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Dankes Lohn

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDas Fass droht so langsam aber sicher in einer Weise über zu laufen, wie es weder der neutrale Beobachter, noch der Inselkenner für möglich gehalten hätte.

Auch ich als erklärter und nicht selten poetisch wirkender Mallorca-Liebhaber war doch einigermaßen verblüfft, als ich dies Meldung auf meinem Schreibtisch liegen sah.

Der gestrige Nachmittag ist es gewesen, und wie so oft ging es auch diesmal wieder um die Politik hier auf der Insel. So war es da zu lesen.

Die Balearenregierung wirbt ganz offiziell auf ihrer Webseite mit billigen Arbeitskräften. Die hiesigen Stundenlöhne seien im Vergleich zu den Durchschnittslöhnen des spanischen Festlandes auf Mallorca deutlich geringer, und das will man in dieser Weise den ausländischen Investoren schmackhaft machen.

Diese Chuzpe ist wirklich heftig, dachte ich mir sodann. Die Balearenregion als eine der reichsten Provinzen Spaniens proklamiert ganz offiziell das Lohndumping. Sie wirbt mit den niedrigeren Löhnen.

Die Balearen und dort eben gerade die Insel Mallorca, die seit Jahren schon mit hunderten Millionen von Euro über den Umweg Brüssel von den Nettozahlern der EU in besonderer Weise unterstützt werden, und die auch in Zukunft mit der finanziellen Unterstützung rechnen.

Sie zeigen diesen Ländern nun ihre ganz besondere Auffassung von Dankbarkeit und europäischer Solidarität, und dies auch noch ganz unverblümt auf ihrer Website.

An was soll man in dieser Welt noch glauben, fragte ich mich gestern dann. In einer Welt, in der die alten Werte längst kaputt sind. In einer Zeit, in der nur Platz scheint für Egoismus, Raffgier und Menschenverachtung, ein ethisches Fehlverhalten auf allerhöchster Ebene.

Wie sag ichs meinem Kinde, müsste die nächste Frage folglich heissen. Aber da müssen wir uns wohl in unsere Zähne beissen. Die Globalisierung fördert anscheinend vor allem das Schlechte in den Menschen zu Tage. Dies sagte ich gestern noch zu mir. Und tröstete dann meine entzündete Seele mit einigen Humpen kühlem Bier.

Ein etwas trauiger Marlon ging dann gestern auch zu Bett, denn was hier abläuft ist doch alles andere als wirklich nett. Auch heute begreife ich das Unbill noch nicht, und ich hoffe diese Politik verliert jetzt einmal endgültig ihr unmoralisches Gesicht.


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