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Hände am T-shirt

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDie von den balearischen Wetterfröschen angekündigte Abkühlung hielt nur wenige Stunden das, was sie eigentlich versprechen sollte. War der Sonntag vormittag hier auf Mallorca noch mit Temperaturen zwischen fünfundzwanzig und dreissig Grad gesegnet, zogen die Temperaturen am Nachmittag gleich wieder merklich an.

Für diejenigen, die nicht im Besitz eines der vielen tausend kleinen, üblicherweise an der äusseren Hauswand montierten Klimageräte sind, und noch dazu ihr Dasein in den typischen Neubauten der letzten Jahrzehnte verbingen müssen, geht eine fast schon endlos erscheinende Leidenszeit weiter.

Selbst wenn man die Fenster mit Aussenläden, sofern überhaupt vorhanden, oder mittels dunklen Tüchern, vor den unbarmherzigen Sonnenstrahlen zu schützen vermag, selbst dann scheint den Bewohnern dieser Häuser der ganz normale Lebensalltag schwer zu fallen.

Bloss keine Hetze, keine Hast, langsamere Bewegungsabläufe sind angesagt, weil fast schon lebensnotwendig. Verflixt und zugenäht, schiesst es mir dieser Tage immer wieder durch den Kopf, denn auch ich habe mich Anfang des Jahres bei der Wahl einer neuen Bleibe auf Mallorca mehr als gründlich vertan.

Mit Wehmut erinnere ich mich an meine wunderbar kühle Wohnung zurück. Viele Jahre habe ich zufrieden und glücklich in einer der grosszügig geschnittenen und herrlich zentral gelegenen Altstadtwohnungen in Palma verbracht. Nur wenige Schritte vom pulsierenden Leben.

Der Teufel muss mich geritten haben, als ich mich dann für die wunderbare Aussicht auf die Bucht von Palma entschieden habe. Jetzt habe ich diese zwar direkt vor meinen Augen, so wunderbar anmutig scheint mir Tag für Tag dieser weite Ozean.

Jedoch, spätestens ab zwölf Uhr am Mittag läuft mir der Schweiss am ganzen Körper herunter. Selbst an den Armen entlang, bis zu den Handgelenken, die funkgesteuerte Computermaus scheint auch schon hier und da in Mitleidenschaft gezogen sein. Wie war es doch einst noch so schön.

Permanent wische ich mir meine verschwitzen Hände an meinem T-Shirt ab, ein Hemd zu tragen habe ich an meinem häuslichen Arbeitsplatz bereits seit Wochen aufgegeben. Sechs, sieben oder acht Liter Flüssigkeit am Tag, ich will dies gar nicht zählen.

Statt dessen verfluche ich einmal mehr die Architekten und Städteplaner, die man im Grunde ihr gesamtes Leben in diese schrecklichen Buden verfrachten müsste. Oben hui, unten pfui, so lautet ein altes Sprichwort. Dies trifft es in etwas genau, einfach nur auf die Schnelle und auf möglichst billig werden diese Häuser hingepfuscht.

Ich bin ein erklärter Gegner dieser krank machenden Klimaanlagen, denn es geht auch anders. Jeder arme Bauer in den Wüstenstaaten Marroko, Tunesien oder auch anderswo baut sein Haus den klimatischen Bedingungen entsprechend, viele der alten Bauten hier auf Mallorca lehnen sich dem teilweise an.

Aber seit vielen, vielen Jahren wird alles nur von einer masslosen Profitgier getrieben. Was für eine Energieverschwendung, welche eine Umweltverschmutzung geht von diesen zehntausenden Klimageräten hier auf der Insel aus, von den gesundheitlschädlichen Folgen für die Bewohner einmal ganz abgesehen.

Aber, was soll gerade ich mich beschweren. Bin ja selbst dran Schuld. Wie sagt doch ein altes Sprichwort, wenn es dem Esel zu wohl wird, dann geht er halt aufs Eis. Und genau ich fühle mich in diesen heissen Wochen des Jahres als Esel auf einem besonders glatten Eis.

Und genau auf diesem befinde ich mich auch in diesem Moment, gefühlsmässig ganz bestimmt, würde dieses Eis allerdings am liebsten auch so schnell wie möglich wieder verlassen. Leider ist die Zeit für eine Wohnungssuche gerade jetzt nicht gekommen. Dies wäre vergebene Liebesmüh, Zeitverschwendung sozusagen.

Mitten in der Hochsaison schminke ich mir das dann doch lieber erst einmal ab. Noch dazu, da viele der Inselbewohner in dieser Zeit entweder selbst in den Ferien sind, oder gerade jetzt alle Hände voll zu tun haben.

Wer von meinen Lesern einen notleidenden Kolumnisten mit einer schönen Inselbleibe aus seiner selbst verschuldeten Notlage erlösen möchte, wird noch für eine lange Zeit bei mir einen Stein im Brett haben. Versprochen und Hand aufs Herz.

Wenn Sie mich jetzt fragen wo, ich gehöre zu denen, die die Grossstadt Palma lieben, wenn diese auch in den letzten Jahren einer exzessiven Bauwut erlegen ist. Dennoch, hier tanzt nunmal der Bär, und ein Kolumnist am liebsten Hand in Hand mit diesem Bär. Vor allem, wenn man dann auch noch in wenigen Minuten direkt am Wasser steht. Was will man dann denn noch mehr vom Leben auf Mallorca.

Mein Gruß hinüber nach Deutschland verbindet sich zumindest mit der Genugtuung, dass wir hier einen richtigen Sommer erleben dürfen. Im Gegensatz zu euch. Obwohl, etwas von eurem Regen, gerade jetzt hier auf Mallorca, dafür würde ich mich doch auf Anhieb mit etwas Sonne für euch da drüben revanchieren.

Wie immer grüsse ich auch heute wieder alle hier auf meiner Insel, im Wissen darum, dass nicht nur ich alleine den kommenden Herbst kaum noch erwarten kann,



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