Tod unter der Leitblanke
Schon wieder hat uns die afrikanische Hitze in ihrer gnadenlosen und unbarmherzigen Hand. In der vergangenen Nacht war dies kaum auszuhalten.
Wer nicht gerade in einer ungesunden klimatisierten Umgebung nächtigte, der konnte vor allem im Innern der Baleareninsel bis lange nach Mitternacht keinen Schlaf finden.
Bei Temperaturen nahe an die dreissig Grad, kam so etwas wie ein Sauna-Feeling auf, von einer erfrischenden Seebrise war zu allem Unglück so gut wie nichts zu spüren.
Erst gegen vier Uhr am Morgen waren die ersten belebenden Meereswinde zu spüren, kurz nach halb fünf war es dann längst, als ein Mallorca Kolumnist friedlich und ruhig, vom Schlaf endlich übermannt, dann anfing auch selbst die Schäflein zu zählen.
Dementsprechend gerädert erwartete mich der Morgen, wäre ich doch so klug gewesen die Nacht zum Tage zu machen. Viele andere taten dies in weiser Vorraussicht, ungewöhnlich viele Familienfeste, auch der Lärm einiger Parties war bis in die frühen Morgenstunden zu vernehmen.
Wer also den Herbst bereits jetzt schon eingeplant und im Blickfeld hatte, darf ihn vorerst beruhigt wieder eintüten, leider auch ich muss dies jetzt wohl tun. Dabei hatte ich mich so sehr auf einen frühzeitigen Beginn der dritten Jahreszeit gefreut.
Hunderte von Stossgebete sind dies bestimmt gewesen, sind in den letzten Tagen gen Himmel gestiegen, hier auf Mallorca. Nein, nicht wegen dem Wetter, viel, viel schlimmer. Der da oben hat diese flehentlichen Gebete leider nicht erhört.
Der vor dem Sòller-Tunnel schwer verunglückte Biker-Kollege ist seinen schlimmen Verletzungen erlegen. Er hat seinen verzweifelten Kampf um Leben und Tod nicht gewinnen können. Ein Tag des Trauers gewiss nicht nur bei seinen Angehörigen, alle Motorradfahrer sind angesichts der Umstände ausser sich und entsetzt.
Würde es diese unsäglichen Leitplanken nicht geben, hätte der Mann seinen Unfall sehr wahrscheinlich überlebt. Diese verflixten, scharfen und vor allem falsch montierten Leitblanken werden beim Sturz eines Motorradfahrers zur tödlichen Falle. Der man nicht entrinnen kann. Wie dies auch diesmal wieder der Fall gewesen ist.
Seit Jahrzehnten ist dies nun so, niemand aus der Politik nahm sich dieses Themas bisher an. Der diesmal Verunglückte war kein unbekannter Mann auf unserer Insel, im Gegenteil. Und wir alle hoffen sehr, dass spätestens jetzt endlich ein Prozess des Umdenkens und vor allem des Handelns hier auf Mallorca beginnt.
Mein erster Gruß gilt heute den Angehörigen eines Biker-Kollegen, denen ich in aller Bestürzung mein Beileid ausrichte. In meiner Eigenschaft als Journalist und Motorradfahrer grüße ich dann sogleich die Verantwortlichen in Palma, wie auch in vielen anderen Gemeinden unserer Insel.
Hoffentlich fangt ihr jetzt endlich an diese Todesfallen für Motorradfahrer zu entschärfen. Sie gehören weg, ausgewechselt und durch Schutzsysteme ersetzt, die diesen Namen auch wirklich und endlich verdienen.
Mein nächster Gruss geht wie immer hinüber nach Deutschland. Dort wurde nun bekannt, dass zahlreiche Computer in Bundesministerien mit Spionageprogrammen aus China infiziert sind. Und diese Regierung will ihre Bürger online überwachen. Wenn das Thema an sich nicht ebenfalls ein Trauerspiel wäre, könnte man darüber lauthals lachen.
Dann kann man gleich den Bock zum Gärtner machen, oder noch besser, dies im Sinne der deutschen Verfassung einfach bleiben lassen. Lasst die deutschen Bürger in Ruhe, lasst ihnen die Freiheit im Geiste der Väter des Deutschen Grundgesetzes. Vielleicht sollte Wolfgang Schäuble zunächst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Deutsche Tölpelei liest man nun, wo man auch hinschaut.
Die schlauen Jungs vom CCC, dem renommierten Chaos Computer Club, sie sind höchst amüsiert. Wer will es ihnen verdenken. Dort sitzen die besten Fachleute der Informatikbranche, auch Hacker genannt.
Bitte nicht verwechseln mit dem kriminellen Cracker, dieser wird umgangsprachlich nicht selten fälschlicherweise ebenfalls Hacker genannt. Die Hacker sind jedoch die Guten, sie sind diejenigen, die mögliche Schwachstellen in Computersystemen aufdecken. Der Cracker jedoch handelt des eigenen Vorteils willen, schädigt andere aus purem Eigennutz. Dies würde ein echter Hacker niemals tun.
Und zu recht spotten diese Jungs vom CCC jetzt. Ein Kolumnist schüttelt angesichts der Unfähigkeit der Bundespolitik verständnislos den Kopf. Bundeskanzerlin Angela Merkel besucht derzeit auch noch das Land, aus dem diese Trojaner kommen, China. Grotesk das Ganze, fürwahr, denn da wird doch das ganze Unvermögen dieser deutschen Bundesregierung erst einmal so richtig offenbar.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel mit derzeit körperlich spürbarer Nähe zu Afrika.
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