Freie Liebe
Die U-Bahn in Palma de Mallorca, ganz trendy natürlich Metro genannt, soll angeblich der absolute Renner sein. So wird es überall vermeldet. Eine Erfolgszahl schlägt die andere, über 200.000 Menschen sollen das neue Transportmittel schon genutzt haben, und umweltschonend sei sie sowieso, weswegen in Palma auch noch weniger Autos unterwegs sein sollen. So sind die Meldungen dieser Tage, wo man auch hinschaut und hinhört.
Was sich im ersten Moment wie eine politische Erfolgsstory der Balearenregierung auf Mallorca im Jahre 2007 anhört, erweist sich bei näherem Hinsehen, zumindesten teilweise, als ein Sketch aus der Reihe Neues aus Schildburg.
Zunächst einmal muss man sagen, die Metro ist noch bis September kostenlos. Bis dahin zahlt die öffentliche Hand, wahrscheinlich sogar das EU-Europa via Brüssel.
Wie man jedoch hört stellt sich einiges an dem balearischen Metrokonzept als Fehlkonstruktion dar.
So ist der Einstieg in die Metro für ältere und auch behinderte Menschen, wie auch für kleine Kinder mehr als beschwerlich, da die Zwischenräume zwischen Bahnsteig und Einstiegstüren, sowie die Höhenuntschiede einfach nicht passen.
Wenn man denn dann endlich einmal drinnen ist, dann sind die erwähnten Schildbürgerstreiche der Erbauer schon auf Anhieb nicht zu übersehen. Nicht nur dass die Metro ausschließlich mit Längssitzen ausgestattet sind, hier mag man sich wohl dabei noch etwas gedacht haben. Vielleicht sollten sich besonders viele hineinzwängen können. Und deshalb sollte es wohl viele Stehplätze geben, damit das Ölsardienen-Feeling auch so richtig gut gelingt.
Nur wer sich dann fragt, wo er sich denn festhalten solle, der wird erst einmal bitter enttäuscht sein. An der Decke der Metrowagen befindet sich lediglich eine einzige Haltestange, und die ist eigentlich nur für große Menschen erreichbar. Also klammert man sich dann wohl am Nebenmann fest, in alter Tradition der freien Liebe werden sich die schelmischen Erbauer da wohl gedacht haben.
Die vorgeschriebene Anzahl an behindertengerechten Sitzmöglichkeiten ist übrigens vorhanden. Allerdings befinden diese sich nicht, wie sonst weltweit üblich, an den Ausgängen, sondern in der Wagenmitte. Man gönnt den ansonsten benachteiligten Zeitgenossen anscheinend endlich auch einmal einige nichtalltägliche Abenteuer.
Mein herzlicher Gruss geht daher heute wie so oft in letzter Zeit erneut an die Balearenregierung. Ich stelle einfach einmal die Frage in den Raum, wieso man nicht jemanden beauftragt hat, der so ein Metro auch wirklich bauen kann. Wenn man schon EU-Gelder nimmt, hätte man vielleicht auch einmal auf entsprechendes Know-How zurückgreifen können.
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