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Spiegelbrand



Es blickt auf eine gleichermaßen aufregende wie erfolgreiche Geschichte zurück. Gemäß eigener, bereits im Jahr 1949 festgelegten Statuten sollten alle verarbeiteten und verzeichneten Nachrichten, alle Informationen sowie alle Tatsachen unbedingt zutreffen.

Angeführt von dem damals jungen und ehrgeizigen Herausgeber und Chefredakteur Rudolf Augstein, der kurz zuvor das Ende des zweiten Weltkrieges als Leutnant mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse in der Tasche erlebte, beanspruchte das Blatt von Anfang an den hohen Selbstanspruch des kritischem und seriösen Journalismus.

Die Geschichte des Wochenmagazins Der Spiegel ist eine der Erfolgsstories der Nachkriegszeit, des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders, und als unternehmerische Glanzleistung seiner Macher anzusehen. Seinen grandiosen Siegeszug inmitten des deutschen Blätterwaldes verdankt das Blatt zum Einen, daß die selbst gesteckten hohen Ansprüche ernsthaft und erfolgreich in die Tat umgesetzt wurden.

Dies beweisen schon die unzähligen aufgedeckten politischen Skandale, sei es nun die Flick-, Neue Heimat- oder auch die Barschel-Affäre. Als einer der journalistischen Glanzleistungen gilt die sogenannte Spiegel-Affäre, während der Rudolf Augstein zusammen mit 7 weiteren Mitarbeitern auf Veranlassung des damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß verhaftet wurde und die das Ende der Adenauer-Ära einläutete.

Zum Anderen galt Der Spiegel von Anfang an als der Inbegriff von Freiheit und Demokratie, als die moralische Institution, dessen Bann vor allem die traf, die sich nicht genügend von der NS-Zeit distanzierten, was dazu führte, daß er Anfang der 70-iger Jahre mehr als 6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu seinen Lesern zählen durfte.

Daß ausgerechnet dieser Spiegel, wie vor kurzem aufgedeckt wurde, maßgeblich in seiner Reichstagsbrand-Serie 1959/1960 dazu beitrug, daß die Geschichte vom Reichstagsbrand nicht nur falsch geschrieben wurde, wie man heute weiß, sondern daß er die Veröffentlichung anderslautender Dokumente sogar noch verhindert hatte, läßt die Erfolgsgeschichte schon in einem anderen Licht erscheinen.

Viele von uns haben es schon vergessen, werden sich die Herausgeber vielleicht heute denken. Vergessen, daß die seinerzeitige Darstellung einer Alleintäterschaft des Niederländers van der Lubbe dazu führte, daß die schwer erkämpften Grundrechte der Weimarer Republik faktisch außer Kraft gesetzt wurden.

Es waren dies die ersten demokratischen Grundrechte, die Deutschland jemals erleben durfte. Und mit deren Aufhebung begann dann die Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP, die Verfolgung Andersdenkender durch die Polizei und die SA, in deren weiteren Folge dann die Machtübernahme
Adolf Hitlers stand.

Es ist heute auch bekannt, daß Rudolf Augstein den ehemaligen Pressechef im NS-Außenministerium und SS-Obersturmbannführers Paul Karl Schmidt sowie die SS-Hauptsturmführer Georg Wolff und
Horst Mahnke in Schlüsselpositionen seines Verlages beschäftigte.

Der große Willy Brandt soll den Spiegel 1974 einmal Scheißblatt genannt haben. Lieber Spiegel, bis jetzt warst Du dies für mich ganz sicher nicht. Jedoch, solltest Du nicht endlich einmal selbst mit Dir sitzen zu Gericht, dann spucken Dir viele hier im Land zukünftig, mit Recht, in Dein, wie ich meine, sehr zwielichtiges Gesicht.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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