Schattenboxen

Die gravierenden Folgen einer Globalisierungspolitik ist seit vielen Monaten bereits eines der Gesprächsthemen Nummer 1 in dieser Republik. Die Menschen in unserem Land leiden zum Teil erheblich unter dem Verlust ihres bisherigen Lebensstandards, vor allem aufgrund des Wegfalls ihres Arbeitsplatzes, den sie sehr oft doch noch verloren obgleich sie, auf Versprechungen sicherer Arbeitsplätze der da oben hoffend, kurz zuvor noch drastische finanzielle Einschränkungen hingenommen haben.
Wenn man sich die bedrückende Armut von Familien mit Kindern in diesem Land anschaut, deren Eltern in immer größerer Zahl nicht einmal unter Hinzuziehung des mittlerweile fast überall unerläßlich gewordenen Zweiteinkommen ihren Lieben ein sorgenfreies Leben finanzieren können.
Die Menschen leiden unter dem Verlust staatlicher Fürsorge, die sich durch vor Jahren noch seitens der Politik vollmundig ausgeschlossene Leistungskürzungen, sowie drastischer Beitragserhöhungen bemerkbar machen.
Die Menschen ersparen sich notgedrungen immer öfter eine gesundheitliche Betreuung schon deswegen, weil sie sich die immer höher werdenden Nebenkosten eines Arztbesuches genauso wenig leisten können, wie die trotz dieser Leistungseinbußen gestiegenen Kosten aller Staatlichen Sozialversicherungsträger.
Man schaue sich alleine den dringenden Sanierungsbedarf der Zähne einer immer stattlicher werdenden Zahl von Bürgern an, die sich den dringend benötigten Zahnersatz schlicht und einfach nicht mehr leisten können.
Mit jedem verlorenen Zahn verlieren die Menschen nicht nur ihren Mut zu einem strahlenden Lächeln. Sie verlieren mit ihm auch ein Teil ihrer Selbstachtung, ein Stück menschlicher Würde eines doch eigentlich so selbstverständlichen menschenwürdigen Lebens.
Da nutzt es auch nichts, wenn in diesen Tagen der Arbeitsminister Müntefering zum abermals wiederholten Male den staatlichen Mindestlohn einfordert. Man könnte beim Vernehmen seiner Worte an den alten Witz mit der Bartwickelmaschine im Keller denken, wenn das Ganze nicht in so unendlich trauriger Weise auf Kosten der vielen Menschen in Deutschland gehen würde, die sich schon lange, und nicht mehr nur im Osten der Republik, in steigender Anzahl zu kümmerlichen Stundenlöhnen verdingen müssen.
Herr Müntefering, Sie fordern jetzt einen Mindestlohn, obwohl Sie ihn noch vor Kurzem selbst hätten einführen können. Da waren Sie und Ihre Partei noch alleine an den Hebeln der Macht in diesem Land. Sie hätten ihn selbst beschließen können, diesen ohnehin kärglichen Mindestlohn, den Sie schon seit Jahren vollmundig einfordern, ohne daß Sie dabei jemals in medias res gegangen wären.
Immer wieder fordern Sie diesen Mindestlohn ein, über einen so langen Zeitraum hinweg schon. Sie fordern ihn in einer Weise, die vermuten läßt, daß diese Ihre Einforderung damals wie heute ein medial aufbereitetes Quotenhäppchen darstellen soll. Ein Stück verbaler sozialer Quote. Sie selbst wissen zu genau, niemand von den Bürgern Ihres Landes hätte Sie jemals daran hindern wollen, früher nicht, wie auch jetzt nicht.
Daher muß auch hier der Bürger, wie so oft, konstatieren, mit derart vollmundigen Sprüchen, damals wie auch heute, werden sie wieder einmal nur geblendet, die des permanenten Schattenboxens so leid gewordenen Leute.
Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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