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Die Wählerpfanne

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDie Meldung kam nicht überaschend, zumindest für die, die es gewohnt sind aufmerksam zwischen den Zeilen des Alltagsgeschehens hier auf Mallorca zu lesen.

Das spanische Statistikamt sorgte mit seiner Meldung für einen gehörigen Paukenschlag auf den balearischen Inseln und dort vor allem bei den Wahlkampfstrategen einer Politik, die sich doch so schön bequem wie beharrlich in den Sesseln der Macht positioniert hatte.

Wie überall in Europa hinlänglich bekannt, ist man vor Wahlen sorgsam bedacht, daß nur die fein geschliffenen Meldungen die Ohren eines sowieso schon zumeist desinteressierten Wahlvolkes erreichen können.

Mit höchstmöglicher Sorgsamkeit will man natürlich auch hier auf Mallorca tunlichst vermeiden, daß der Wähler nicht etwa noch ausgerechnet direkt vor dem Gang zur Wahlurne von den schrillen Tönen des Inselalltags aus seinem geistigen Müßiggang unsanft erweckt wird.

Der Gang zu seiner Wahlurne, so er ihn denn überhaupt antritt, der die Philosophen unserer Welt seit vielen Jahren schon zu Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Demokratie herausfordert, und dessen nachträglicher Analysen über die Beweggründe einer Stimmabgabe die himmelschreiende Oberflächlichkeit unseres Daseins doch so grausam wiederspiegeln vermag.

Nun haben sie aber ein großes Problem an der Backe, ich erwische mich schon fast am schadenfrohen Feixen über diesen Fauxpax für die Wahlkampfstrategen unserer Balearenpolitik. Bin doch jetzt einmal gespannt, wie die diese Kuh wieder vom Eis schieben, spinne ich den Faden weiter, und wenn es denn einer schafft, dann natürlich der Matas.

Als alter Hase in der Beobachtung von Politikerverhalten vor und nach den Wahlen freue ich mich schon jetzt auf die zu erwartenden genialen Pirouetten des Ministerpräsidenten der Balearen. Was wird er wohl zu dieser beunruhigenden Meldung sagen, nach der die Balearen den höchsten Zuwachs von Arbeitslosen in ganz Spanien aufweisen, frage ich mich, während direkt vor meinen Augen eine nach der anderen aller denkbar möglichen Pirouetten vorbei zieht.

Er könnte dies als unzulässige Einmischung in seinen Wahlkampf titulieren, oder davon reden, daß er nur den Statistiken Glauben schenkt, die er selbst von seinem willfährigem Klientel erstellen läßt. Er könnte natürlich auch mit einer saisonalen Platitüde aufwarten, welche schon eher was von einer Genialität hätte, denn niemand wird sich noch daran erinnern, daß er noch vor kurzem sein Tourismusministerium mit einer strahlenden Gästezuwachs-Meldung an die Öffentlichkeit zitiert hatte.

Aber so richtig originell wie auch sensationell wäre doch wirklich nur eins, wenn er dann sagt, ihr regt euch wohl auf so scheints, aber ihr wollt mich wegen sowas doch nicht in eure Pfannen hauen, denn genau deswegen will ich doch hier diese schöne Sydney-Oper bauen.

Heute schicke ich einmal einen ersten schelmigen Gruß an die Wählerschar hier auf Mallorca. Eine derartige Chance gibt es nicht an vielen Tagen, denen da oben einmal so richtig Bescheid zu sagen. Zeigt ihnen einmal so richtig euer Kinn, denn wisst ihrs nicht, nur dann und auch wirklich nur dann ergibt ein Leben überhaupt erst wieder Sinn.


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