Ein Schälchen Reis

Er trat in diesen Tagen an die Öffentlichkeit und erklärte, daß es in unserem Land Löhne unter 3 Euro die Stunde geben solle. Er begründet seine Haltung damit, daß dadurch neue Arbeitsstellen geschaffen würden.
Und dann kommt eine dieser unsäglichen Bemerkungen, die die Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer wieder aus den Reihen von Politik und Wirtschaft zu hören bekommen. Bemerkungen, deren Sinnleerigkeit dem Verfasser genauso zu entgehen scheint, wie die menschliche Verachtung für diejenigen, denen diese Sätze gewidmet sind.
Er sagt, bei Mindestlöhnen gingen massenhaft Stellen im Niedriglohnbereich verloren, weil der Mindestlohn Arbeit genau dort verteure, wo es am schädlichsten sei. Der Aufschrei ist nur kurz, man reagiert kaum noch darauf, abgestumpft und desinteressiert fügt man sich dem Schicksal des globalisierten Lebens in unserem Deutschland des Jahres 2007.
Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz ist es. Er beglückt dieser Tage, schon wieder einmal, man ist es mittlerweile gewohnt von ihm, deutsche Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, und insbesondere deren Familien, denn die betrifft es in erster Linie, mit eben dieser Aussage. Einer Aussage, die er auch hätte anders, nämlich direkt, offen und ehrlich, im Klartext hätte formulieren können.
Er hätte auch einfach sagen können, liebe Deutschen, es wird jetzt Zeit, daß mehrere Familien von euch zusammen in eine 2 bis 3 Zimmer-Wohnung ziehen, denn in anderen Ländern der Welt wohnen ja auch sehr oft 10 bis 20 Personen in nur einem einzigen Raum, vielleicht auch mal in zwei.
Er hätte auch einfach sagen können, liebe Deutschen, ein Schälchen Reis pro Tag ist genug ab jetzt, schaut euch um in dieser Welt, da ist auch zu oft nicht anders. Und er hätte einfach sagen können, liebe Familien, Kinder machen könnt ihr nur noch für den Niedriglohnbereich, denn, woanders in dieser Welt, da geht es auch nicht besser mit so wenig Geld.
Ich meine dazu, er hätte auch noch sagen können, wegen feister Männer wie auch mir, die wir unterstützen weniger Leute Gier, für die man Gutachten dann erstellt, regiert überall, sprich nicht nur da, sondern jetzt auch hier, nur noch das verdammte Geld.
Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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