Gestatten Feinripp
So, so, geizig sollen sie geworden sein, die Deutschen. Das hörte man doch letzthin schon einmal, hier irgendwo auf Mallorca. Wie sich die Welt doch ändern kann, denke ich mir, als ich dieser Tage die Auswertungen einer Studie über die Beliebtheit internationaler Hotelgäste vor mir liegen sehe. Eigentlich sind derartige Pseudowissentschaftlichen Ergüsse, noch dazu im Auftrag eines nicht gerade unparteiischen Wirtschaftsunternehmens nicht so mein Ding, und wandern ergo unvermittelt in die Ablage P, wie man dies so schön sagt.
Dann las ich dennoch etwas quer, auch weil Mallorca momentan ja nicht so viel Neues hergibt, was ja morgen ganz schnell auch mal völlig anders sein kann.
Also geizig sind sie, dazu nicht ganz so angemessen gekleidet, oder gar schlampig? Wie dem auch sei, nur die Amerikaner sollen noch mehr gegen die guten Sitten einer Kleiderordnung verstossen, dann kämen schon die mit Badelatschen und kurzen Hosen durch die Innenstädte, Einkaufsläden und Restaurants ziehenden deutschen Touris.
Feinripp haben sie übrigens noch vergessen, fällt mir gerade auf. Diese ach so wunderschönen Feinripp-Unterhemden, jedesmal hauts mich schier aus meinen Latschen, wenn mir wieder einmal so eine Fleisch gewordene deutsche Dampfwalze in meinem Stammlokal gegenüber sitzt.
Der mallorquinische Kellner sagt auch nichts mehr dazu. Er ist eh Kummer gewohnt und will sich sein Trinkgeld nicht verscherzen. Aber das erhält er von den geizigen Germanen ja eigentlich eh nicht, steht hier ja zu lesen. Dafür haben die Amis wohl Kohle ohne Ende, was ja kein Wunder ist, denn sie drucken ja auch seit Jahren immer mehr davon, wie man so hört.
Der Japaner ist der Willkommenste, ist zu lesen, der hält sein Maul und duckt sich immer gleich. Außerdem ist er dabei noch ganz leise und schreit auch nicht, wenn er mal wieder so richtig übers Ohr gehauen wurde. Er ist ja auch bekannt dafür, daß er sich gerne einmal tot arbeitet, und wieso soll er dann im Urlaub plötzlich so fröhlich und ausgelassen sein. Das macht doch keinen Sinn.
Der Franzos' ist wie immer, er frisst einfach woanders nix , was man ja einfach nicht verstehen will, denn bei dem Brei, den es nicht selten hier auf unserer Insel in den einheimischen Restaurants gibt, da langt man doch so richtig hin. Er soll sich ja auch gut brechen, wie man so hört.
Schwätzen tut er auch nur in seiner komischen Revolutionärensprache, genauso wie der Russe, der angeblich überall nur herumpöbelt, wo er auch ist. Na ja, wie der Herr so's Gescherr sagt man da doch, Russen wie Amerikaner, man poltert halt gerne mal in der Weltgeschichte 'rum. Wer hat, der hat nun einmal.
Wer weiß noch nicht, was sich so geziemt, oder haben wir nun doch schon alle Klischees wieder einmal so herrlich toll bedient. Eigentlich bin ich ja nicht so gemein, aber wie ihr alle wisst, ein schöner Spaß muss doch auch einmal sein.
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