Peinlich, peinlich
Samstag Abend war es endlich soweit. Nach monatelanger Ankündigung gastierte Wetten dass mit Thomas Gottschalk in der Stierkampfarena auf Mallorca. Die ZDF-Live-Sendung, wie immer mit beachtlichem Aufwand vorbereitet, sollte endlich die lang ersehnten positiven Schlagzeilen für die Insel bieten, nämlich genau die, die ihr in den letzten Monaten nahezu völlig versagt blieben.
So liess denn auch die Balearenregierung auf der Wetten dass After Show Party im Pueblo Español durch einen Abgesandten mitteilen, dass diese Sendung Mallorca als touristisches Ziel nur noch attraktiver machen könne.
Wenn sich dieser gute Mann da nicht einmal gründlich getäuscht hat, denn bereits am nächsten Morgen waren in mehreren Sonntagszeitungen sowie im Internet, vorsichtig ausgedrückt, äußerst zurückhaltende bis niederschmetternde, sprich wenig schmeichelhafte Kritiken zu lesen.
In wenigen Worten zusammengefasst war der nahezu einhellige Kommentar der Medienwelt, wie immer wurde großer Aufwand betrieben, jedoch mit einem dieses Mal besonders mageren Ergebnis. Mehr oder weniger große Langeweile war nämlich an diesem Abend angesagt.
Dass Thomas Gottschalk die Sendezeit zum allerersten Mal überhaupt pünktlich einhielt, hatte da fast schon so etwas Symbolcharakter, denn nicht nur unter den etwa 6000 Zuschauern in der Stierkampfarena wollte so etwas wie Partystimmung gar nicht erst aufkommen.
Die angeblich großen Stars erwiesen sich noch dazu bei näherer Betrachtung eher als die zweite Garnitur. Bon Jovi mit einem Schmusesong langweilte die Zuschauer genauso wie Enrique Iglesias, erst Dieter Bohlen im Duett mit seinem DSDS - Gewinner Marc Medlock sorgten für vorrübergehende große Stimmung, sogar für Standing Ovations.
Dafür war deren Benehmen auf dem traditionellen Wetten dass - Sofa mehr als peinlich. Selbst Thomas Gottschack verlor vorübergehend seinen Humor angesichts der Tatsache, dass sich Dieter Bohlen und Mark Medlock immer wieder betätschelten. Als Mark Medlock dann auch ihn angrabschen wollte, reagierte Thomas Gottschalk ganz ungewohnt, nämlich gar nicht so amused.
Einer der Höhepunkte an Geschmacklosigkeit war der gemeinsame Auftritt von Roberto Blanco mit Liz Hurley mit dem Karnevalssong Ein bisschen Spass muss sein. Während man derartiges von Roberto Blanco seit jeher schon gewohnt ist, liessen sich Boxer Henry Maske und seine Boxer-Kollegin Regina Hamlich ebenfalls zum Affen machen. Diese durften sich als Mallorca-Touristen verkleiden, während Barbara Schöneberger und Roberto Blanco sich beim Stallausmisten übten.
Die Wetten des Abends waren im Vergleich zu vergangenen Jahren höchst durchschnittlich. Einen Tischventilator mit einer Zunge anzuhalten war dabei vielleicht nocht die originellste Wette, zumindest für diejenigen, denen nicht bekannt ist, dass deren Plastik-Rotorblätter seit Jahren, eben zur Vermeidung von Verletzungen, nicht nur besonders leicht, sondern auch noch abgerundet sind.
Zu allem passte, dass das ZDF diese Sendung erstmals im 16 x 9 - Format ausstrahlte, was den Zuschauern zuhause an den Bildschirmen statt einer besseren Sicht genau das Gegenteil, und dazu noch schwarze Bildränder bescherte.
Man konnte sich des Eindrucks an dem Abend nicht erwehren, dass das ZDF anscheinend die Zielgruppe sechzig plus ansprechen wollte, zu typisch spiessig-deutsch war der Gesamteindruck der Sendung. Deutsche Hausmannskost eben, diesmal halt nur vor einer herrlichen Kulisse, die man aber in Deutschland ebenso irgendwo hätte finden können.
Dazu muss man nicht extra den ganzen Tross nach Palma de Mallorca verlegen, und schon gar nicht in diese wunderbare Stierkampfarena. Diese hätte sich geradezu ideal als Schauplatz einer Stadtwette angeboten. Die gab es leider erst gar nicht, weder dort noch an einem der wunderbaren Strände oder noch besser, in der höchst sehenswerten Altstadt von Palma.
Denn wenn es diese Stadtwette gegeben hätte, dann wäre ja vielleicht doch etwas mehr vom mallorquinischen Flair und damit südländische Stimmung in die heimischen Wohnzimmer gekommen. Was man anscheinend vermeiden wollte. Stimmung kam leider auch dann nicht auf, als Thomas Gottschalk zum Schluss die Zuschauer aufforderte nach vorne zukommen, um bei einem Ohrwurm von Kool and the Gang das Tanzbein zu schwingen. Nur wenige der Zuschauern verspürten Lust zum Tanzen.
Thomas Gottschalk verabschiedete wie gewohnt seine Gäste mit Handschlag. Bezeichnend dabei war, dass er dem einzigsten, der an dem Abend überhaupt große Stimmung verbreitete und der diesen Handschlag folgerichtig auch am meisten verdient hätte, nämlich Dieter Bohlen, seine Hand zum Abschied nicht entgegenstreckte.
Den letztgenannten, Dieter Bohlen, grüße ich dafür heute einmal. Diese Tätschelei vor laufenden Kameras, lieber Dieter, die hast Du doch gar nicht nötig. Denn, wenn Du Dich an diesem Abend einmal genau umgesehen hast, dann konntest Du beobachten, die anderen, die steckst Du auch so noch locker in den Sack.
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