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Die Meewasseroper

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenWie noch in einigen anderen Ländern, so fällt das Fest der leibhaften Gegenwart Christi, kurz Fronleichnam, auch in Spanien auf einen Sonntag.

Jedoch ist der heutige Tag für viele auf Mallorca nicht nur ein Tag des Gedenkens, sondern auch ein Tag, an dem hier äußerst wichtige politische Entscheidungen fallen könnten.

Die Dame scheint ein knochenharter Verhandlungspartner zu sein, in jenen Tagen einer eventuellen politischen Neuausrichtung in der Politik der Balearen.

Die Koalitionsverhandlungen sind längst im Gang, nach dem die regierende PP um Jaume Matas bei den zurückliegenden Wahlen ihre absolute Mehrheit verloren hatte.

Dieser kam zwar angesichts seines Wahlkampfes und der darin vor allem von ihm und seinem Tourismusminister getroffenen Aussagen mit einem blauen Auge davon, dennoch könnte ihm nun das Schicksal der harten Oppositionsbänke winken.

Maria Antonia Munar dagegen scheint jetzt nahezu alle Trümpfe in der Hand zu haben. Ihr Partei Unio Mallorquina ist das Zünglein an der politischen Waage der Baleareninseln, und politisch erfahren wie sie ist, wird sie nun in den Verhandlungen mit der PSOE sowie PP mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau das herausholen, was in derartigen Fällen regelmäßig herauszuholen ist.

Drei Ministerien sollen es sein, wie man so hört. Neben ihrer Inselratspräsidentschaft wird sie in jedem Fall auch Vizepräsidentin der Balearenregierung werden. Und es bleibt abzuwarten, ob es erneut eine Koalition mit der politischen Linken geben wird, so wie es schon vor acht Jahren so gewesen ist.

Sinn machen würde es, gerade auch im Sinne der Insel Mallorca, denke ich mir, während ich mir gerade genüßlich vorstelle, wie nun Jaume Matas seine Sydneyoper direkt vor seinen Augen in den Fluten des Meerwassers am Hafen von Palma de Mallorca versinken sieht.

Er wollte dieses prestigeträchtige Schickeria-Bauwerk ja unbedingt haben. Und dies sage ich jetzt auch einmal in meiner Eigenschaft als absoluter Liebhaber geistiger Genüsse, der ich nunmal auch bin. Daher liebe ich das Oper-Genre und würde mir daher am liebsten jeden Tag eine andere, vor allem eine der so herrlich herzerwärmenden italienischen Meisterwerke zu Gemüte führen.

Allein das genannte Bauwerk erscheint für Mallorca gerade einmal so wichtig wie ein Kropf, der ja bekanntermassen ganz und gar überflüssig sein soll.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann würde ich zu gerne wissen, wieviel Millionen Jaume Matas bis dato überhaupt schon für die Planung seiner Meerwasseroper ausgegeben hat. Denn so.Meerwasseroper, muss es vielleicht bald folgerichtigerweise lauten, aber vielleicht hat der geneigte Leser ja noch eine treffendere Terminologie parat.

Da würde ich zu gerne Mäuschen spielen und am liebsten direkt vor meinen Augen, so richtiggehend live, erleben, welches Gezerre nun im Hintergrund um politische Posten, und damit auch um Geld und Macht gerade in diesem Augenblick, genau jetzt, im Gange ist.

Die gegenseitig zugefügten Wunden erscheinen mir zu groß, als das es denn vorstellbar wäre, dass Maria Antonia Munar am Ende diejenige sein könnte, die in die Röhre blickt, weil sich nun plötzlich PP und PSOE in Übereinstimmung üben. Dennoch, wir kennen alle das vielzitierte Wort mit diesem Pferd vor der Apotheke, und daher warten wir doch erst einmal geduldig ab, wie es nun politisch weitergeht, hier auf Mallorca.

Daher lehne auch ich mich zunächst einmal in meinen Sessel zurück und warte nun genüsslich ab, welches politische Ei denn nun wirklich in Palma de Mallorca gelegt wird. Denn dass dieses Ei gelegt wird, dies ist zumindest schon einmal so klar wie es die allseits bekannte Kloßbrühe ist.

Das breite Grinsen eines Kolumnisten bei seinem heutigen Herzlichen Gruß an an die Balearenpolitik sei ihm denn auch hoffentlich verziehen. Denn dieser Kolumnist sieht sich schon jetzt als einen der Gewinner dieser Situation und freut sich deshalb auch diebisch auf die nächsten politischen Verlautbarungen aller Verhandlungsparteien, zwischen deren Zeilen er in dann jedem Fall auch weiterhin lesen wird.


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