www.valentinmoser.com
Suche   

Bündnisehre

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenBei einem Bombenangriff in diesen Tagen wurden wieder einmal 65 Zivilisten in Afghanistan getötet. Zahlreiche Frauen und Kinder waren auch dieses Mal wieder unter den Toten. Getötet im Bombenhagel amerikanischer Kampflugzeuge. Nicht einmal halb soviele derjenigen, die man treffen wollten, wurden dabei auch getötet, nämlich 35 Talibankämpfer.

Während der Schrecken in Afghanistan nicht nur weiter geht, sondern sogar immer größer wird, beabsichtigt die Bunderegierung die deutsche Beteiligung in Afghanistan aufrecht zu erhalten - mehr noch, sie will sogar noch über den Herbst hinaus verlängern.

Dabei geht es auch um die Verlängerung des höchst umstrittenen Einsatzes deutscher Tornados, die seit Mitte April die Nato-Verbände in Afghanistan unterstützen. Sechs deutsche Kampfflugzeuge, die gemäss offizieller Darstellung in erster Linie für die Luftaufklärung über Afghanistan zuständig sein sollen und die den Natoverbänden, allen voran den Amerikanern damit zuarbeite.

Für einen Kolumnisten sowie für viele andere Deutschen stellt sich dieser Tage wieder einmal die Frage, wie groß damit der Anteil der deutschen Bundeswehr an den Tötungen afghanischer Zivilisten, an den Tötungen von Frauen und Kindern ist. Sogar Babys werden Opfer der Natobomben.

Ich frage mich spästens heute, wie hoch eine zumindest moralische Verantwortung Deutschlands an den Tötungen von dem Mann gesehen wird, der als einer der größten Verfechter ausländischer Bundewehreinsätze gilt. Der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung, selbst Vater von drei Kindern, forciert nämlich die deutsche Beteiligung in Afghanistan ungeachtet der immer lauter werdenden Kritik.

Wer ist eigentlich dieser nach aussen hin blasse Mann, werden sich viele Leser fragen. Im Grunde kennt man ihn nicht, nicht zuletzt da er stellvertretend für eine Politikergeneration steht, die leider nur noch sehr wenig gemein hat mit der großen Generation ihrer Politikerväter, in der es noch aufrechte Politgrößen wie Helmut Schmidt und Willy Brandt, oder auch Lothar Späth, Kurt Biedenkopf und Heiner Geisler gegeben hat.

Franz Josef Jung ist im Gegensatz zu den vorgenannten nicht gerade als Querdenker bekannt. Im Gegenteil, er zeichnet zum Beispiel verantwortlich für eine Richtlinie seines Ministeriums, nach der es deutschen reisenden Soldaten nicht zuzumuten ist, in der Nähe von Lokalen einzukehren, die von Schwulen frequentiert werden. Und er muss sich wenig schmeichelhafte Spitznamen wie Wadenbeißer oder Raubein nachsagen lassen.

Den Bundeswehreinsatz zur Sicherung des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007, bei dem deutsche Kampfflugzeuge auch schon einmal im nichterlaubten Tiefflug über die Köpfe friedlicher Demonstranten hinweg donnerten, bezeichnete Franz Josef Jung als technische Amtshilfe. Politiker anderer Parteien und Verfassungsrechtler rufen in dieser Angelegenheit gerade das Bundesverfassungsgerichts an.

Trotz scharfer Kritik des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai an der Ungenauigkeit der Nato-Angriffe sieht dieser deutsche Verteidigungsminsister keinerlei Notwendigkeit sein Land, Deutschland, einer direkten Mitverantwortung für Luftangriffe auf afghanische Zivilisten zu entziehen. Dies ginge auch nur, denke ich mir, wenn er die deutsche Bundeswehr zurückbeordert und wenn man diese sinnlosen Gemetzel in jenem Land ganz einfach nur beenden würde.

Selbst die US-geführte Koalition musste in einer jüngsten schriftlichen Erklärung nun einräumen, dass bei ihren Angriffen Zivilisten getötet wurden. Auch dies beeindruckt Franz Josef Jung nicht.

Der Mann steht damit, nicht nur nach meiner Auffassung, in der Tradition vieler politischer Entscheider, die es im Leben viel zu leicht hatten, weil aus äußerst begüterten Verhältnissen abstammend, und die dann im Laufe ihres Lebens tiefgreifende und folgenreichende Entscheidungen mit einer ebensolchen Leichtigkeit zu treffen scheinen. So wie hier dies für mich den Anschein hat, wenn zumindest indirekt, über das Leben unschuldiger Frauen, Kinder und sogar Babys mitentschieden wird.

Der Mann, aus einer begüterten Winzerfamilie in Erbach im hessischen Rheingau stammend, hört solche Worte ganz sicher nicht gerne, denn er spricht zu gerne von deutscher Bündnis-Verantwortung, und lässt schon aus diesem Grund eine derartige Argumentation ganz sicher nicht zu.

Ich meine dazu, daß dies nicht glaubwürdig ist. Denn weder hier noch in anderen Nato-Ländern, und schon gar nicht in den USA sieht man diejenigen, die da immer so gerne von Veranwortung reden, jemals selbst in einer feindlichen Schusslinie. Und daher sage ich bei derartigen Diskussionen immer wieder, schickt ihr da oben zuerst einmal eure Kinder und Verwandten an die Front. So ein Gesetz müsste einmal her, und dann wärs nicht mehr sehr weit, so denke ich, mit eurer ach so aufrechten Bündnisehr.



Weitere Artikel in der Rubrik Krieg:
© 2007 power-labels.com