Bikerleben auf Mallorca
Die Motorradfahrer demonstrieren hier auf der Insel Mallorca. Wieder einmal, muss man ja sagen, wenn die für nächsten Samstag geplante Demo denn auch wirklich stattfindet.
Unsere Biker haben dann nämlich, der erste September wird dies sein, eine großangelegte Protestveranstaltung angesetzt, zu wahrscheinlich hunderten geht es dann vom Treffpunkt Son Moix Richtung Flughafen.
Was war eigentlich geschehen und wieso interessiert sich ein Kolumnist auf Mallorca ausgerechnet für das Ansinnen zahlreicher Biker. Nun, das Letztere ist schnell erklärt, denn, Sie werden es vielleicht nicht glauben, auch ich gehöre zu den Anhängern dieses Freiluftvergnügens.
Für mich gibt es nämlich kaum etwas Schöneres als bei schönen Wetter in den Bergen des Tramuntana herumzukurven, wenn denn überhaupt die Zeit dafür vorhanden ist.
Der Grund für regelmässige Motorradfahrer-Proteste, nicht nur auf Mallorca, sondern auch in Spanien oder fast allen anderen Ländern dieser Welt kommt es bei Motorradunfällen immer wieder zu schwerwiegenden Verletzungen aufgrund von falsch konstruierten und montieren Leitplanken rechts und links des Weges.
Nun gibt es zwar hier auf Mallorca nicht besonders viele Leitplanken, vor allem da, wo es besondere Freude bereitet zu fahren, aber die wenigen, die es an den Autobahnen und Landstrassen gibt, diese ziehen anscheinend unsere Motorradfahrer geradezu magisch an.
Gerade eben, am vergangenen Mittwoch ist dies erneut geschehen. Der Präsident der alten Sóller-Bahn, Javier Mayol lautet sein Name, ist mit seinem Motorrad direkt vorm Tunneleingang von Sóller schwer gestürzt und dabei, wie dies leider immer wieder geschieht, mit seinem Kopf unter die Leitplanke geraten.
Der zumeist verhängnisvolle Abstand der Unterseite der Leitplanken sowie ihre scharfen Kanten verursachen schlimmste Verletzungen. Zumeist enden derartige Unfälle dann auch tödlich.
Der Zustand es Verunglückten ist auch hier äusserst kritisch, so liessen es seine Ärzte verlauten, wir hoffen alle das Beste für den Biker-Kollegen, dass er diesen schweren Crash auch wirklich überlebt.
Tja, was will man dazu sagen, Motorradfahren ist gefährlich. Man muss das Fahren an sich nicht nur gelernt haben, sondern seine Maschine bestmöglich kennen und beherrschen, auch und vor allem in kritischen Situationen.
Das Bewältigen von Notsituationen sollte man in entsprechenden Lehrgängen erlernen, dort kann man sich mit seinem Bike dann auch ruhig einmal auf die Nase legen. Dies mag zwar nicht so schön für die eigene Maschine sein, jedoch, man lernt damit vielleicht überleben, das Blech ist ersetzbar, der Biker selbst ist es nicht.
Aber auch die Fahrpraxis alleine, sie genügt oft nicht. Ein guter Motorradfahrer lenkt seine Sinne immer wieder wachsam in alle Himmelsrichtungen. Anders geht es nicht, und wer dies nicht kann, wer nicht das sensible Gespür im Allerwertesten, in den Händen und vor allem da oben im Köpfchen hat, den kann es dann schon einmal ganz übel erwischen.
Der siebte Sinn ist noch dazu gefragt, wer um mich herum macht vielleicht im nächsten Moment den entscheidenden Fehler, so fahre ich zumindest und auch viele derjenigen, die ich kenne und mit denen ich regelmässig fahre. Alles Racer, genauso wie ich, will heissen, die Post geht hie und da mal ab.
Wir sind keine Harleyfahrer, dies heben wir uns fürs hohe Rentenalter auf. Diese Aussage mögen mir die Anhänger dieser auch für mich so wunderschönen Motorräder verzeihen, aber das ist noch nichts für mich. Da hat der Kolumnist noch viel zuviele Hummeln in seinem Hintern.
So gerne ich mir immer sage, eines dieser herrlichen Unikate muss ich selbst irgendwann einmal besitzen, und so oft ich immer wieder eine Harley wegen ihres Äusseren bewundere, doch, Sightseeing auf zwei Rädern ist noch nicht mein Ding.
Wer weiss, vielleicht hätte es mich sonst auch schon mal erwischt. Toi, toi, toi, noch niemals hingelegt, trotz flotter Sohle, viel Glück gehabt vielleicht. Wollen wirs lieber nicht beschwören.
Mein erster Gruß geht heute nicht nur an den gerade eben Verunglückten, Javier Mayol, hoffentlich gehts für Dich doch noch irgendwie gut aus. Der Gruß geht auch an meine Bikerfreunde, hier und anderswo. Auch an die Harleyfahrer, die sich mit dem unter Bikerkollegen üblichen kollegialen Gruß nicht selten etwas schwer tun, wenn der andere nicht ebenfalls auf einer Harley Davidson sitzt. Von dem hier im Süden bevorzugten sommerlichen Bikderoutfit will ich gar nicht erst reden.
Alle miteinander sollt ihr aufpassen, vielleicht ihr auf der Harley noch viel mehr, denn das beschauliche Cruisen lässt die Ausfahrt vielleicht zu träumerisch erscheinen. Ausserdem, ihr alle wisst doch genauso wie ich, wie es mit den durchschnittlichen Fahrkünsten eines Verkehrsteilnehmers auf Mallorca bestellt ist. Das solltet ihr um Himmels willen nie und niemals vergessen.
Mein nächster Gruss geht wie immer hinüber nach Deutschland. Dort läuft die Angela Merkel Public-Relation-Maschinerie auf Hochtouren. Ich würde doch zu gerne einmal wissen, wer diese Weichspülerwerbung, Umfragen und Statements denn so alles bezahlt. Wahrscheinlich sogar der Steuerzahler, was würde dies mich und viele andere denn überhaupt noch wundern.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, auf der alle Autofahrer etwas mehr auf die Biker achten sollen. Denkt immer daran, ihr habt alle mindestens vier Räder, Motorradfahrer jedoch deren nur zwei.
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