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Ich nehm Dich beim Wort

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDas Thema Sprache auf Mallorca wird uns noch für sehr lange Zeit beschäftigen. Ich betätige mich da heute gerne einmal als Prophet, und bin sicher, dass die Treffsicherheit meiner soeben getroffenen Vorhersage bei satten einhundert Prozent liegen wird.

Jeden Betrag würde ich darauf wetten, sogar dass das Thema Sprachentwicklung und Sprachgesetzgebung bald Thema im Europaparlament in Strassburg sein wird.

Nur durch Zufall bin ich gerade jetzt auf ein Interview gestossen, welches in einem deutschsprachigen Magazin auf Mallorca veröffentlicht wurde. Geführt wurde es mit einem Kollegen, einem Kolumnisten, einem Literaten exzentrischen Naturells, innerhalb seiner Landesgrenzen ein recht berühmten Mann sogar. Der berühmteste unseres Zeitgeschehens.

Hierher, aus Spanien kommend, Francisco Umbral heisst der Mann, seine Wirkungsstätte ist vor allem die Hauptsstadt Madrid gewesen. Das Wörtchen gewesen muss ich leider, leider hinzufügen, denn vor wenigen Tagen ist der grosse Kollege leider verstorben.

Gott sei seiner Seele möglichst gnädig. Und das wird der Gute da oben auch, da bin ich sicher, denn mit seinen vielen Werken, seiner Prosa, seiner Lyrik, seinen Romanen, Novellen und seinen tausenden an Kolumnen hat er die spanische Gesellschaft ganz erheblich beeinflusst. Und nicht zum Schlechten, sondern im Gegenteil.

Francisco Umbral hat vielen Menschen Glückseligkeit in ihren Herzen, reichlich Nachdenkliches und eine ganze Menge an Träumen vermitteln können. Und daher schaut ein Kolumnist aus Mallorca recht schnell hinweg über seine in meinen Augen fatale und fehlerhafte Einschätzung der Entwicklung der Sprachkulturen auf der iberischen Halbinsel.

Insbesondere seine doch recht nationalistisch angehauchte Argumentation in dem bewussten Interview, pro Katalan und Mallorquin, lässt darauf schliessen, dass eine gehörige Portion an Emotionen seinen sonst so scharfen Sachverstand etwas in den Hintergrund rücken liess.

So argumentierte er mit dem Bayerischen Wald, in dem der Tourist, sei er auch aus Mallorca oder Spanien, ausschliesslich nur alles in Deutsch zu lesen bekommt, und daher müsse das Balearenvolk auch ihre eigene Sprache präsentieren dürfen.

Da war noch einiges mehr, jedoch vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse, seines langen Leidens und seines Ablebens vermag ich nur den einen Punkt herauszupicken. Allerdings, besser wäre es gewesen man hätte das Interview aus Rücksicht noch einmal in eine Schublade gepackt.

Ich hätte zu gerne noch einmal mit ihm den bayerischen Wald bereist, oder würde es sofort mit all denen tun, die gleich ihm argumentieren. Denn ruckzuck würden den Sprachjongleuren hier bei uns auf den Balearen bewusst, hoppla an ihrer Argumentation, da stimmt irgend etwas nicht.

Denn dort spricht man ganz sicher kein Deutsch. Wer mir erzählen will, dass im Bayerischen Wald Deutsch gesprochen wird, dem unterstelle ich entweder, dass ihm jegliche Kenntnisse fehlen, ansonsten die Puderung mit Reissnägeln im Säuglingsalter.

Dort im Bayerischen Wald wird waidlerisch gesprochen, ein niederbayerisches Platt von wenig Anmut, welches jedoch grosses Unverständnis bei all denen auslöst, die mit diesem Dialekt zum ersten Mal in Berührung gekommen sind. Ihn zu lernen wäre ähnlich schwierig wie für unsereins das Mallorquin.

So wie mir dies einmal ging, als ich die Sprache kennenlernen durfte. Mir als eingefleischtem Germanisten entglitten schier die Gesichtszüge, viel mehr als mit Händen und Füssen war da an Verständigung kaum zu machen. Mitten in Deutschland.

Und damit das irgendwie mit den Touristen funktioniert, sprechen die Bayerischen Waidler dann halt Deutsch, wenigstens irgendwie. Alleine auch nur, damit sie wenigstens von den Urlaubsgästen ihres eigenen Landes verstanden werden. Da ist es ähnlich wie hier bei Mallorquin und Castellano, der einheimische Dialekt und das Spanisch.

Und dort drüben spricht man mit gleichem Stolz von der eigenen Sprache wie hier, zudem hat da jeder Ort seinen eigenen Dialekt, zehn Kilometer auseinander und die alten Menschen können sich nicht einmal mehr richtig verständigen. Sehr viel grösser ist die Sprachvielfalt in deutschen Landen, wenn da  wohl jeder sein Sprachgesetz beschliessen würde. Die Bayern würden dies sehr gerne tun.

Das wird noch jede Menge Ärger geben, da bin ich sicher, und da werden auch noch einige meiner Kolumnen mehr die Umsetzung des einstigen Parlamentsbeschlusses zur Pflege der heimischen Sprache zum Inhalt haben.

Bis dahin grüße ich Dich, Francisco Umbral, preisgekrönt, der Du immer gewesen bist. Den letzten grossen Preis, Dein Seelenheil, diesen erhälst Du dort, wo Du nun bist. Ich wünsche Dir dies von Herzen. Du wirst das hier von Deinem Plätzchen da oben verfolgen, die weiteren Diskussionen, da bin ich sicher.

Mein nächster Gruss nach Deutschland gehört irgendwie auch zu uns hierher. Daher richte ich ihn doch direkt an Diejenige, die dies alles am meisten betrifft. Nämlich an die bessere Hälfte desjenigen, den sie in Madrid zunächst beschimpft, und nun wieder in den Adelsstand erhoben haben. Besser gesagt in den Engelsstand.

Gabi Schuster, sie kennt das iberische Völkchen, ganz gut sogar, und da besonders die grosse Fangemeinde der Königlichen von Real Madrid. Dennoch wird sie das Theater mit Kopfschütteln quittieren, zum Glück mit einem gesunden Abstand von drüben aus.

Dabei hat es ihr Mann, Bernd Schuster, wirklich gut drauf. Der Fussballästhet, der er immer war, er wird seinen Jungs den schönen Fussball lehren. Nicht zuletzt daher, da bin ich ganz sicher, bekommen seine Kicker in dieser Saison einen richtig guten Lauf.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der sprachlichen Wirrungen.



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