Jubel, Trubel, Heiterkeit
Jubelrufe auf Mallorca, wo immer man auch hinschaut. Jubelrufe in fast allen offiziellen Statements und ganz besonders jetzt im deutschen Blätterwald.
Dies gelangt dann auch schnell ins Internet, wo es dann leider schon Usus ist, dass der eine die Meldungen des anderen einfach übernimmt. Ohne nachzudenken, ohne zu kontrollieren, Hauptsache der Suchmaschinenspider hat etwas zu tun.
Wie einfach lässt sich doch die Öffentliche Meinung manipulieren, sage ich mir, während ich einmal mehr die Meldungen der vergangenen Monate und Jahre Revue passieren lasse. Nach der Wahl ist vor der Wahl, oder war dies immer umgekehrt.
Auf Mallorca spielt dies keine Rolle, Hauptsache der himmelblaue Weichspüler-Eindruck wird offensiv und nachhaltig überall platziert. Seit ich zurückdenken kann, hat es hier bei uns keine detaillierten Statistiken rund um den Tourismus gegeben. Häppchen- und ausschnittweise, nie in auch nur einem einzigen Bereich transparent, hat man Bürgern wie Pressevertretern Statistiken präsentiert.
Man konnt dann auswählen, ob man hieraus eine Schlagzeile macht, oder sie, was fast immer besser gewesen wäre, einfach direkt in die Tonne haut. In die berühmte Tonne mit dem P am Anfang.
Man entschliesst sich zumeist zum Ersteren, eine positive Schlagzeile über Mallorca, davon leben wir ja schliesslich alle. Ob Buchungen aller Art oder auch Werbeanzeigen, mit einer Insel Mallorca auf dem absteigenden Ast macht alles keinen Sinn.
Zu dem Statistikgemauschel kommt der erfahrungsgemäss hohe Anteil der Schattenwirtschaft, volkswirtschaftlich gesehen europaweit ganz oben anzusiedeln. Nicht nur in Spanien, sondern auch hier auf den Balearen noch viel mehr.
Und so schwindelt man sich Jahr für Jahr immer wieder in die eigene Tasche, Pi mal Daum, noch etwas mehr Schaum, ausgebucht, überbucht, was weiss ich wie lange schon und noch. Und immer, wenn ich dann zu Testbuchungen schreite, ist noch eine ganze Menge frei, und zwar ab jetzt und sofort.
Komisch bei allen Hurrarufen ist bloss, dass meine mallorquinischen Landsleute überhaupt nicht viel davon spüren. Lohndruck ohne Ende, sinkende Einkünfte, steigende Verschuldung, höhere Zinsen, teurere Lebensmittel, steigende Kriminalität, immer mehr Gauner hier auf der Insel Mallorca.
Waren es früher noch vermehrt die mit dem weissen Kragen, keine Angst sie gibt es hier schon noch, so werden die Straftaten immer subtiler. Sie betreffen jetzt immer mehr auch uns hier auf der Insel, in der Inselmitte sogar, nicht nur das naive Klientel bei euch da drüben in Deutschland.
Ein Beispiel dafür, welches wie zahllose andere angesichts der Mallorca Jubelarien des deutschen Blätterwaldes hoffnungslos in den Hintergrund verschwindet, den mallorquinischen Bauern werden derzeit ganze Felder abgeerntet. Zu nächtlicher Zeit schleicht da allerlei Gesindel über die Insel, sie klauen wie die Raben.
An den Stränden werden diese Melonen dann zumeist auf Schubkarren zum Verkauf angeboten. Dreimal dürfen sie raten, wer diese Schubkarren durch die Gegend schiebt. Kokosnüsse und Wasserflaschen sind oft auch noch in diesen Dingern zu sehen.
Geschoben werden diese vermutlich ebenfalls geklauten Karren dann von osteuropäisch aussehenden Damen, manchmal auch Herren. Dies und hunderte ähnlich gelagerte Fälle, das vor allem ist Mallorca im Jahre 2007. Ein nochmalliger Dank hinüber nach Berlin, Paris und Brüssel wäre da wieder fällig.
Nur davon hört man nichts, oder nur ganz wenig. Bis dann irgendwann einmal das ganz grosse Katzengejammer kommt, und dann hat es wie so oft mal wieder keiner gewusst.
Mein erster Gruß geht daher heute auch an alle die hier auf meiner Insel und vor allem von ihr leben. An alle diejenigen, die auf Mallorca angewiesen sind. Man kann es auch übertreiben, ein Kolumnist ist der Meinung, nun habt ihr für lange Zeit genügend Nebelbomben in Jubelmanier geworfen. Was fehlt ist der Blick für die Realität, und wenn der nicht bald kommt, dann ist es für alle hier ganz sicher bald zu spät.
Mein Gruss nach Deutschland verbindet sich heute mit grosser Irritation angesichts der Meldungen, die da vom grossen Homosexuellen-Outing von Siegfried und Roy erzählen. Als ob das irgend jemand interessieren würde, ausserdem wusste man das seit Jahrzehnten, sah man ihnen ja von weitem schon an.
Noch dazu ist es auch deren Privatsache. Dass diese Jungs ihren Privatkram immer offen zur Schau stellen müssen. Heute kann man damit sowieso niemanden mehr vom Stuhl ziehen. Wegen mir soll jeder machen, was er will. Nur soll er es besser für sich behalten.
Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Auf einer Insel im Endspurt, noch gut drei Wochen wird Kasse gemacht, dann flaut auch das wieder ab.
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