Die Herzen entfesselt
Seit vielen Wochen endlich einmal wieder eine etwas kühlere Nacht auf Mallorca.
Wobei ich das Wort kühl selbstverständlich auf der Stelle wieder zurücknehme, allerdings im subjktiven Empfinden aller hitzegeplagter Insulaner hatte die vergangene Nacht doch so etwas von einer wohltuenden, erfrischenden Kühle.
Bei wie immer weit geöffneten Fenstern, Balkon- oder Terassentüren konnten die Inselbewohner, wie auch ein Kolumnist seit langer, langer Zeit endlich wieder einmal gut und vor allem tief schlafen.
Nicht wenige werden sich da seit Monaten auch das allererste Mal wieder bei ihrem Griff nach ihrer Bettdecke erwischt haben, sei dieser nun bewusst oder auch unbewusst erfolgt. Eine angenehme Frische brachte so etwas wie ein erstes Hoffnungsgefühl, der mallorquinische Herbst ist vielleicht gar nicht mehr so weit.
Die Sehnsucht nach Temperaturen um fünfundzwanzig Grad und gelegentlichen romantischen Regenschauern, in vielen Träumen dieser Nacht könnte genau diese Vorstellung Bestandteil gewesen sein. Die ersten immer noch von der lang andauernden sommerlichen Hitze schier gelähmten Endorphine, unsere so dringend benötigten Glückshormone, sie wurden in der letzten Nacht so langsam wieder zum Leben erweckt.
Und da diese Nacht damit endlich auch wieder alle Lebensgeister bei dem Verfasser dieser Kolumne hier geweckt hat, hat sich dieser kurzerhand dazu entschieden heute nur einmal besonders gute Stimmung zu verbreiten, sprich positive Meldungen und vor allem die mit diesen verbundenen Eindrücke zu kommentieren.
Womit fangen wir da am besten an. Mit dem Stromausfall im Südwesten dieser Tage vielleicht. Der war zwar ziemlich übel in seinen Konsequenzen, aber, nun hat unser Stromversorger GESA offiziell erklärt, man wolle für alle Schäden geradestehen. Na, wenn das nicht eine gute Nachricht ist.
Alle diejenigen der zehntausenden Haushalte, die nach einem Brand in einem Umspannwerk im Südwesten von Mallorca zu Schaden gekommen sind, jetzt solltet ihr schleunigst eine umfassende Aufstellung mit den für eine Schadenersatzforderung üblichen Belegen anfertigen. Und alles direkt an die GESA senden.
Leider benötigt ihr dann zwar noch etwas längeren Atem, aber ab Januar des folgenden Jahres soll dann die Auszahlung doch erfolgen. Ist zwar noch etwas bis dahin, aber immerhin, besser als gar nichts zu erhalten. Oder nicht?
Die Mallorca-Redaktion wird dieses Thema auf eine Wiedervorlage Ende Januar des kommenden Jahres ablegen, und dann werden wir dieses öffentlich geäusserte Entschädigungsversprechen der GESA noch einmal überprüfen.
Und wenn an dieser Angelegenheit nach Ansicht eines Betroffenen etwas faul sein sollte, bitte uns umgehend informieren. Denn dann gibt es von Seiten der Journallie Saures, was ja nicht selten dann doch noch hilft.
Und noch eine gute Nachricht gibt es zu vermelden. Joe Cocker hatte dieser Tage in der Stierkampfarena in Palma de Mallorca ein grandioses Konzert gegeben. Diese Rocklegende ist nicht unterzukriegen, so beeindruckend ist sein ganz persönlicher Musikstil, so man diese Rockgrösse live auf der Bühne erleben darf.
Gänsehautfeeling war da angesagt, wie es zumeist immer dann der Fall ist, wenn einer dieser Superstars der sechziger und siebziger Jahre wieder einmal eine Bühne betritt. Diese alten Männer zeigen es dann den jungen, wie und was gute Musik ausmacht, und vor allem, wie sie denn auch rüberkommen muss.
Nicht dieses konservenartige Play-Back-Gedudel, mit denen die weitaus meisten Interpreten Zuschauer und Zuhörer seit vielen Jahren jedesmal in einer derart schlimmen Weise verschaukeln, dass einem dann wirklich jegliche Lust auf Musik-Livekonzerte abhanden kommt.
Joe Cocker ist da noch einer von der alten Sorte. Echte, ehrliche Live-Musik, wohl dem, der das wunderbare Konzert in Palma erleben durfte. Haltet es euch noch etwas fest, in eurem Herzen.
Chain my heart, so hatte es für die Zuhörer in ihren Herzen auf dem Heimweg geheissen, auch wenn Joe Cocker kurz vorher noch von dem Gegenteil, von Unchain, gesungen hatte. Wer weiss, ob der gute alte Mann überhaupt noch einmal wieder kommt. Denn, wenn Joe Cocker den Zehn-Jahre-Rythmus seiner Auftritte auf Mallorca beibehalten will, wer weiss ob der da oben mitmacht. Wünschen würde ich das schon, vielleicht klappt es ja noch einmal.
Und genau diesen großen alten Mann des Rhythm and Blues grüße ich heute zunächst einmal ganz alleine. Du Grossmeister der Cover-Musik, selbst die Beatles bekamen eine Gänsehaut, als sie Deine Version ihres Songs With al little help of my friends zum ersten Mal erleben durften.
Und wie sehr hofft heute ein Kolumnist aus Mallorca, dass Du noch für eine lange, lange Zeit viele Menschen mit Deiner wunderbaren Musik berühren wirst. With a little help of our friend da oben im Himmel, vielleicht klappt das ja dann noch für weitere zehn oder zwanzig Jahre.
Mein routinemässiger Gruß hinüber nach Deutschland fällt mir auch heute zumindest mit positiven Inhalten schwer. Aber vielleicht gibt es dort drüben ja doch einen ersten Lichtblick, und zwar zum Thema EU-Arbeitsmarkt.
Zumindest gab es dieser Tage schon einmal zwei gewichtige Stimmen, die erkannt haben, dass bei den derzeitigen Lohndumping-Zuständen osteuropäische Arbeistkräfte nicht so schnell nach Deutschland kommen dürfen. Ab Anfang 2009 dürfen die nämlich alle kommen, was bei vielen Bürgern da drüben in Deutschland bestimmt schon wieder in Vergessenheit geraten war.
Offiziell zumindest, denn inoffiziell treiben Hundertausende bereits jetzt schon ihr Schwarzarbeits- und auch kriminelles Unwesen, wie wir alle wissen. Und zwar quer durch das alte EU-Europa, auch und besonders hier auf Mallorca.
Viele Grüsse wie immer an alle anderen hier auf meiner Insel. Es ist nun zwölf Uhr mittags, und einmal mehr vierzig Grad im Schatten. Aber die nächste kühle Nacht, diese kommt ganz bestimmt.
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