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Überschuldet

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDeutschland ist überschuldet. Diese Meldung sorgt hierzulande eher für ein müdes Schulterzucken, wenn ihr überhaupt noch eine gleichwie geartete Aufmerksamkeit zuteil wird. Zu groß ist die Auswirkung eines bereits über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte andauernden Gewöhnungsprozess in dieser Angelegenheit.

Der skizzierte Abstumpfungeffekt tritt auch schon deshalb ein, weil ein Volk seine Macher eben genauer kennt. Der zu oft leichtfertige Umgang mit dem Steuergroschen seitens der großen oder auch kleinen Politik gab und gibt den meisten hierzulande die Gewissheit, daß es daher gar nicht anders sein kann.

Diese Überschuldung wird als Folge egoistischen und wenig verantwortungsvollen Handelns vieler Politiker angesehen. Was anderes ist es jedoch, wenn es nicht um Kommunen, Länder oder den Bund geht, obwohl der Bürger auch hierfür gerade stehen muss, sondern wenn er, der Bürger selbst Gegenstand oben genannter Meldungen ist.

In diesen Tagen ist es wieder einmal soweit. Eine neue Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform macht die Runde. Dieses Unternehmen, besser gesagt die Organisation Creditreform, deren Gründung, ich zitiere einmal sinngemäss, 1879 vorgenommen wurde um ihre Mitgliedern vor schädlicher Kreditvergabe und den daraus folgenden Forderungsausfällen zu schützen, müßte mit ihren neuesten Statistiken normalerweise blankes Entsetzen hervorrufen.

Knapp eine Million Menschen in Deutschland müssen Jahr für Jahr einen Offenbarungseid leisten, Neu- und Amtsdeutsch sagt man mittlerweile eidesstattliche Versicherung hierzu. Einer mehrfachen dieser Zahl an deutschen Bürgern, ebenfalls pro Jahr, werden Strom- oder Gasanschluss gesperrt, oder auch beides.

Diese Menschen leben in über 800.000 deutschen Haushalten. Die ganz jungen Menschen, die von 13 bis 24, sollen ebenfalls schon in der Schuldenfalle sein. Zwei Drittel aller Schuldner sind Männer, was jedoch angesichts des geltenden Familien- und Unterhaltsrechtes eher keine Überraschung ist.

Die mit 130.000 pro Jahr relativ niedrige Zahl der Privatinsovenzen ist eher dadurch zu erklären, daß einfach nicht mehr bearbeitet werden können. Denn das sogenannte Verbraucherkonkursgesetz hat man zwar vor Jahren ins Leben gerufen, die hierfür notwendige Infrastruktur, sprich Beratungs- und Bearbeitungsstellen hat man vorsichtshalber erst mal zögerlich den bekannten Gegebenheiten angepasst. Und genau dies ist bis heute noch nicht ausreichend geschehen.

Daneben scheut eine große Zahl von Menschen diesen Weg der mehr als sieben Jahre andauernden Schuldenbefreiung, da sie ihn als ganz persönliche und bittere Lebensniederlage empfinden. Obwohl mehr denn je bedenkliche politische Weichenstellungen die Ursache ihres so empfundenen persönlichen Versagens waren.

Es sind dies wieder einmal bedrückende Zahlen, die eine bedenkliche Situationsbeschreibung des ehemals für fast alle Bürger sozialen Landes Deutschland im Jahre 2007 abliefern. Zahlen, die sich die Damen und Herren der Bundes- und Europapolitik im Grunde Tag für Tag aufs neue anschauen müssten.

Und die sie eigentlich tunlichst von ihrem Kurs eines freien Europa, und einer fast ebenso freien gloabalen Welt endlich einmal abbringen sollten.



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