Die Kelle
Nun ist sie vorbei, die schöne Hochzeit im Himmel. So hat er sie doch genannt, sogar genau so. 100 Milliaden Euro hat sie gekostet, ist heute zu lesen. Ein deutscher Wirtschaftsprofessor sagt, bis heute wurden genau so viel vernichtet, wenn man einmal alles zusammen rechnet. Und mit Zinseszins versteht sich. Der kann das ja beurteilen, dieser Professor, sage ich mir. So eine Traumhochzeit wird natürlich auch erst einmal einfach per Handschlag besiegelt. Dann hat er damit auch noch fleißig herum geprahlt, seinerzeit, als er als Vorstandvorsitzener der Daimler-Benz AG diesen Mega-Deal mit Chrysler einfädelte.
Da hat er sich wahrlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp.
Ich schlage vor, wir schließen jetzt alle einmal die Augen und versuchen auch einmal 100 Milliarden Euro zu versenken. Irgendwie geht das doch.
Nein? Das gelingt Ihnen nicht? Komisch, mir mag dies auch nicht gelingen, beim besten Willen nicht. Aber selbst wenn mans dann doch irgendwie schafft, das wars ja dann noch nicht. Dies war ja längst nicht Alles.
Einige Milliarden hat der gute Jürgen Schrempp gleich noch einmal mit seiner Beteiligung an Mitsubishi Motors hinterher geworfen. Weils ja so spaßig ist. Aber selbst das war ja noch lange nicht alles, denn da gabs auch noch die herben Verluste mit diesem anderen tollen Auto, diesem Smart, sowie noch einige andere Pleiten.
Wenns nach mir ginge, müsste man ihn eigentlich als den deutschen Versager Nr. 1 oder auch Pleitegeier Nr. 1 in der deutschen Unternehmerlandschaft titulieren. Dies würde dem Jürgen Schrempp doch sehr gerecht werden, meine ich. Der Mann, der ja pikanterweise immer bekannt war für seine harten Management-Methoden, die nicht wenige an Rambo- oder Wildwest-Filme erinnert haben.
Und wenn man ihn dann überhaupt so nennen darf, denn deutsche Richter haben ja schon oft entschieden, daß man einen Versager nicht gleich offen Versager nennen darf. Aber wenn man doch darf, wie viele Menschen haben wegen so einem Versager leiden müssen, fragt sich dann heute ein Kolumnist.
Er, der diese, für viele Menschen Unheil bringende, Globalsierung maßgeblich mit ins Leben gerufen hat, dürfte sein ganzes restliches Leben selbst nur noch Champagner saufen, unke ich jetzt einmal. Nicht nur weil das manager magazin ihn einst als höchstbezahltesten deutschen Manager bezeichnet hat, sondern weil er auch heute noch sein Können fleißig unter Beweis stellen darf.
So ist er unter Anderem Honorargeneralkonsul der Republik Südafrika, und dann noch Vorsitzender der Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI), und dann auch noch Chairman der United Global Academy (UGA). Und dann hockt er auch noch in einem anderen gemütlichen Sessel, nämlich als Aufsichtsratsmitglied der südafrikanischen Fluggesellschaft South African Airways.
Und weil er ja so gute Arbeit bei Daimler gemacht hat, hat er dort auch noch ein eigenes Büro. Schließlich soll er ja rund 80 Mio Euro an Gehalt kassiert haben, was ja gar nichts ist im Vergleich zu den über 100 Milliarden an Verlust. So muß man es ja auch mal sehen. Die Ehefrau soll auch heute noch rund 200.000 Gehalt bei Daimler kassieren. Wieso auch nicht. Sie wird ja auch dafür arbeiten.
Und daß und sein Bruder Wolfgang Schrempp in nur wenigen Jahren vom gelernten Berufschullehrer zum Managing Director der italienischen Konzerntochter DaimlerChrysler Italia aufstieg und nun für DaimlerChrysler Australia/Pacific verantwortlich ist, das ist ja nunmal so in einer erfolgreichen Unternehmerfamilie. Da brauchts ja auch keine Bruderhilfe. Nun wollen wir mal hoffen, daß dieser Wolfgang nicht genauso erfolgreich ist wie der Bruder, der Jürgen.
Ach, beinahe hätte ichs doch vergessen. Berater beim G8-Gipfel ist er ja auch noch, dieser Milliardenverschwender. Einen guten Rat können die ja da immer gebrauchen. Das kann man sich ja denken. Und Aufsichtsratsmitglied bei Vodavone ist er noch, der gute Jürgen Schrempp. Sogar im Präsidum soll er da sein, und dann noch, ja, und dann noch, ich glaube ich höre jetzt auf damit, sonst sitze ich morgen noch hier und zähle auf.
Das Gute daran ist ja, daß der deutsche Bürger, und ganz besonders der sogenannte Kleine Mann jetzt genau weiss, was das ganz genau bedeutet, wenn die immer sagen, daß Leistung honoriert werden muss. Genau das haben diese deutschen Schrempps ihm ja immer erzählt, dem kleinen dummen Steuer-August. Der, der sich nicht so einfach ins Ausland absetzen kann, bei dieser ganzen tollen Globalisierung.
Aber das will der Kleine Mann doch auch nicht, wird sich der Jürgen Schrempp vermutlich denken, während er wieder einmal den Kaviar mit der großen Kelle schöpft. Er wird wahrscheinlich grinsen und sich sagen, es reicht auch, wenn sich meines Gleichen an so etwas laben. Und, schaut her, ja genau, so viel geht in meinen großen Ranzen, und deshalb lasse ich auch in Zukunft alle Puppen tanzen.
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