, die permanent an dem Ast sägen, auf dem sie selbst sitzen. Und zwar elementar sitzen.
Jedes Kind lernt bereits in der Schule, wie wichtig das Wasser ist. Alles Leben ist davon abhängig, ohne Wasser gibt es keines, egal was. Und das Leben brauchts nicht nur, sondern besteht sogar noch zu einem erheblichen Teil daraus.
Und dennoch schütten die spanischen Bauern das mehrfache an Gift auf ihre Felder als dies in den deutschsprachigen Ländern seit Jahrzehnten gestattet ist. Von der Industrie einmal ganz abgesehen. Und von noch so manch anderem.
Keiner kontrolliert das, alle schauen weg. Und wenn doch, dann denkt man scheints alleine nur an eine uralte Lebensweisheit, die da besagt, alles und jeder ist käuflich. Diesen Eindruck muss man zwangsläufig erhalten, wenn man beobachtet, wie mit diesen und anderen existentiellen, weil für unsere Zukunft wichtigen Fragen umgegangen wird.
Na ja, fast alles, denn ich zumindest bin es nicht. Hoffentlich nicht, oder fast nicht, oder kaum. Obwohl, ein romantisches und warmherziges feminines Weib, ein gutes Gläschen Rotwein, und natürlich dann und wann einmal eine wohlduftende Zigarre.
Da kann man sich schon einmal vergessen. Von den anderen tollen Leibesgenüssen einmal ganz abgesehen. Aber dies ist hoffentlich etwas völlig anderes. Dafür lässt man nicht andere seine Lebensräume vergiften.
Man muss nicht immer nur schmieren. Sand in die Augen der Wähler, Kunden oder auch der Touristen, das tuts manchmal auch. Wenn das Wasser-Giftcocktail-Thema mal wieder hoch kommt, dann stellt man im gleichen Atemzug halt irgendwo eine blaue Flagge auf. Irgendwo an einem Strand auf der Insel.
Auch wenn da die Kloake gelegentlich schon für das menschliche Auge sichtbar in das Mittelmeer fliesst. Wer siehst das denn schon. Da schaut doch keiner hin. Das bischen schwarz-braun, genau so ist doch auch die Haselnuss, wie man weiss.
Damit grüsse ich einmal alle Politiker auf Mallorca und dazu noch alle Wasser-Veranwortlichen. Anscheinend sind wir alle dämlich genug, wenn man gerade jetzt im Hochsommer eine blaue Flagge nach Alcudia stellen kann, obwohl die Jauche gerade dort und zu dieser Zeit an manchen Stellen so richtig schön stinkt.
Würde mich doch zu sehr interessieren, was so eine blaue Flagge denn kostet. Obwohl, kann eigentlich in der Herstellung nicht so viel sein. Oder doch?
Und diese Flaggen schwenken wir heute wie immer auch herzlich grüßend gen Deutschland. Euer Besuch auf Mallorca kann daher auch durchaus lehrreich sein. Denn wenn ihr wieder zuhause seid, dann nehmt ihr am besten als Allererstes einen kräftigen Schluck aus eurem Wasserhahn. Und dann, da bin ich sicher, dann wisst ihr ganz schnell, was ihr habt. Und was uns hier auf der Insel leider Gottes fehlt.
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