Eine lächerliche Spezies
Einmal mehr ist ganz schön starker Tobak hier auf unserer Insel Mallorca zu vernehmen.
Wer sich die jüngsten Äusserungen des Präsidenten des Hotelverbandes der Playa de Palma, Francisco Marín lautet übrigens sein Name, einmal so richtig genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, dem wird der in seinen Worten enthaltene Sprengstoff ganz schnell offenbar.
Der Mann sagte dieser Tage in einer offiziellen Verlautbarung im Zusammenhang mit den von seinem Verband so sehnsüchtig erwünschten Plänen zur Neugestaltung des Küstenabschnitts an der Playa de Palma, dass sich die Wohnungen und Appartements dort zunehmend zu Massenunterkünften für Randgruppen verwandeln.
So und nicht anders hat er dies gesagt, ohne ein Wenn und ein Aber. Und eine bessere Image-Pflege wünschen sich seine Mitglieder, weswegen man dringend einen Grossinvestor suche, der auf die Schnelle jetzt mal dreihundert Millionen Euro zur Verfügung stellt.
An dieser Stelle macht ein Kolumnist am heutigen Tage einmal eine Zäsur, denn er möchte, dass wir uns alle noch einmal zurückerinnern. Wir vollziehen daher eine kurze Rückblende in eine Zeit, in der noch alles so ganz anders gewesen ist.
Wir notieren anno 2007, genauer, die ersten Monate des Jahres, auf einer Baleareninsel mit dem weithin bekannten Namen Mallorca. Es ist Wahlkampf auf dieser Insel, weswegen allerlei dunkle Mächte in den Gehirnen so mancher Matadoren ihr Böses Handwerk auszuüben scheinen.
Der grösste all dieser politischen Matadoren trug den Namen Jaume Matas, seines Zeichen und Gnaden Herrscher über das Balearenreich. Böse geplagt von grossherrschaftlichen Allmachtsfantasien liessen die erwähnten dunklen Mächte in seinen Gedanken so manches Ungemach heranreifen.
So sollte neben vielen anderen Prachtbauten unter Anderem eine australische Sydneyoper direkt am Hafen von Palma de Mallorca entstehen. Diese sollte für jeden Ankömmling das absolute Reich von Jaume Matas und seiner konservativen Partido Popular bereits von weitem sichtbar werden lassen.
Und als ob ihm dies nicht genügen wolle, plante Jaume Matas neben vielen weiteren Strassenbauprojekten und zahllosen Golfplätzen auch noch die Vertreibung einer ganz bestimmten Spezies der Gattung Mensch, deren häufiges Vorkommnis auf Mallorca ihm überaus missfallen hatte.
Angefangen vom äusseren Erscheinungsbild dieser besonderes Spezies, über den etwas billigen Geruch bis hin zur geradezu lächerlichen Finanzkraft, die dazu führte, dass dieser sich abscheulicherweise in ganz normalen Hotels und Appartements ohne jeglichen Luxus einnistete.
All dies und noch einiges Fürchterliche mehr störte die Insel-Noblesse um diesen Herrscher Jaume Matas, weswegen sie kurzum entschieden, diese abscheuliche Spezies, auch bekannt als der Ballermann-Urlauber, diese Spezies müsse so schnell wie möglich weg.
Und, einmal mittendrin in Allmachtsfantasien, ersann man sogleich auch die beste Lösung für dieses Ballermannproblem. Neben allerlei Party- und Gesangsverboten, denn Spass im Urlaub wollte dieser Pöbel sogar auch noch, beschied die gut betuchte Inselkaste einer erstaunten Öffentlichkeit, dass der komplette Küstenabschnitt der Playa de Palma neugestaltet werden solle.
Über die Finanzierung wurde nicht lange gerätselt, denn bezahlen sollte dies alles über den Umweg Brüssel genau das Gesocks, was man zu vertreiben gedachte. Das soeben Erwähnte sprach man zwar nicht offen aus, jedoch, so ziemlich alle Grossprojekte der vergangenen Jahre auf Mallorca wurden massgeblich vom deutschen Steueraugust bezahlt. Manche davon sogar zu weit über fünfzig Prozent, wie zum Beispiel der milliardenteure Flughafen von Palma, mit Namen Son Sant Joan gerufen.
Der weitere Ablauf der Geschichte ist bekannt, aus den grossen Plänen wurde nichts, denn zu allem Überdruss wurden auf Mallorca die geplanten demokratischen Wahlen nicht per Erlass verboten, sondern tatsächlich abgehalten. Der alte Inselregent wurde abgewählt. Es ist überliefert, dass er geflohen ist, jedoch, nicht ohne seinem ehemaligen Hofstaat noch einen riesigen Schuldenberg zu hinterlassen.
Und vor dem stehen wir nun alle, die neuen Macher in Palma direkt vorne dran. Irgendwo weit hinter diesem gigantischen Schuldenberg steht nun der balearische Hotelverband, der den alten Seilschaften immer so herrlich mit fein säuberlich zurecht geschliffenen Übernachtungsstatistiken zur Seite stand.
Diese sagten zwar nie etwas aus, eigneten sich aber zur grossen Freude des alten Balearenherrschers vorzüglich dazu den mallorquinischen Untertanen vorzugaukeln, dass die vom Tourismus abhängige Inselwelt immer so schön heile war.
Und während sie da nun so hinter dem riesigen Schuldenberg stehen, Francisco Marín mittendrin, richten sie ihren Blick aufs offene Meer hinaus. Mit weit ausholenden Armbewegungen winken sie dem Richtung Amerika davon rudernden Wahlverlierer nach, nicht ohne gleichzeitig ihr grosses Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, dass sich in Sachen Neugestaltung und Umbau der Playa de Palma seit dem politischen Wechsel niemals mehr irgendwelche Vertreter diverser Regierungsebenen bei ihnen gemeldet hatten.
Ein Kolumnist auf Mallorca kann dazu nur sagen, Francisco Marín, Du musst gar nicht verzagen, sondern einfach nur mal die Ballermänner fragen. Mein erster Gruß geht daher am heutigen Tage auch an Dich und die anderen Mitglieder deiner Zunft.
Vor allem die Ballermänner waren es, durch die Deine Verbandsmitglieder reich wurden. Und genau diese Zielgruppe ist es, die für unsere Insel Mallorca das Allerbeste ist, ganz anders als der von euch gewünschte Qualitätstourismus. Der letztere nämlich raubt uns allen hier, und darüber sind sich die Experten einig, sogar unsere zukünftige Lebens- und Existenzgrundlage.
Mein Gruß hinüber nach Deutschland verbindet sich mit der immer grösser werdende Sorge um das Ausmass der Finanzkrise in den USA. Dass die wcihtisgten Zentralbanken jetzt bereits zum dritten Mal riesige Geldsummen bereitstellen, kann nur bedeuten, dass die Krise noch viel schlimmer ist als vermutet.
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