In memoriam
Der so wunderbar unendlich lange Sommer auf Mallorca zeigt sich bereits jetzt mit Temperaturen von fünfundzwanzig Grad. Und dies bereits um elf Uhr am Morgen. Mittlerweile ist auch dem letzten aller Inselliebhaber wieder bewußt geworden, wieso er dieses schöne Fleckchen Erde liebt. Mein Blick geht heute einmal mehr nach Deutschland. Dort wird immer noch heftig über die Vorschäge von Wolfgang Schäuble diskutiert. Er will die Deutsche Verfassung ändern, weil das Bundesverfassungsgericht seine Forderung nach mehr Überwachung der Menschen in Deutschland als nicht vereinbar mit dem Grundgesetz erklärt hat.
Dies ist auch eine Form von Demokratieverständnis, denke ich mir, was ist bloß in diesen Mann gefahren. Es ist mir fast so, als sei er irgendwie nicht mehr Herr seiner selbst. Macht er sich für andere stark, oder sind es doch die oft vermuteten Spätfolgen des seinerzeitigen schrecklichen Attentats, wie man es des öfteren diskutiert und wie man es auch schon ganz offen in Wikipedia nachlesen kann.
Phobien könnten es sein, nein, sinniere ich, sie müssen es eigentlich sein. Es ist mir fast so, als ob Deutschland nicht vor Terroristen Angst hat, sondern vor Wolfgang Schäuble und denjenigen, die in diesen Wochen seine Worte entweder gedankenlos nachplappern, oder, die sie aus dem interessierten Ausland vielleicht sogar mit initiieren.
Man schau nur einmal über den großen Teich, wo in diesen Tagen der republikanische Präsidentschafts-anwärter John McCain die unglaubliche Chuzpe zeigt, während einer von vielen TV-Anstalten gefilmten Wahlkampfveranstaltung lauthals den Beach-Boys-Song "Barbara Ann" in abgewandelter Form als "Bomb bomb bomb, bomb bomb Iran" in die bereitgestellten Mikrofone hinein zu singen, und dies auch noch vor einer zustimmend grölenden Menschenmenge.
Wenn diese Meldung stimmen sollte, lieber Wolfgang Schäuble, dann ist dieser Mann für mich ein Terrorist, und ich empfehle Ihnen dringend Ihr Engagement zu verlagern, und den Terrorismus da zu bekämpfen, wo er denn auch entsteht. Die Väter des Grundgesetzes wären, wie ich meine, entsetzt darüber, daß sie deren Werk derart beschädigen wollen. Diese Verfassung der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland, für die zunächst einmal viele Millionen Menschen ihr Leben lassen mußten.
Das Bundesverfassungsgericht, eines der wichtigen Verfassungsorgane der ausdrücklich im Grundgesetz verankerten Gewaltenteilung hat Sie in die Schranken verwiesen. Dies sollte Ihnen eigentlich genügen, denke ich, vor allem der Sie ein Mitglied der Bundesregierung sind, in einem derart verantwortungsvollen Amt wie dem Ihren, dem Amt des Innenministers.
In diesen Tagen wurde bekannt, einer der großen Väter dieses Grundgesetzes, Ludwig Ehrhard, neben Konrad Adenauer die Lichtgestalt ihrer Partei, der CDU, soll anscheinend niemals Mitglied Ihrer Partei gewesen sein. Ich denke diese Frage ist heute nicht so erheblich.
Aber ich glaube ganz fest, daß Ludwig Ehrhard heute vielleicht sogar da oben sitzt, und bei ihrem Treiben hier unten doch ganz tüchtig schwitzt. Und wenn Sie ihn denn heute fragen, ob er jetzt noch möchte, hinein in Ihre Partei, dann wird er, da bin ich sicher, schlicht und einfach sagen, nicht wenn Wolfgang Schäuble ist noch dabei.
Daher schaue ich auch heute wieder einmal nach oben, lenke meine Gedanken alleine zu den Vätern des Grundgesetzes. Und da vor allem zu dem immer liberal denkenden Ludwig Ehrhard, der auch der Vater des Deutschen Wirtschaftswunders, und, was viele seiner Partei mittlerweile zu vergessen scheinen, der auch der Mitbegründer der Sozialen Marktwirtschaft gewesen ist.
Herzlichen Gruß also an Ludwig Ehrhard, Gott hab Sie selig, ich hoffe für Sie, daß Sie von oben nicht sehen diesen ganzen Terz, denn dann würden Sie, so glaube ich, gar Schlimmes empfinden vor so viel Schmerz.
Herzliche Grüße nach Deutschland und an alle von hier, von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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