Herzblut
Endlich einmal ein Hauch von Urlaubsstimmung an den Stränden der Insel Mallorca. Bei meiner Fahrt zu einigen der beliebten Strände der Baleareninsel am gestrigen Dienstag wollte ich es endlich einmal genau wissen. Was ist genau los, wie sehr streut man von offizieller Seite den Bürgern Mallorca's nun Sand in die Augen, gerade wenn es um die wirtschaftliche Situation der Insel geht.
Wie immer ist eines im Leben sonnenklar, Verlierer haben selten eine Bühne, auf der sie von ihrem Schicksal erzählen können und dürfen. Gemeint sind damit die unzähligen Kleinunternehmer überall auf der Insel. Und genau diese sind es, die vor allem auf den Toursimus angewiesen sind, und die zu oft ganz still und klammheimlich ihr Bündel packen müssen, weil ein Überleben angesichts fehlender Einnahmen unmöglich geworden ist.
Wenn man denn dann überhaupt noch von so etwas wie einem Bündel reden kann, welches zu packen ist, denn nicht selten stehen viele am Ende nur noch traurig sprich mit ganz leeren Händen da. Da, wo zu Beginn, am Anfang der Existenzgründung, nicht nur das Ersparte, sondern auch noch viel Herzblut, Lebensenergie und Optimismus vorhanden war, ist letztendlich von alledem nur noch wenig, wenn nicht sogar überhaupt nichts mehr vorhanden.
Darüber redet man dann nicht so gerne seitens der Inselpolitik, verlässliche Zahlen hierüber sind sowieso Mangelware. In einer Zeit, in der die da oben sich in professionellster Weise die Medien zunutze machen und Statistiken nur zögerlich oder fein geschliffen präsentieren, macht sich dann ein Kolumnist schon einmal selbst auf den Weg, um sich direkt vor Ort selbst ein Bild vom Leben auf der Insel Mallorca zu machen.
Endlich also bin ich im Jahr 2007 dem Urlaubstourismus in einem Ausmaß begegnet, der diesen Ausdruck rechtfertigt, gemeint sind dabei in erster Linie die Strände im Norden der Insel. Auch die Bucht von Alcudia. Nicht nur der endlos weite Strand eine Augenweide, endlich einmal treffe ich einige Touristen mehr als es bisher dort im Jahr 2007 gewesen ist.
So etwas wie hoffnungsvolle Aufbruchstimmung scheint auch bei den Inhabern und den Mitarbeitern der Geschäftsbetriebe zu herrschen, die gerade hier nahezu in Gänze auf den Urlaubstourismus angewiesen sind. Die bisherigen Einnahmen sind alles andere als zufriedenstellend, weswegen es auch schon hinter vielen dieser sonnedurchfluteten Fassaden zu brodeln scheint.
Nicht umsonst hat hier Maria Antonia Munar mit ihrer Partei UM die zurückliegenden Wahlen in eindrucksvoller Manier gewonnen. Die nationalistische Wahlkampfpropaganda kam hier im Norden anscheinend wieder einmal besonders gut an, so wie sie wohl überall auf der Welt immer dann genügend Ohren findet, wenn es einer immer weiter wachsenden Schar von Menschen schlechter geht, als es die zurückliegenden Jahre gewesen ist.
Die Umsätze geben allerdings auch jetzt, Ende Mai 2007, nur wenig Grund zum Optimismus. Fast unisono das Credo der Geschäftsinhaber am gestrigen Tag.
Also doch, waren denn auch meine Gedanken, begleitet von meiner stillen Hoffung, daß jetzt hoffentlich ganz schnell die politischen Entscheidungen über eine Regierungskoalition fällt, die dann hoffentlich einmal so einiges von dem gerade rückt, was sich vor allem in den Augen vieler Beobachter aus den Ländern verschoben hatte, aus denen sich die Mallorca-Urlauber in den letzten 30 Jahren in allererster Linie rekrutiert hatten.
Dort erwartet man eine deutliche Kurskorrektur und ich bin selbst einmal gespannt, ob und wie diese dann genau aussehen wird.
Weitere Artikel in der Rubrik Mallorca:
