Frische Brise und Hobelspäne
Eine kräftige Brise weht seit dieser Nacht hinweg über die Insel Mallorca. Eine Brise kühler Seeluft, zumindest einige Stunden haben die Menschen hier auf dem schönen Eiland diese Meeresbrise als äußerst willkommene Abkühlung genießen können. Vor allem im Landesinnern, in Manacor genauso wie in Montuïri oder in Inca fegte diese frische Brise ganz sicher so manches Trübsal aus den Seelen der von der sommerlichen Balearenhitze gezeichneten Menschen.
Zwanzig Prozent Regenwahrscheinlichkeit ließ viele auf noch mehr Abkühlung hoffen, alleine nur wenigen war dies bis dato vergönnt.
Die dunklen, in der Nacht schon fast bedrohlich anzuschauenden Wolken über dem mallorquinischen Himmel haben leider ihr Nass weniger in der Inselmitte denn in den Bergen des gewaltigen Tramuntanagebirges herabgeregnet. Es hat wieder einmal nicht sollen sein, aber die um bis etwa fünf Grad niedrigeren Außentemperaturen hinterlassen dennoch ein spürbar angenehmes Gefühl bei all denen, die seit Wochen unter der großen Hitze leiden.
Eine frische Brise weht ab heute auch in der balearischen Inselpolitik. Genau in diesen Stunden, während ich in gespannter Erwartung dessen, was da nun alles kommen wird, diese Zeilen zu virtuellem Papier bringe, werden die neuen Macher im Balearenparlament in Palma de Mallorca vereidigt.
Insgesamt vierzehn Minsisterien hat man in langen, aber fair und ohne viel Aufhebens geführten Verhandlungen unter sich aufgeteilt. Die sozialistische PSOE, die liberalnationalistischen UM und die linksgerichtete Bloc-Partei wagen damit den von vielen lang herbeigesehnten Neuanfang auf Mallorca.
Erstaunlich, nicht nur für den Kolumnisten ist dabei die Rolle der ehemaligen Inselratspräsidentin und ab heute Parlamentspräsidentin Maria Antonia Munar. Von allen Beteiligten hat sie in den Koalitionsgesprächen sicherlich die größten Zugeständnisse machen müssen, insbesondere vor dem Hintergrund des von ihr mit knallharten Bandagen geführten Inselwahlkampfs.
Da kannte sie keine Gnade und auch keine Freunde, schon gar nicht Jaume Matas, obwohl sie mit diesem die vergangenen vier Jahre politisch eng verbunden gewesen ist. Auch ihr eigenes Inselvolk stand ihr erheblich näher als die Touristen, von denen das Wohl ihrer Wählerschaft doch so abhängig ist.
Jetzt ist ihre Partei zuständig genau für dieses so eminent wichtige Tourismus-Ministerium. Sie hat die Verantwortung hierfür gewollt, und nicht zuletzt ich bin heute davon überzeugt, dass Maria Antonia Munar haarscharf und zielsicher weiss wieso es neben den Ministerien Umwelt und Sport genau dieses Tourismus-Ministerium sein sollte.
Höchst interessant wird die neue politische Ausrichtung in den Ministerien für Handel und Industrie, genauso wie für Verkehr. Diese nämlich unterliegen ab sofort der Kontrolle des Linksbündnisses Bloc, und dies lässt auf eine erhebliche Kurskorrektur in allen elementaren Zukunftsplanungen unserer wunderbaren Insel Mallorca erwarten.
Damit Mallorca auch so wunderbar bleibt, werden nun erst einmal mehr als vierhundert neue Ämter besetzt. Allesamt waren diese bislang von der PP belegt, Großreinemachen ist nun angesagt. Eine völlig neue Inselpolitik ist notwendig, dessen sind sich die Experten nahezu alle einig.
Naturgemäss folgen jetzt in Kürze zahlreiche Klagen und auch Wehgeschrei, aber ohne dies geht es nunmal nicht. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, so sagt dies ein altes Sprichwort. Und das hier so manche Fehlentwicklung mit einem besonders scharfen, groben und vor allem mächtigen Hobel korrigiert werden muss, dies sorgt naturgemäss bei allerlei alten Zöpfen für viel Verdruss.
Grüße und Glückwunsch zu der Übernahme eurer großen Aufgaben rufe ich heute denjenigen zu, die diese gnadenlosen Hobel jetzt schwingen werden. Kehrt den Mist erst einmal so richtig aus, dann wird diese schöne Insel Mallorca auch das, was sie wieder einmal war, nämlich ein wahrer Touristenschmaus.
Meine nächsten Grüße gehen auch heute hinüber nach Deutschland, diese Woche einmal mit zwei hochrangigen polnischen Politiker-Zwillingen an der Bundeskanzlerin Merkels Brust. Vielleicht hätte sie einfach einmal auf den Tisch schlagen sollen, anstatt jedes Mal neue und vielleicht sogar auch faule Kompromisse zum Nachteil ihres Volkes einzugehen. Dies hat sie nun davon, ganz Polen lacht, dabei sollten eigentlich eher die Menschen in ihrem Land einmal wieder so richtig lachen können.
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