Schlamperei
Nun ist es doch geschehen und die Folgen für die Umwelt eines der raren Naturschutzgebiete auf den Balearen, sie werden äusserst fatal sein. Nein, es geht diesmal nicht direkt um Mallorca, höchstens wenn die späteren Fragen einer Verantwortlichkeit zu klären sind.
Der Verantwortlichkeit für etwas, was nicht hat sollen sein, und schon gar nicht hätte sein müssen, aber nun tatsächlich geschehen ist. Aber was nutzt dies denn überhaupt noch einer lädierten Natur, muss man sich da fragen.
Viele kennen Ses Salines auf Ibiza, eines der wenigen Naturschutzgebiete hier auf den Balearen. Es sei angeblich mit Barrieren gut vor dem Öl geschützt, leider jedoch war dem überhaupt nicht so.
Wir erinnern uns, am vergangenen Mittwoch ist direkt vor der Küste Ibizas ein Tankschiff auf einen Felsen aufgelaufen und dann in der Folge dieses Crashs gesunken. Das Schiff wurde bei dem Aufprall, wie dies halt in derartigen Fällen leider Gottes üblich ist, schwer beschädigt und giftiges Rohöl lief aus.
Laut offiziellen Angaben hat man mit Spezialschiffen versucht das Allerschlimmste zu verhindern. Man saugte Öl ab, hatte den Teppich angeblich längst eingegrenzt. Dennoch wurde in der Folge ein fünfhundert Meter langer Strand auf Ibiza mit Öl verunreinigt. Zumindest nach offiziellen Angaben ist dies nicht mehr gewesen.
Wir hatten dieses Thema vor zwei Tagen, jedem ist bekannt wie hochgiftig die Folgen einer Ölpest für Mensch, Tier und Umwelt sind. Noch am gestrigen Tag kam Entwarnung, Ibizas Strände seien angeblich wieder sauber.
Und nun erreichten uns am gestrigen Sonntag Meldungen, dass doch wieder alles ganz anders ist, nämlich dass die Öltanks des auf dem Meeresgrund gesunkenen Tankers nicht einmal abgedichtet wurden. Daher tritt nach wie vor Öl aus, und dies bereits seit fünf Tagen.
Welch eine Katastrophe für Ibiza, seine Umwelt und den Tourismus. Und welch eine Schlamperei seitens der zuständigen Behörden, und ich kann mir gut vorstellen, dass hier jetzt bald einige Köpfe rollen werden.
Weniger bekannt wurde übrigens, das Formentera ebenfalls von dieser Ölpest betroffen ist. Wenn man bedenkt, dass dieses wunderschöne Eiland am Südzipfel der Balearen bereits zwanzig Kilometer von Ibiza entfernt ist, dann kann man sich das Ausmass der Behördenschlampereien noch besser vor Augen führen.
Wie immer in Krisensituationen auf den Balearen wurde die Regierung in Palma informiert und Regierungschef Francesc Antich machte das ganze denn auch sofort zur Chefsache. Davon sollte man zumindest einmal ausgehen können, denn der Tourismus ist ja nunmal der wichtigste Wirtschaftsmotor auf den Balearen.
Und da nicht nur hier auf Mallorca, sondern genauso auf den beiden von dieser Tankerhavarie betroffenen Inseln Ibiza und Formentera. Von den kleineren Inseln da unten einmal ganz abgesehen.
Die politische Sommerpause jedenfalls kann wohl nicht dafür herhalten, dass in diesem Vorgang nicht mit Nachdruck gehandelt wurde. Oder wollte man den Tanker da unten auf dem Meeresboden bis zum Ende der Parlamentsferien sich selbst überlassen, frei nach dem Motto, was da unten ausläuft, das sieht man ja nicht.
Jedoch, Öl schwimmt nunmal oben, und wer geglaubt hatte, dass sich alles fein säuberlich im Meereswasser auflöst und deshalb ohne konsequent zu handeln erst einmal in diese Ferien gefahren ist, einem derartigen Zeitgenossen sollte man nun mit der allergrössten Schärfe des Gesetzes entgegentreten. Selbst wenn sich alles für das menschliche Auge verflüchtigt hätte, irgendwann tauchen die Gifte des Rohöls in der Nahrungskette wieder auf. Die ist allen gut bekannt.
Da kommen nun gleich zu Beginn seiner ersten Amtsperiode einige unbequeme Fragen auf Francesc Antich zu. Viel schneller als er dies erwartet hat, und er wäre gut beraten sich jetzt vor Ort selbst einmal den nötigen Überblick zu verschaffen, um danach zu sagen, was da nun genau zu geschehen hat.
Genau dafür ist der Chef ja nunmal da, murmele ich vor mich hin, während ich verzweifelt versuche am Ende des Horizontes ein Stück Ibiza zu erspähen. Alleine, mir gelingt es nicht. Wo man auch hinschaut das weite Mittelmeer. Allerdings, wenn mir dies gelingen würde, dann würde man mir ganz schnell einige göttliche Eigenschaften zuschreiben können.
Aber, weit gefehlt und im Gegenteil, zutiefst Menschliches wird dem Kolumnisten vom Mallorca-Portal nachgesagt. Mea Culpa. Aber schön wäre es doch irgendwie, ein einziges Mal so etwas wie ein Bruce Allmächtig zu sein, so wie in dem Film mit Jim Carrey, der einmal für einige Tage der liebe Gott sein durfte.
Marlon Allmächtig, das wär's doch, wie sich das schon anhört. Dann wäre die Ölgefahr ganz schnell vorbei, genau dafür würde ich dann als erstes sorgen. Je mehr ich jetzt darüber nachdenke, desto besser könnte ich mich an den Gedanken gewöhnen.
Allerdings, der Nachteil davon wäre, dass ich mir dann einige sehr unbequeme Fragen gefallen lassen müsste. Zum Beispiel, wieso ich das mit der Tankerhavarie zugelassen habe, und wieso daraus eine Ölpest entstehen konnte, und vieles mehr.
Aus diesem Grund grüße ich heute lieber doch einmal mehr als einfacher Kolumnist, mit einem besonders grossen Fragezeichen Richtung Palma de Mallorca und Ibiza, wo die Verantwortlichen für diese unnötige Eskalation dieser Umweltschweinerei sitzen.
Und ich hoffe inständig, man handelt jetzt schnell und vor allem konsequent. Denn wenn nicht, dann wird doch schneller als ihr denkt die Aufmerksamkeit von euren selbstherrlichen Vorgängern recht unangenehm direkt auf euch gelenkt.
Mein nächster Gruß nach Deutschland verbindet sich mit etwas Erleichterung darüber, dass Innenminister Schäuble endlich genau der eisige Wind entgegenbläst, auf den so unheimlich viele so lange warten mussten. Und so langsam scheinen auch die Sozialdemokraten aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen.
Da muss man allerdings erst einmal abwarten, ob sie sich wirklich noch einmal an ihre Wurzeln erinnern oder ob dies erneut nur ein strategisches Medienscharmützel ist, was da an jüngsten Äusserungen für den unveränderten Erhalt des Deutschen Grundgesetzes die Runde macht.
Viele Grüße wie immer auch an alle hier auf unserer Insel. Es soll etwas kühler werden, im Laufe der Woche sinken die Temperaturen auf fünfunddreissig Grad. Wie sagt man, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Mir jedenfalls ist dies immer noch zuviel und deshalb werden mich meine Inselfreunde nach neun Uhr morgends und vor acht Uhr am Abend vorerst einmal nicht zu Gesicht bekommen.
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