Lustiges aus dem Schaukelstuhl
Der erste grosse Regen auf Mallorca, dem Himmel sei es gedankt und gepredigt. Welch ein Genuss, welch eine Freude für alle von uns, die wir nun seit gut vierzehn Wochen ohne einen einzigen Tropfen Wasser von ihm da oben auskommen mussten.
Die gnadenlose Hitze, Afrika ist nur gut zweihundertdreissig Kilometer Luftlinie entfernt, die Wüste gar nicht mehr soviel weiter. Dementsprechend heiss wird es uns hier auf Mallorca im Sommer, und zwar mehr als nur warm ums Herz.
Von Anfang Mai bis Ende September, in diesen Monaten wagt sich ein Kolumnist in den meisten Stunden des Tages so gar nicht gerne vor die Tür. Aber genau dieser war gestern mitten in einem wunderbaren und vor allem herrlich starken Sommer-Regenschauer unterwegs.
Und das Schöne dabei? Er war ganz alleine, jedenfalls fast, denn den einen oder anderen Romantiker, den gab es ja dann doch. Wobei ich eigentlich Romantikerin sagen müsste, denn bis auf eine einzige Ausnahme waren es ausnahmlos die Damen der Schöpfung, welche diese Ausnahmesituation im Balearensommer ausnutzen wollten, und die genauso wie ich mitten im Regen mit grossen Augen entspannt und verträumt dem Himmel entgegen lächelten.
Ein Schlaraffenland Mallorca war geboren, der Strandspaziergang in einem vom lauwarmen Sommerregen völlig durchnässten Outfit, wenn dies auch leider nur ein Genuss von einer knappen Stunde gewesen ist.
Pitschnass erreichte ich schlussendlich meine Bleibe, mit jedem Schritt die Stiege hinauf schwappten dann einige Spritzer Wasser rechts und links aus meinen Schuhen hinaus, aber was solls, dachte ich mir, die Gedanken in Erinnerung an frühe Kindheitstage.
Vom Tourismus übrigens, da war weit und breit überhaupt keine Spur. Die leider nicht selten rotverbrannten Leiber unserer Feriengäste unterwarfen sich in diesen regennassen Stunden sehr wahrscheinlich einigen dringend notwendigen Salbungszermenonien, drinnen in ihren Hotelzimmern.
Letztere übrigens sollen doch nicht so gut belegt sein, wie uns dies noch die Vorgängerregierung unter Jaume Matas und seinem eloquenten Tourismusminister Joan Flaquer immer so schön weismachen wollte.
Und der Hotelverband spielte da wohl auch regelmässig mit gezinkten Karten, wenn ich mir alle Meldungen der vergangenen Monate noch einmal genau anschaue. Eine Erfolgsmeldungen jagte da die andere, komischerweise stiess ich auf meinen Inselexkursionen nur selten auf richtig gut gefüllte Strände.
Selbst in der Hochsaison, die sich sich in wenigen Wochen bereits wieder verabschiedeen wird, war dies nicht so berauschend. Der Vergleich mit dem zurückliegenden Rekordjahr, dieser verbietet sich ganz und gar.
Während also der gesunde Menschenverstand einer ganzen Reihe von Insidern hier auf Mallorca nicht zu überlisten war, streute man allen anderen seitens der Balearenregierung kräftig Sand in die Augen, immer schön Hand in Hand mit dem Hotelverband.
Es geht ja schliesslich um Wählerstimmen, hier wie da, und, der Tourismus muss unbedingt in einem guten Licht stehen. Koste es, was es wolle, und wenn es auch der Preis der Redlichkeit ist, den man dafür zu zahlen bereit ist. Die gut gepolsterten Sessel an den Trögen der Macht, darin räkeln sich Verbandsobere genauso gerne wie die sonstigen Machthaber, natürlich, vorneweg zunächst einmal die der Politik.
Nun kommen anscheinend die allerersten Friedensangebote, irgendwie muss diese dicke Schwindelkuh ja auch wieder vom Eis. Wobei, so richtig sicher bin ich mir nicht, wie dieser Eiertanz denn nun wirklich zu interpretieren ist, der da nun augenscheinlich veranstaltet wird.
Die Faktenlage ist nach wie vor klar, die Saison ist höchst bescheiden gelaufen, im Gegensatz zu den Zahlenspielereien in den ohnenhin nur seltenen Veröffentlichungen der Inseloberen. Die nämlich strotzen nur so vor Kreativität, wenn es darum ging eben nichts auszusagen, Nebelbomben werfen nennt man dies in der strategischen Politik.
Wählerverschaukelei auf äusserst niedrigem Niveau, so kam mir dies immer vor. Daran hat sich auch jetzt nichts geändert, denn wenn ich die jüngste Meldung des Hotelverbandes hier auf Mallorca lese, dann frage ich mich, ob die Verantwortlichen nun mit dem besonders einfältigem Vorsatz allen Lesern das Gefühl verbreiten wollen, sie seien einfach nur dumme Esel und sonst gar nichts.
Noch unter dem Eindruck der von demselben Verband Monat für Monat verbreiteten Jubelarien liest man nun, dass es weniger Hotelübernachtungen gegeben hat in den Sommermonaten. Die häufigen Meldungen der letzten Wochen von Überbuchungen, von überquellenden Hotels, keine Rede mehr davon.
Man erhält auch diesmal wieder keine Zahlen, wahrscheinlich müsste man die erstmal aus einer Lostrommel ziehen. Und so hilft man sich mit der abenteuerlichen Meldung, dass mit dem Rückgang, egal wie hoch der auch immer sei, genaueres erfährt man nicht, gleichzeitig die Produktivität der Hotels auf den Balearen gestiegen sei.
Es lägen keine konkreten Zahlen vor, aber eine erste Tendenz sei ablesbar. Dann verweist man erneut auf eine Zahl, von der man immer wieder gerne spricht, nämlich die Zahl der Flugpassagiere mit Ziel Balearen sei gestiegen, was dann wiederum auf eine gestiegene Zahl von Ferienwohnung-Urlauber schliessen liesse.
Und dies würden hier auf Mallorca die Tourismusstrategen ganz besonders kritisch sehen. Das mit den Flugpassagieren kann man nun wiederum glauben oder auch nicht. Einen Kolumnisten würde es nicht wundern, wenn angesichts immer knapper werdender Fördertöpfe aus Madrid und vor allem Brüssel auch bei diesen Zahlen Wahrheit und Dichtung kaum noch etwas miteinander zu tun haben.
Die Terminologie der Tourismusstrategen hatte mich allerdings glatt von meinem Schaukelstuhl gehauen, in dem ich es mir angesichts dieser neuerlichen Tourismuszahlen-Märchenstunde doch gerade laut wiehernd gemütlich gemacht hatte. Denn bis dato war es mir noch nicht bewusst, dass unsere Insel Mallorca eine derartige Spezies, Tourismusstrategen sind gemeint, überhaupt beherbergen könne.
Mein erster Gruß geht heute einmal mehr direkt hinein in das Tourismusministerium der Balearenregierung in Palma de Mallorca, und zwar direkt an den Chef dort, an Minister Francesc Buils. Mach doch bitte nicht den gleichen Senf wie Dein Vorgänger, und lasse Dich vor allem weder von Deinen eigenen Mitarbeitern noch von diesen Verbandsfritzen gleich schon zu Beginn Deiner Amtszeit an der Nase herumführen.
Denn dass es hier bei uns stinkt, und zwar gewaltig, dies sieht doch mittlerweile fast schon jedes Kind.
Meine Grüße hinüber nach Deutschland verbinde ich heute mit einem Glückwunsch ans Team Mobile und dessen Hauptsponsor T-Online. Den einen gratuliere ich dazu, dass es nun doch weitergehen kann, denn anderen zu einer richtig guten Entscheidung, die sie getroffen haben.
Und diejenigen, die sich auch heute noch so scheinheilig dazu berufen fühlen, mit dem Doping im Profisport aufzuräumen, diese Frankes und Scharpings. Ihr schert euch besser hinüber nach China, dort, wo für die im kommenden Jahr stattfindenden Olympischen Spiele wahre Retortenzombies in den zahllosen Dopinglabors herangezüchtet werden. Dopinglabors mit ausdrücklicher Segnung der chinesischen Politik in einem Sport, der ausschliesslich ein Sport von Amateuren ist.
Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel mit immer noch zumindest teilweise dunklen Wolken.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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