Schlechte Gewohnheiten
So gut mir meine Insel Mallorca seit Jahren auch gefällt, so wenig werde ich mich jemals an das Eine oder auch Andere hier gewöhnen können. Ich spreche damit besondere Vorlieben eines Großteils meiner mallorquinischen Landsleute an, die mich auch heute immer noch gelegentlich den Kopf schütteln lassen. Der besondere Umgang mit Müll ist ganz sicher eine davon. Zu oft sieht man es, daß Abfall einfach achtlos auf den Boden geworfen wird, obwohl zuweilen sogar nur einen halben Meter entfernt ein dafür bestimmter Behälter steht. Die Müllabfuhr der Insel, und dies ist das Positive daran, hat sich auf die besonderen Eigenarten ihrer Landsleute eingestellt und ist vielerorts täglich mit Leerungs- und Säuberungsaktionen beschäftigt.
Die zahllosen Hundehaufen sind das nächste schlimme Übel. Die Hunde findet man vielleicht noch ganz putzig, aber deren achtlose Besitzer könnte man eigentlich hassen, wenn man es andauernd live und anschaulich mibekommt, wie diese Ihre Vierbeiner bewusst das große Geschäft mitten auf dem Trottoir verrichten lassen.
Ein weiteres Übel ist und bleibt die spanische und mallorquinische Küche, besser ausgedrückt die Inselküche in den zahllosen Restaurationsbetrieben. Nicht nur, daß man sich der italienischen Küche überhaupt nicht anlehnt, zumindest im allgemeinen Sinne, indem man möglichst nur frische Zutaten verwendet und diese nur wenig weiterverarbeitet, sie also möglichst al dente, herrlich frisch duftend präsentiert.
Nein, auch der französichen Küche wird man in keinster Weise auch nur annähernd gerecht. Dort werden Speisen kunstvoll in mehreren Arbeitschritten zu neuen Kreationen verarbeitet, beinahe in allen französichen Familien wird dies geradezu zelebriert.
Während diese Vermengung von vielen Zutaten dort die Sinne schier belebt, und das Essen dort in zahllosen Gaststuben daher folgerichtig ein schon fast sinnliches Vergnügen ist, kann man im direkten Vergleich bei der spanischen und auch mallorquinischen Küche in aller Regel nur noch von Gepansche reden.
Selbstverständlich gibt es auch gute Adressen, nur im Gegensatz zu den erwähnten Ländern zahlt man dann auch fast immer den entsprechend hohen Preis. Wenn ich in Italien oder Frankreich weile, weiss ich zu gut, daß man fast überall excellenten Speisen zu normalen Preisen bekommt.
Selbst in den Touristenhochburgen ist dies so, man muss einfach nur die einfachen Gaststätten suchen, dort wo der sogenannte Kleine Mann und vor allem nur die Einheimischen essen gehen. Da geht einem dann zuweilen das Herz so richtig auf, und man staunt immer wieder wie preiswert doch gutes Essen sein kann.
Hier auf meiner geliebten Insel Mallorca kenne ich natürlich den einen oder anderen Geheimtipp, aber ich habe schon seit Jahren den Mut verloren einfach einmal in ein mir unbekanntes Lokal hinein zu spazieren und dort spontan ein Mahl einzunehmen. Meistens wird mir schon bei diesem Gedanken einfach nur schlecht.
Meine mallorquinischen Freunde übrigens, sie kennen meine Bedenken und sie haben größtes Verständnis dafür. Die Prioritäten sind halt hier etwas anders gelagert, und sie liegen leider nicht bei einem guten und zumindest ansatzweise sinnlichen Essen.
Mein erster Gruß geht denn heute auch einmal an alle Köche hier auf Mallorca. Schaut doch bitte öfter mal über eure Grenzen und übernehmt die eine oder andere Anregung eurer Nachbarländer im Norden und im Osten. Die zwei besten Küchen dieser Erde, die Franzosen werden es mir verzeihen, dies sind nunmal die italienische und die thailändische Küche.
Beide vereint eine gar nicht so geheime Rezeptur ihres Erfolges. Es ist dies in erster Linie die Verwendung frischer Zutaten und deren schonende Weiterverarbeitung, damit der erwähnte Eindruck von Frische auch möglichst erhalten bleibt.
Mein nächster Gruß geht hinüber in das Deutschland der gastronomischen Gegensätze. Neben vielem herrlichen gibt es dort leider aber mindest ebensoviele traurigen Leibesgenüsse. Und wie man Speisen in vorzüglicherweise vermengen kann, dies zeigt dort zum Beispiel ein richtig gut gemachter Pfälzer Saumagen. Was gäbe ich gerade jetzt dafür.
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