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Drei Euro die Stunde

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenGut zweihundersechzig Kilometer sind es nur zwischen dem südlichsten Zipfel von Mallorca und Algerien. Mit einem Flüchtlingsboot kann man diese relativ kurze Strecke zwischen dem afrikanischen Kontinent und und der beliebten Baleareninsel bei gutem Wetter an einem einzigen Tag bewältigen. Was längst schon regelmässig geschieht.

Diejenigen unter den Wirtschaftsflüchtlingen Nordafrikas, die es sich leisten können, für ihre Verhältnisse entsprechend hohe Handgelder an Menschenschieberbanden zu zahlen, versuchen das Nadelöhr Gibraltar zu umgehen.

Die oft mit zwei Aussenbordmotoren ausgestatteten Flüchtingsboote starten ihre Überfahrt denn auch in möglichst grossem Abstand zur spanischen Küste, vornehmlich des Nachts stechen sie in eine möglichst ruhige See.

Während die balearischen Polizei- und Zollbehörden vor allem die Südzipfel der Inseln Formentera und Ibiza im Süden sowie Mallorca und Menorca im Norden überwachen, lassen die Routenplanungen der widerrechtlich Einreisenden auf eine zunehmende Cleverness, auf stetig wachsenden Einfallsreichtum schliessen.

Längst schon ist die Südküste unserer Insel Mallorca nicht der einzige Anlaufpunkt, Küstenabschnitte im Osten, wie auch im Norden werden mittlerweile präferiert. Die Sicherung der Baleareninseln, und da vor allem der zahlreichen Strände und Küstenabschnitte hier auf Mallorca scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, wenn man weiss, dass oft mehrere Flüchtlingsboote pro Tag den afrikanischen Kontinent verlassen.

Während die spanische wie auch balearische Politik den Bewohner ihres Landes seit jeher beschwichtigend erklären, dass die Lage bei weitem nicht so schlimm sei, weil man gerade einmal eine gute Handvoll Flüchtlingsboote entdeckt habe, und die Insassen dieser Boote längst schon abgeschoben sind oder in Barcelona in Abschiebehaft sitzen, verrichten hier auf Mallorca Tag für Tag immer mehr afrikanische Flüchtlinge Tätigkeiten als fliegende Händler oder Billigarbeitskräfte.

Nicht wenige von ihnen kommen hier gut ausgestattet mit schicker Kleidung, modernen Handys und Geld an, dazu frisch rasiert, mit gepflegter Erscheinung, wohlwissend, dass die Gefahr aufzufallen damit wesentlich geringer ist.

Eine weitere Gruppe der Neuankömmlinge kauft sich das Ticket für eine Überfahrt nach Barcelona, mit den schnellen Fähren ist man innerhalb von nur etwa vier Stunden am spanischen Festland. Und dort tauchen sie entweder in der Grosstadt unter oder sie reisen weiter Richtung Nord- und Mitteleuropa.

Hier auf Mallorca sorgen die Ankömmlinge, gemeinsam mit dem grossen legalen Einwandererstrom aus Südamerika und Osteuropa für ein stetiges Absinken der Arbeitslöhne auf ein vorher nie gekanntes Nievau.

Ob im Bauhaupt- oder Baunebengewerbe, in Handwerksberufen, der Gastronomie oder der gesamten Hotelbranche, Mallorca ist gekennzeichnet von einem Lohndumping, dessen Ausmasse immer erschreckender werden.

Immer mehr Menschen verdingen sich hier auf der Insel zu Billigstlöhnen von zwei oder drei Euro die Stunde, wenn überhaupt. Sogar sklavereiähnliche Zustände bei der Beschäftigung zahlloser rechteloser Illegaler, die zuweilen nur für wenig mehr als Unterkunft und Verpflegung arbeiten, sind da leider nicht die seltene Ausnahme.

Die Politik betreibt mit der ihr gefälligen Presse das alte wie traurige Spiel der Abwiegelung und Verniedlichung der Gefahren, während der Druck auf die angestammte Bevölkerung in Spanien, und vor allem hier auf den Balearen immer grösser wird.

Die Lebenshaltungskosten für ein normales menschenwürdiges Leben auf Mallorca sind selbst von tausenden hier auf der Insel geborenen Familien, ich nenne ihn einmal Ur-Mallorquiner, kaum noch aufzubringen.

Viele derjenigen, die Familien entstammen, die bereits seit Generationan Mallorca ihr zuhause nennen, arbeiten für Nettolöhne zwischen achthundert bis eintausend Euro, eine Familie ist schon mit zwei derartigen Einkünften kaum zu ernähren. Drei Generationen in einem Haus, vielmehr noch, in einer Wohnung, ist auf Mallorca oft eine einfache Frage des Überlebens.

Die Tatsache, dass der Iberer von Staat und Gesellschaft dazu erzogen wird, keine Wohnung zu mieten, sondern sie als spätere Altersversorgung gleich zu kaufen, sorgt bei den weiter steigenden Zinsen für zusätzliche Sorgen und Nöte in den meisten ohnehin bis zum Anschlag strapazierten Gemütern. Allerdings, wenn man sich eine der zehntausenden, auf Mallorca leerstehenden Wohnungen angemietet hätte, wäre man angesichts hoher Mietpreise nicht sehr viel besser dran.

Der wahre Skandal liegt in der weiter vorherrschenden Ignoranz der Politik in Madrid, Paris, London, Berlin und auch in Brüssel. Denn hier wurden in den letzten fünfzehn Jahren auf Druck und unter dem Einfluss der freien Wirtschaft genau die Weichenstellungen getroffen, die Beschlüsse gefasst, die die Grundlage und Ursache für die Missstände der Gegenwart darstellen.

Die Suppe, die von Lobbyisten und der mit ihnen verbundenen Politik gekocht wurde, muss heute in wachsendem Masse vor allem von Beschäftigten der unteren und mittleren Lohngruppen ausgelöffelt werden. Und damit von denjenigen, die noch am wenigsten die Zustände in Europa verursacht haben.

Mein heutiger Gruss an den einfachen Mann hier auf Mallorca, in Spanien, aber auch in ganz Westeuropa verbindet sich mit dem Wunsch, dass ihr euch endlich mit allen zur Verfügung stehenden, erlaubten Mitteln gegen die Handlungsweise eurer vom puren Lobbyismus angetriebenen Politikvertreter wehrt. Denn wenn dies nicht bald geschieht, dann ist nichts Gutes von dem zu erwarten, was da unter der Oberfläche gärt.

Mein nächster Gruss hinüber nach Deutschland geht heute einmal an alle Staatsanwälte. Wenn man die jüngsten Veröffentlichungen des Spiegel liest, der den jahrelang erahnten, aber erst jetzt konkret nachgewiesenen Geld-Lobbyismus in Bundesministerien mit Nennung von Roß und Reiter aufdeckt, stellt sich mir die zwangsläufige Frage, wieso seid ihr in dieser Angelegenheit noch längst nicht aktiv.

Aus den im Spiegel geschilderten Sachverhalten lassen sich doch ohne viel Fantasie eine ganze Latte schwerwiegender Straftaten ableiten. Oder habt ihr Angst, dass dann alle aus Berlin verschwinden müssten. Einschliesslich der meisten Abgeordneten der Partei der Grünen, neben allen anderen etablierten Parteien.

Denn selbst die Grünen haben davon nicht nur gewusst, sie haben sogar selbst davon profitiert. American way of life auch in Deutschland, nur bis dato mit noch viel weniger Transparenz, und damit noch viel schlimmer. Wann endlich unternimmt einmal jemand etwas gegen diese stattliche Anzahl schlimmer Finger.

Mein gewohnter Gruss an alle anderen hier auf der Insel verbinde ich heute mit dem Versprechen auch in Zukunft am Ball zu bleiben. Besonders bei diesen brennenden Themen. Ich bin daher auch weiterhin dankbar für jede Info, die mir von Ihrer Seite auch in Zukunft hoffentlich weiterhin zugetragen wird.



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