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Pfeifen ohne Lederhosen

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenNach der letzten Nacht hatte ein Kolumnist am heutigen Tage zunächst nur wenig Neigung gezeigt sein Haupt überhaupt aus seinem Schlafgemach zu erheben.

Der Blick aus dem Fenster auf die Playa de Palma hier auf Mallorca war wolkengetrübt, was die recht unbehaglichen, nur ganz dunkel in Erinnerung verbliebenen Eindrücke einer längeren Zecherei in der vergangenen Nacht noch dazu auf höchst unerfreuliche Weise verstärkte.

Ja, was war da eigentlich geschehen letzte Nacht, genau diese Frage wollte mir mein Brummschädel partout nicht beantworten.

Nach einigen Tassen starkem Kaffee und meiner obligatorischen guten Zigarre, keine Angst es war bereits Nachmittag, und nüchtern konnte man den Zustand meines Magens beileibe noch nicht nennen, nach einer ordentlichen Stärkung also wurden die müden Ganglien tief im Innern meines Schädels dann doch ganz schnell wieder munter.

Wie sagt man gleich, versackt nennt man das doch, wenn ein fröhlicher Bierplausch dann urplötzlich wie aus dem Nichts so ganz anders endet als ursprünglich vorgesehen. Nicht dass Sie jetzt denken dieser Kolumnist hätte die Orientierung verloren, weit gefehlt, denn ich kann mich noch ganz gut an das laute Gejohle heute morgen um halb fünf erinnern, als mich einige meiner liebe Freunde quer durchs Treppenhaus in meine Wohnung geschleift hatten.

So oder so ähnlich muss es gewesen sein, denn den Jungs muss das anscheinend gefallen haben, mir allerdings gings leider nicht ganz so gut. Aber, wie lautet doch ein altes Sprichwort, wer zechen kann, der kann auch arbeiten.

Diese blöden Bayern, diese Worte müssen der Kern meiner Aussagen in meinen zurückliegenden Alpträumen gewesen sein, denn genau damit wurde ich heute mittag wach. Während ich mich am gestrigen Abend zu fortgeschrittener Stunde mit einigen Freunden in mehr oder weniger philosophische Betrachtungen unseres Zeitgeschehens übte, erblicke ich im Hintergrund auf einer flimmernden Mattscheibe unsere Inselkicker im Duell mit dem FC Bayern München.

Was dann kam, hätte ich tunlichst lieber lassen sollen, denn spontan wie ich nunmal bin wanderte ab dann mein Blick immer öfter und immer länger auf das Fussballgeschehen, noch dazu weil dies in gar nicht mal so grosser Entfernung von uns stattfand.

Genauer im Ono Estadio, dort nämlich sind unsere Primera Divisiòn Kicker Gastgeber, wie dies auch am gestrigen Abend in einem Testspiel gegen den Bayern München der Fall war. Und Real Mallorca ist mittlerweile gar kein Underdog mehr, hat man doch eine geradezu glanzvolle Saison absolviert, in der das Abstiegsgespenst lange vor dem letzten Spieltag vertrieben wurde.

Und da saß ich also, einen Schoppen in der Rechten, eine dicke Zigarre in der Linken, jedoch, ein freudig-genüsslicher Zustand wollte sich angesichts dessen, was sich da vor meinen Augen abspielte, einfach nicht einstellen.

Verzweifelt versuchte ich zunächst die Namen der Bayernspieler zu entziffern, diese sind, wie wir alle wissen, gewöhnlich über den Rückennummern der jeweiligen Spieler zu finden. Alleine, da waren gar keine. Ein Kolumnist, gar nicht so dumm, vermutete dann auf Anhieb, an dieser Sache ist was krumm.

Und so übte ich mich als nächstes im Gesichter lesen, fing dann sogleich beim Torsteher an. Den kannte man, den Mann, denn es war derjenige, dem man allerorten von den Tribünen die Bananen zuwirft. Nur hier bekam er anscheinend keine.

Ollie war das, dazu erkannte ich van Bommel und noch Ribéry, das war es aber auch schon. Hatten die doch tatsächlich nur drei Stammspieler aufgeboten, der Rest war Reserve oder gar Amateure. Und von den Dreien kickte einer gerade einmal eine geschlagene halbe Stunde, die anderen kamen dann nach der Halbzeit auch nicht mehr aus der Kabine.

Unser RCD Mallorca legte sich gleich zu Beginn gar mächtig ins Zeug, alleine wo bitte war der Gegner. Namhafte Spieler, deretwegen nicht wenige der Zuschauer den Weg in die Fussballarena angetreten hatten, die waren noch nicht einmal auf der Bank. Miroslav Klose zum Beispiel, oder auch Basti Schweinsteiger, Philipp Lahm, Lucio, Jansen, Zé Roberto, wo waren die denn nur alle abgeblieben?

Kopfschüttelnd angesichts der offensichtlichen Zuschauerverschaukelei fragte ich mich, wer macht hier bei Real Mallorca denn eigentlich die Verträge. Wenn ich schon einen Betrag von einer guten Million Euro für die Starkickertruppe aus München zahle, dann müssen auch die Stars gefälligst auf dem Spielfeld stehen.

Und nicht eine bunt zusammengewürfelte Truppe, der man locker und leicht auch die A-Jugend hätte entgegenstellen können. Da hilft es auch nicht, das man das Testspiel mit einem Pokal aufwertete, der fast so gross war wie der Spieler des RCD, der ihn dann am Schluss emporwuchten durfte.

Auch wenn die Stimmung gut schien und ein Sieg sowieso immer gut zu Gesichte steht, einigen der Verantwortlichen bei Real Mallorca dürften gestern Abend angesichts der Chuzpe des FC Bayern München die Zornesröte ins Gesicht gestiegen sein. Was aber nur etwas nutzt, wenn man daraus lernt.

Jedenfalls sorgte das Verhalten des FC Bayern München bei uns noch für lange und vor allem heftige Diskussionen. Da war doch das Pokalspiel am Vortage, sagten die Einen, worauf die Anderen auf das teure Antrittsgeld verwiesen, und so ging es dann munter hin und her, immer auf und ab.

Und da man sich als zivilisierte Menschen immer mal wieder zwischendurch vertragen sollte, trank man dann halt noch ein Bier. Und dann noch eins, und halt noch eines, bis man dann irgendwann aufgehört hat zu zählen. So genau will man es am nächsten Tag ja dann auch nicht mehr wissen.

Mein Gruß nach München verbinde ich heute einmal mit dem frommen Wunsch an den da oben. Mögen die Bayern am Samstag gegen Hansa Rostock in ihrer eigenen Arena hoffentlich einmal so richtig schön die Hucke voll bekommen. Nach dem Dusel im Pokal wäre nun einmal eine deftige Strafe angesagt.

Meine Grüße ins sonstige Deutschland sind verbunden mit der Genugtuung, dass ihr da drüben augenscheinlich so langsam aufzuwachen beginnt. Angesichts der völlig unnötigen weil willkürlichen Preissteigerungen der Milchprodukte sollte es so langsam aber sicher auch dem Allerletzten dämmern, was er an seiner Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Merkel hat. Nämlich gar nichts, zumindest nichts Gutes.

Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel, und vor allem an euch, die Anhänger vom RCD. Denn ihr sollt euch ruhig jetzt erst recht so richtig freuen. Sind sie doch selbst dran Schuld, die Bayern, wenn sie ihre Lederhosen erst gar nicht mitgebracht haben. Dann schlägt man sie halt ohne, diese Pfeifen.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon



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