Der Schnüffel geht um
Die Schnüffler sind unterwegs hier auf unserer Insel Mallorca. So lautet die Parole, die momentan quer durch die Inselorte geht. Genauer, sie schallt durch die Orte, die direkt mit dem Tourismus verbunden sind. Und das sind vor allem die Städte und Gemeinden an der Küste, oder in Küstennähe.
Das balearische Tourismus-Ministerium kontrolliert verstärkt Privatvermieter. Dies hat es zwar schon öfter gegeben, jedoch, mit einer solchen Akribie noch nicht. Und das schafft Missmut, die Menschen hier sind einfach stinkesauer.
Die Motive der Balearenregierung liegen klar auf der Hand, man will wie immer nur das Beste von seinen Wählern und Wählerinnen, wie könnte das auch anders sein. Und das ist das Beste ist zunehmends auch hier bei uns in Spanien das, was der Bayer bei euch da drüben landläufig sein Diridari nennt.
Die Kohle, das liebe Geld eben, denn viel zu viel geht nach Ansicht der alten, wie neuen Balearenregierung an den staatlichen Steuersäckeln vorbei.
Das Komische dabei ist doch immer wieder, dass trotz erheblicher Dissonanzen in vielerlei Themenbereichen, wenn es um das Hab und Gut des guten Steueraugust geht, dann sind sich doch wieder alle Parteien im Nu einig.
Da hat man auch kein schlechtes Gewissen, weil man vielleicht denken könnte, wir hier nehmen alles doch nicht so genau, sind keine Quadratköpfe wie die da drüben in Deutschland, nein, wenn es um den Steuergroschen geht, dann ist plötzlich jede mediterrane Lebensart passè.
Man kommt auch nicht auf den Gedanken, dass der eine oder andere auf den Zuverdienst dringend angewiesen ist, momentan trifft es noch dazu vor allem ausländische Privatvermieter. Wen juckt das schon.
Zwar nicht nur, aber zu einem erheblichen Teil vor allem die aus Deutschland, und das sind ja sowieso die Blöden, wird man sich vielleicht denken, die auf deutlich überhöhte Immobilienpreise hereingefallen sind, und denen man vom lockeren Südländerleben ohne grosse bürokratischen Schranken, mit viel Freiheit und wenig Kontrolle hatte erzählen können.
Die dümmlichen Alèmannen, die nicht nur beim Kauf ihrer Immobilie teilweise schonmal das Mehrfache dessen blechen, was ein Insulaner zahlen würde, sondern denen man während der Verkaufsgespräche zudem noch mit einem vielsagenden Lächeln von der Schattenwirtschaft auf Mallorca erzählt hat.
Das kann man ruhig nebenher vermieten, kontrolliert ja doch keiner, schnell verdientes Geld. Damit zahlst Du Deine Raten locker. Pustekuchen, nichts wars. Alles gelogen, denn jetzt wirds erst so richtig teuer. Neben saftigen Geldbussen droht noch eine Rückveranlagung bis was weiss ich nicht wann.
Hinter diesen Schnüffelaktionen könnte auch, zumindest teilweise, der Balearische Hotelverband stecken. Dies ist die Auffassung eines Kolumnisten, der die Zusammenhänge hier auf Mallorca bereits seit über zwanzig Jahren kennt.
Den Hoteliers sind die Privatvermieter schon lange ein Dorn im Auge. Sie hätten am liebsten, dass seitens des Tourismus-Ministeriums hohe Auflagen, sprich bürokratische Hindernisse die Vermietung von privaten Objekten massiv erschweren oder gar ganz verhindern würden.
Das ist alles andere als schön, was sich hier so abspielt, und zwar für Einheimische, wie auch für Hausbesitzer aus dem Ausland. Mehr und mehr bekommen wir deutsche Verhältnisse hier auf Mallorca. Natürlich nur was alle Pflichten angeht, bei den Rechten zeigt man den Finanziers aus deutschen Landen ganz gerne einmal die lange Nase.
Mein erster Gruß geht daher heute auch an die neue Balearenregierung. Übertreibt es nicht mit euren Schnüffeleien, blast nicht eine Jagd nach der anderen auf die Touristennation, die euch Jahrzehnte genährt.
Und schaut euch die Löhne hier auf Mallorca an, da fängt man gar bitterlich an zu weinen. Ihr wisst das doch. Und dennoch nehmt ihr euren eigenen Landsleuten genau den Zuverdienst, der ihnen trotz allem bisher noch ein menschenwürdiges Leben ermöglicht hat.
Mein nächster Gruß geht wie immer hinüber nach Deutschland. Schaut euch gut an, was hier geschieht, vor allem die, die sich mit dem Gedanken an den Erwerb einer Immobilie beschäftigen. Rechnet lieber drei bis viermal nach, bevor ihr dann unterschreibt. Einmal ganz abgesehen vom Ende der spanischen Immobilienblase, die Anzahl der Immobilienobjekte im Notverkauf, sie steigt mehr und mehr.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Nehmts leicht, was hier seit einigen Monaten verstärkt passiert. Seht euch vor, und vor allem schaut auch jetzt wieder ganz genau an, wer auf eurer Seite ist. Wer da alles handelt, frei nach dem Motto, Wer kann, der kann. Und lasst ihn dann beim nächsten Mal einfach besser nicht mehr ran.
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