www.valentinmoser.com
Suche   

Leichen im Keller

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDies ist das besondere Verständnis für ein freies EU-Europa auf der Insel Mallorca. Man sieht dies an dem gerade in allen, zumindest deutschen, Gazetten diskutierten Fall eines deutschen Bestattungsunternehmers, der anscheinend daran gehindert werden soll auf Mallorca sein Gewerbe auszuüben.

Man kann es ihm zwar nicht offiziell verbieten, denn dann müsste sich Spanien und dann vor allem die Balearenregierung eine dicke Rüge von den EU-Kommisären gefallen lassen, aber man macht so etwas dann halt auf ganz einfache, sprich subtile Art und Weise.

Man erlaubt ihm einfach nicht das allgemein Übliche und auch das Mindestnotwendige, welches ein Bestattungsunternehmer einfach braucht, damit er überhaupt erst sein Gewerbe ausüben kann. Man verbietet ihm die Nutzung des Krematoriums auf Mallorca. Weil er ja nicht die erforderlichen Lizenzen hat. Die hat er zwar schon seit drei Jahren beantragt, aber so eine Bearbeitung kann ja schon einmal Jahre andauern. Bis dahin ist so ein Unternehmer dann klarerweise pleite.

Man macht damit nicht einmal das, was hier in Spanien und vor allem auf Mallorca üblich ist, wenn man mit Ausländern, und da vor allem mit den Deutschen Geschäfte macht. Üblich wäre ja eigentlich der sogenannte Alemannen-Aufschlag. Dies ist so eine Art Extragebühr für dämliche Quadratköpfe, wie die Deutschen hier nicht selten genannt werden, wobei das Wort dämlich eine sinngemäße Definition meinerseits ist, denn das will man ja damit ausdrücken.

Dieser Aufschlag trifft vor allem die hilflosen deutschen Urlauber wie auch Inselbewohner, die einfach zu anständig sind, weil sie glauben so etwas gibts es nicht, weil das nicht Rechtens ist und auch keinem sozialen Verhalten entspricht. Aber da täuscht man sich dann gewaltig, denn pingelig an Gesetze hält man sich vor allem, wenn es um Deutsche Nummernschilder geht, oder wie in dem vorliegenden Fall um einen missliebigen Deutschen, dessen einziges Vergehen es gewesen ist, im Sinne eines freien Europas hier auf Mallorca sein Geschäft auszuüben.

Und das geht in Spanien und auch auf Mallorca so einfach nicht. Während ein Spanier schon seit über dreissig Jahren in Deutschland ohne Meisterbrief eine handwerkliche Selbständigkeit gründen konnte, und dies innerhalb wenige Tage, schikaniert man hier die Unternehmensgründer mit allerlei sinnfremden Vorschriften, denen man im Grunde nicht gewachsen ist, und die alleine dem Zweck einer Behinderung des freien Wettbewerbs zu dienen scheinen.

Lobbyismus übelster Art nenne ich das. Es gibt dies zwar auch in Deutschland in einigen Berufsgruppen immer noch, aber dort herrscht im Vergleich zu Spanien eher eine Existenzgründer-Anarchie.

Was hat der gute Mann also gemacht, nach seinem Krematorium-Nutzungsverbot. Das einzig Vernünftige, das, was jeder normale Mensch in diesem Moment getan hätte. Er hat sich das nächstgelegene Krematorium gesucht, denn der Leichnam musste ja schnell eingeäschert werden. Aus hygienischen Gründen, wie auch aus Gründen der Pietät, denn es geht hier ja auch um das oft unendliche Leid der Angehörigen, auf deren Rücken diese Mallorca Provinzposse sich nun auch noch abspielt.

Nun hat man diesen Mann verhaftet, weil er nicht über eine Transportgenehmigung nach Barcelona verfügt. Der in Barcelona eingeäschte Leichnam ist nach offiziellem Sprachgebrauch nun abhanden gekommen. So wirft man ihm dies nun vor. Außerdem hätte er noch eine verweste Leiche im Keller. Dies wirft man ihm nun auch noch vor.

Weil Leichname bei deutschen Bestattungsunternehmern ja nichts zu suchen haben, vermute ich einmal. ich kenne mich in dem Geschäft zwar nicht so gut aus, aber ich könnte mir vorstellen, daß bei den behördlichen Bearbeitungszeiten auf Mallorca eine Leiche auch schon einmal in den Verwesungsprozess übergehen kann. Wie gesagt seit etwa drei Jahren liegen die Antragsformulare den hiesigen Behörden vor.

So kann man Europa auch verstehen. Und ich frage mich auch diesmal wieder, wann denn endlich bei einigen Politikern in Deutschland sowie den anderen EU-Ländern ein Lichtlein aufgeht und sie endlich erkennen, was für ein dämliches Europa sie doch geschaffen haben. Ein Europa, in dem die einen anscheinend so dumm sind, indem sie sich an die Spielregeln halten, während die anderen dies nicht tun und dann dafür aus Brüssel noch recht ansehnlich belohnt werden.

Hunderte von Millionen gehen hier auf die Insel, Jahr für Jahr, und hunderte Fälle könnte man darlegen, in denen die Balearenregierung alles dafür tut ein freies Europa mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern.

Wie die Zeilen erkennen lassen, kann sich ein Kolumnist auch einmal so richtig ärgern. Die Regelungswut ist ja nicht gerade eine Erfindung aus Spanien oder Mallorca. Die gibts ja überall. Aber wenn auf so eine dummdreiste Weise der angeblich europaweit gültige freie Wettebewerb behindert wird, dann ist dies eine Chuzpe sondersgleichen. Und ich wünsche mir den Egoismus und die Unverfrorenheit, die ich hier in aller Regelmäßigkeit sehe, endlich auch einmal in Deutschland.

Und dorthin geht auch daher heute mein erster Gruß. Wir Deutschen sind ja nunmal keine Revolutionäre. Wie die Geschichte dies oft leidvoll gezeigt hat, ziehen wir gern den Schwanz ein und laufen einfach dem nach, was von ganz oben als Richtung vorgegeben ist. Das ist ja nunmal typisch deutsch. Wir gelten alle als regeltreu, als Quadtratköpfe eben.

Und daher sind wir auch in den Augen vieler Anderen einfach zu dämlich, wenn es um das Geschäfte machen geht. Also wacht endlich auf und hinterfragt bei euren Lokal-, Landes- und Bundespolitikern einmal den Sinn eines freien Europas und einer globalen Wirtschaftswelt, die sich dann jenseits eurer Grenzen doch ganz anders präsentiert.

Denn diese Politik hat euch bisher vor allem mehr Arbeitslose, mehr Kapitalflucht und vor allem aber niedrigere Löhne eingebracht. Und natürlich noch mehr Politiker und aufgeblähte Verwaltungen in Brüssel und was weiss ich noch wo. Dies alles dürft ihr dann auch noch zahlen.


Weitere Artikel in der Rubrik Europa:
© 2007 power-labels.com