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Quälende Fragen



Die Meldung ist so unfaßbar traurig, daß jeder, der davon hört oder liest, am liebsten ganz schnell wieder das Thema wechseln würde. Nicht nur die große Trauer bewegt die Menschen angesichts dieser Schlagzeilen, sondern auch die Tatsache, daß man auch nach längerem Überlegen keinerlei Anworten auf die quälenden Fragen erhält, die uns in diesem Moment sofort unseren Kopf, und auch unsere Seele zermartern.

Fragen nach dem Wieso und Warum, nach den Gründen für eine so grausame Tat, die nicht einmal auszuprechen, geschweige denn in irgend einer Weise zu erklären ist. Das Schreckliche daran ist, und dies macht das Ganze um so schlimmer, daß es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, sondern daß sich nun innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums mehrere dieser menschlichen Tragödien abgespielt haben.

Wie schlimm muß es in einer Mutter aussehen, die ihre gerade eben geborenen Kinder tötet, sie danach vergräbt, sie einmauert oder sogar in einer Tiefkühltruhe einfriert. Wie schlimm muß der innere Zustand unserer Gesellschaft sein, wie kalt, und wie unmenschlich, damit sich derartige Abgründe in einer hochaufgeklärten und zivilisierten Gemeinschaft wie der unseren überhaupt auf tun können.

Auch die Tatsache, daß sich derartige Tragödien vor allem in den neuen Bundesländern abspielten, wirft Fragen nach einer weitergehenden politischen Verantwortung derjenigen auf, die diese Menschen mit dem rosarot getünchten Begriff einer Wende, einer Wende zum Guten vor allem, aus ihren angestammten Wurzeln gerissen haben, und dies auch noch quasi über Nacht.

Und die dann noch, als wenn das diese Menschen nicht schon zur Genüge belastet hätte, in einer genauso marktschreierischen wie besserwissenden Weise das noch bessere Leben in einer glorreichen, heilsbringenden Globalisierung aller Märkte an die Wand malten.

Eine globalisierte Welt, egal ob aus Kulti-Multi- oder Profit-orientierten Motiven heraus, die die Menschen sowohl im Osten, als auch im Westen unserer Republik auch noch den letzten Rest ihrer kaum noch vorhandenen Wurzeln beraubt. Einer Welt von heute, die die Menschen hier zu einem kaum zu bewältigenden gnadenlosen Überlebenskampf zwingt.

In einer von einer gefühlskalten Politik gelenkten Welt, die immer mehr Menschen in Deutschland ins soziale Elend drängt, sie in ein Bodenloses, in ein Leben ohne Würde und Selbstachtung fallen läßt. Ich trauere heute nicht nur um die getöteten Kinder, sondern empfinde auch Mitleid für die Täter, auch wenn deren perfide, perverse Tat durch überhaupt nichts zu entschuldigen ist. Genauso wie ich nun Mitleid empfinde für diejenigen, die da jetzt sitzen zu Gericht, denn dies vermag ich ganz sicher nicht.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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