Bedrückend
Heiss ist es auf der Insel Mallorca, schon fast bedrückend schwül-heiss. Jeder Einheimische versucht seine Aktivitäten auf den frühen Vormittag oder den Abend zu verlegen, alleine schon der Gedanke an die wunderschöne aber auch gnadenlose Mallorca-Sonne bringt die Menschen zum schwitzen. Dabei ist es gerade einmal Mitte Juni, und irgendwie sehnen viele sich schon den Oktober herbei. Dann nämlich kommen ab und an die Regenschauer, die man die nächsten 3 Monate so sehr vermissen wird. Und in diesen drei Monaten muss jetzt so richtig Geld verdient werden. Der Rubel, der bekanntermaßen auch hier der Euro ist, dieser muß dieses Jahr besonders tüchtig fließen.
Die Playa de Palma soll angeblich schon teilweise überbucht sein. Zumindest bei den Hotels. Na hoffentlich sind dafür nicht andere Häuser nicht halb leer, denke ich mir, und noch viel wichtiger, weil für die Insel bedeutender, wie sieht es genau mit der Ferienwohnungsvermietung aus.
Ob man die jüngste Auslastungs-Meldung des Playa-Hotelverbandspräsidenten Francisco Marín übrigens so richtig auf die allseits bekannte Goldwaage legen kann, dessen bin ich mir selbst, auch als Mallorca-Insider, momentan ziemlich unschlüssig.
Es tobt ein erbitterter Kampf um die zukünftige Vorherrschaft im mallorquinischen Hotelverband, dessen Präsident Pere Cañellas sich zum ersten Male einem Gegenkandidaten stellen muss. Und wenn Politik mit im Spiel ist, dann kann diese nicht selten auch einmal ganz gehörig schmutzig sein, wie wir alle wissen.
Abgerechnet wird zum Schluß, dieses geflügelte Wort findet seine häufige Anwendung nicht ohne Grund. Ich vermute daher, daß spätestens zum Jahreswechsel, eher sogar ein bis zwei Monate früher die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt. Wenn dann nicht wieder an der Statistikschraube endlos herumgdreht wird, wird man schnell wissen, wie die Mallorca-Saison im laufenden Jahr ganz genau gewesen ist.
Eines steht zumindest jetzt schon fest. Der Immobilienmarkt steht kurz vor einem ganz großen Knall. Man spricht darüber nur noch nicht, nicht hier zumindest. Denn dann ist es ganz vorbei mit dieser Branche auf der Insel. Dies betrifft zwar nicht nur Mallorca, aber vor allem. Man wird versuchen Notfallpläne zu schmieden, aber die gibt es in diesem Geschäft ja leider nicht. Dieses lebt vom Vertrauen, und wenn das einmal futsch ist, dann reissen alle Dämme ein.
Nicht einmal Boris hat seine Nobelhütte verkauft, wie man es raunen hört, und mit Reinhard Fendrich sucht schon der nächste Promi das Weite. Irgendwie hat es sich ausgelutscht mit einer Mallorca-Finca, so scheint es mir, vor allem seit so langsam die Immobilienpreise in Kroatien und an der Schwarzmeerküste die Runde machen.
Und natürlich am ungarischen Balaton, Plattensee nennen wir ihn. Grob gesagt zahlt man dort höchstens ein Zehntel für eine Villa nach westeuropäischen Baustandard, auch direkt am Meer. Und wenn man dort vor Ort kauft und sich von Einheimischen helfen lässt, eher noch ein zwanzigstel im Vergleich zu den Preisen auf Mallorca.
Und wer es wirklich traumhaft schön will, und nicht ganz so weit, der kauft sich seinen Immobilientraum in Kroatien. Da hat es noch dazu der Deutschen liebste Küche und es liegt nicht soviel Müll überall herum, von der traumhaften Küsten- und Insellandschaft einmal abgesehen.
Da ich jedoch mit Mallorca verwurzelt bin, höre ich jetzt lieber einmal auf mit dieser Konkurrenzschwärmerei, sonst zieht es mich bald selbst noch hin. Wie zwei meiner alten Freunde, deren mehr als zwanzig Jahre Mallorca Insellust sich nun endgültig in Inselfrust umgewandelt haben.
Diese Jungs sind jetzt einfach mit ihren Schiffen auf mehr oder weniger direktem Wege dorthin unterwegs, bleiben jetzt da drüben und suchen sich eine neue Immobilienperle. Wie sagten sie mir noch unlängst beim einem oder zwei Glas Bier. Sie haben die Schnauze von einem durch nichts zu rechtfertigen Spekulantentum gestrichen voll. Leistung bedinge Gegenleistung und diese sei vor allem in den letzten fünf Jahren auf Mallorca verloren gegangen. Recht haben sie, aber ich bleibe trotzdem hier.
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