Die Russen kommen
Man soll anscheinend verschaukelt werden, hier bei uns auf Mallorca. Wie so oft geht es um richtig viel Geld, nein, noch mehr, um das ganz, ganz grosse Geld.
Und um jede Menge Eitelkeiten natürlich, wie dies schon immer hier auf Mallorca, gerade in dieser Branche gewesen ist. Heute geht es bei mir um Immobilien und ihre Preise.
Wir alle verfolgen derzeit die höchst dramatischen Zustände in den USA. Dort sorgt eine mächtige Finanzkrise für grosse Turbulenzen und Alarmsignale, letztere sind auch hier in Europa nicht zu überhören.
Können sie auch nicht, denn wenns da drüben jetzt doch bald so richtig scheppern sollte, dann fliegen die Fetzen auch hier bei uns. Aber genug der blumigen Worte, schauen wir uns den Sachverhalt doch einmal etwas näher an, auch und gerade weil die Situation in den Vereinigten Staaten zumindest einige Parallelen zu Spanien und damit auch den Balearen aufweist.
Dort drüben nämlich lieh man, genauso wie hier bei uns, nur viel schlimmer, jahrelang jedem, der danach fragte, Geld. Und zwar haufenweise Geld, zu noch besseren Konditionen als hier, praktisch zum Nulltarif, sprich fast ohne Zinsen, oder nur verschwindend geringe.
In der Folge kam es zu einem Immobilienboom, der die ganze Wirtschaft mit sich riss, auch weil sich im Prinzip jeder im ganzen Land urplötzlich ein eigenes Haus leisten konnte. Was geschieht, wenn alle bauen oder Häuser kaufen wollen?
Richtig, die Immobilienpreise steigen und steigen, und zwar schlussendlich in schwindelerregende Höhen, genauso wie dies hier bei uns der Fall ist. Alle Amerikaner fühlten sich so richtig schön reich und konsumierten damit einen beispiellosen Aufschwung herbei. Auf Pump versteht sich.
Die Banken vergaben bereitwillig Kredite, quasi ohne Ende, aber nicht nur für den Kauf oder Bau eines Hauses, sondern auch zur Unternehmensfinanzierung, also für Firmenkäufe. Egal ob Immobilie oder Unternehmen, jeder bekam Geld, auch derjenige, der nicht einen einzigen Dollar aus seiner eigenen Tasche beisteuern konnte.
Man kennt für diese Art der Kreditvergabe übrigens einen Fachbegriff, subprime mortgages, so nennt man dies da drüben, hinter dem grossen Teich. Auf gut Deutsch, zweitklassige Hypothekendarlehen. Die jetzige Finanzkrise in den USA nennt man daher auch die Subprime-Krise. Jedes Kind muss ja schliesslich auch einen Namen haben, wenn es auch ein böses ist.
Wenn Sie nun denken, welche Banken sind denn schon so blöd und vergeben Kredite ohne Sicherheiten, dann haben sie nicht mit Folgendem gerechnet. Die Banken haben nämlich ihrerseits nach Investoren gesucht. Ganz so blöd sind die ja auch nicht gewesen.
Und was bot sich da an? Jede Menge Geldgeier, die gerne auf das ganz grosse Geld spekulieren. Banken, Investmentgesellschaften, Sie haben ganz sicher auch schon von diesen Hedge Fonds gehört, und ausserdem kann man ja noch Wertpapiere jeglicher Art herausgeben, letztendlich auch welche für die ganz grossen Zocker.
Unsere Banken, hier in Europa, vor allem in Deutschland, wo man dem Normalsterblichen Geld nur gegen Sicherheiten quasi in Höhe der Kreditsumme ausleiht, hat man da drüben ebenfalls Hunderte von Miliarden Dollar investiert, wenn nicht sogar noch viel mehr. Genaues weiss man ja nicht, die feinen Bänker lassen sich nicht in ihre Karten schauen.
Und damit ist das Problem da drüben auch zu unserem Problem geworden. In den USA hat man gestern in vielen Fällen kurzerhand den Bürgern verboten ihre Geldanlage zurückzuholen. Investmentfonds wurden geschlossen, und so weiter und so weiter.
Dies zusammen mit den Stützkäufen aller wichtigsten weltweiten Zentralbanken in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Dollar, alles geschehen am gestrigen Freitag, hat zumindest bis zum Wochenanfang den ganz grossen Börsencrash erst einmal vermieden.
Die Panikstimmung ist dennoch vorhanden, stellen Sie sich doch mal vor, Sie kommen nicht mehr an Ihr bitter erarbeitetes und erspartes Geld heran. Und damit sind wir wieder hier in Spanien, und da besonders hier auf Mallorca angelangt.
Auch hier wurde der Geldhahn mächtig aufgedreht, leichtfertig Kredite vergeben, mit der Folge, dass mittlerweile viele Haushalte hoffnungslos überschuldet sind. Verzweifelt versucht man nun seine Immobilie wieder los zu werden, die immer zahlreicher werdenden se vende - Schilder an zahllosen Häusern sind bereits seit Monaten ein Indiz hierfür.
Nun wird dies alles noch etwas kaschiert, es ist momentan Tourismus-Hochsaison, da wird hier auf Mallorca kräftig Geld verdient. Jedoch spätestens im Winter spitzt sich die Lage zu, nach Ansicht vieler Experten könnte spätestens dann die Immobilienblase mit einem besonders lauten Knall zerbersten.
Diejenigen, die davon leben, Bauträger und vor allem aber die Immobilienmakler, diese haben natürlich ihre eigene Strategie. Sie nämlich stecken zunächst einmal den Kopf in unseren schönen Inselsand, und erzählen allen und jedem, wie toll doch alles hier so ist. Wie die Preise doch so herrlich weiter nach oben gehen, und ausserdem die Russen kommen längst.
Ja, ja das hat man unlängst in einer Fernsehsendung wahrlich glaubhaft machen wollen. Die Immobilienpreise auf Mallorca würden weiter nach oben gehen, alleine schon wegen den Russen, die so viele Millionen in ihren Geldkoffern gleich bar mitbringen würden. Ein grosser der Branche versucht auf diese Weise die deutsche Käuferschaft in Sicherheit zu wiegen.
Ein Mallorca-Kolumnist hat jedoch auch so seine Immobilienmakler-Kontakte. Und daher kann ich das ganze nur mit einem heftig-ungläubigen Kopfschütteln quittieren. Ein oder auch zehn Russen mit schweren Geldkoffern verhindern noch nicht den grossen Immobiliencrash hier auf Mallorca.
Und wenns dann doch einmal einige Tausend werden, was glauben Sie wie schnell der Rest der Gutbetuchten hier dann das Weite suchen würde. Sankt Moritz lässt da schön grüßen. Einmal ungeachtet aller strafrechtlichen Bestimmungen, wie Geldwäschegesetz und so weiter.
Kurzum, es sieht gar nicht gut aus, hier auf Mallorca. In ganz Spanien zwar auch, aber vor allem hier bei uns. Und wenn Ihnen jemand in Zukunft weismachen will, es geht weiter hoch, dann glauben Sie das besser nicht. Es sei denn, Sie nennen einen Goldesel Ihr eigen, denn dann macht das natürlich nichts.
Die Immobilienpreise fallen dramatisch, die Mietpreise sinken auch, Geduld ist also angesagt. So munkeln es die Fachwelt hinter vorgehaltener Hand. Da aber alles auch etwas Psychologie ist, muss man erst einmal beschwichtigen, was soll man auch sonst tun.
Abwarten auf Herbst und Winter, vor Oktober sollte man hier weder kaufen noch mieten. Das ist die richtige Strategie. Noch besser wäre noch einige Wochen später, und immer schön handeln, und dann wieder abwarten.
Schauen Sie sich auf der Insel gut um, das Angebot ist gigantisch in allen Bereichen, was ja nicht sein könnte bei einer grossen Nachfrage. Und spätestens dann sagt auch Ihnen Ihr gesunder Menschenverstand, dass hier irgend etwas nicht stimmen kann, an diesen Hurrameldungen.
Meine Grüße gehen daher zunächst einmal an alle diejenigen, die hierher wollen, egal ob mieten oder kaufen. Die Situation hier ist künstlich, wie dies bei Immobilienblasen nunmal so üblich ist.
Und die ganz Schlauen in unserer Welt, nämlich die mit dem grossen und vor allem alten Geld, wissen Sie was diese nun tun? Richtig, diese orientieren sich zumeist nur an dem Schall, und zwar dem, der da bald kommt von dem ganz, ganz grossen Knall.
Mein Gruß ins übrige Deutschland ist verbunden mit der Hoffnung, dass wenigstens der Start der neuen Bundesliga-Saison etwas Zerstreuung in diesen unruhigen Tagen bringt. Und, dass sie vielleicht sogar die eine oder andere Überraschung bringt.
Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel, auf der zum Glück noch einige Wolken für, wenn auch geringe, Abkühlung sorgen.
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