Der König und der Paparrazi
Der Mallorca-Urlaub der Königsfamilie ist nun bald wieder passè, und ich kann mir vorstellen, dass eine ganze Reihe von Politikvertretern hier auf der Baleareninsel innerlich drei Kreuze machen werden.
Nicht etwa, weil die Familie von König Juan Carlos keinerlei Sympathien geniessen würde, ganz im Gegenteil sogar.
Ungeachtet der sogar sehr grossen Sympathien für den hohen Besuch aus Madrid gab es für einige aus Politik, Verwaltung wie auch den Polizeibehörden eine ganze Menge Mehrarbeit, galt es doch dafür zu sorgen, dass eine heilige Institution in keinster Weise zu Schaden kommt.
Der Alptraum jedes Verantwortlichen um die Sicherheit der Königsfamilie wäre es gewesen, wenn etwas Schlimmes geschehen wäre. Jede Menge Spinner und Wichtigtuer gibt es genügend, auch hier bei uns, und da war der riesige Aufwand für die Sicherheit der spanischen Krone natürlich sehr verständlich.
Im Bewusstsein, dass es nie eine hundertprozentige Garantie auf Sicherheit geben kann, gibt man sein Bestes, kontrolliert nach allen Seiten, sichert Routen ab und achtet darauf, dass der publikumsnahe König von jedwedem Unbill bewahrt wird. Und genau dies galt selbstverständlich auch für seine Familie, die Bilder einiger Paparrazis haben da naturgemäss für helle Aufregung gesorgt.
Diese Zunft wittert, wer will es ihr verdenken, die einmalige Gelegenheit zum goldenen Fotoschuss. Einem ist dieser sogar gelungen, als er die Königin nebst Schwiegertochter beim Sonnenbad am Mittelmeer ablichtete. Diese Fotos konnte der Mann an eine Zeitschrift verkaufen, der erzielte Preis entspricht in etwa dem Gegenwert einer kleineren Eigentumswohnung in recht guter Lage hier bei uns auf Mallorca.
Das war es aber glaube auch schon, die anderen lagen dann eher vergeblich auf der Lauer, die Sicherheitsbeamten versahen ihren Dienst mit Bravour. Und dies oft bei Temperaturen in der Sonne von weit über vierzig Grad. Dafür gebührt diesen dienstbeflissenen Menschen Dank und Respekt, und ich hoffe für mich, nein, eigentlich bin ich mir sicher, dass die Betroffenen seitens des Königshauses entsprechend gewürdigt werden.
Rund um Kathedrale und Königspalast wird es nun bald wieder entspannter zugehen, viele der Polizeibeamten treten ihren verdienten Sommerurlaub mit Verspätung an, Touristen und Einheimische können sich dann dort wieder etwas ungezwungener bewegen.
Dazu gehört auch ein Kolumnist auf Mallorca, der die routinemässigen Kontrollen ebenfalls erlebt hat. Mit viel Verständnis natürlich, denn die Welt ist nunmal schlecht, und deshalb musste das sein.
Meine ersten Grüße gehen deshalb heute an die sympathische Königsfamilie, zunächst an König Juan Carlos, nebst Gattin, aber auch an die anderen Familienmitglieder. Gute Reise Richtung Madrid wünsche ich, hoffentlich längstens bis zum kommenden Urlaubsjahr.
Mein nächster Gruß hinüber nach Deutschland geht heute zuerst einmal an die Yellow-Press mit den vier grossen roten Buchstaben. Ein Kind von Traurigkeit seid ihr zwar noch nie gewesen.
Jedoch, die Ablichtung der verzweifelten Familie bei der Trauerfeier des so tragisch verstorbenen 22-jährigen Fussballstars Antonio Puertas war ganz besonders geschmacklos. Vor allem, weil ihr die leidende Familie dann auch noch in einer Online-Foto-Show präsentiert habt. Pfui Teufel nenne ich das.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der nichtendenwollenden Hitze.
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