Grüner Sumpf

Es sind dies die Tage, in denen die Menschen nach christlicher Überzeugung Buße tun sollen. In Erinnerung an das Leiden und Sterben von Jesus Christus soll die Karwoche nach dem Willen der christlichen Kirchen eine Woche des Trauers sein, es soll etwas Ruhe einkehren in das Leben und in den Herzen aller hierzulande.
Jedoch, und auch dies ist christliche Tradition, es soll auch marschiert werden. Marschiert werden, ebenfalls in Erinnerung an den Sohn Gottes, der in seiner berühmtesten aller Predikten, hoch oben auf einem Berg, zu den um ihn versammelten Gläubigen sagte, daß nur die selig sind, die den Frieden machen.
Und so beteiligen sich seit Konrad Adenauers Forderung nach Nuklearwaffen für Deutsche Truppen, lediglich 12 Jahre nach dem schlimmen Krieg war es, dieser Tage wieder einmal einige tausend Menschen an einem gewohnten Ritual, und gehen auf die Straße in einigen Städten unserer Republik.
Bemerkenswert dabei ist die vornehmliche Zurückhaltung einer Partei, die einmal für sich in Anspruch nahm, besonders friedliebend und gewaltlos, und besonders ethisch zu sein. Einer Partei, mit entsprungen aus einer breiten Friedensbewegung nach dem Nato-Doppelbeschluß, welcher nach 1979 zur Stationierung von Atomwaffen in der seinerzeitigen Bundesrepublik Deutschland geführt hatte.
Einer Partei, die noch in den achziger Jahren, bei den teils gewaltigen Ostermärschen, mit den Gewerkschaften und Sozialdemokraten um die vordersten Plätze an der Spitze dieser Märsche noch so heftig gerangelt hatte. Die Grünen, allen voran deren Vorsitzende Claudia Roth, kritisieren die Friedensbewegung von heute für eine, so sagen sie, pauschale Ablehnung des Militärischen.
Was würde wohl die große Petra Kelly sagen, ihr lieben Grünen von heute. Eure aufrechte Gründerin, eure Mutter gewissermaßen, die bereits 1968 den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf von Robert Kennedy mit organisierte. Und, der man den Alternativen Nobelpreis verlieh, für ihren unermüdlichen Kampf gegen militärische Gewalt, für ihren unermüdlichen Einsatz für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Welt.
Diese so anständige Frau, die ihr zum Vorbild schon viele Jahre nicht mehr genommen, sie würde weinen. Sie würde bitterlich weinen, und sich dabei denken, warum nur seid ihr heute so verkommen.
Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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