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Schwarzes Meer

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDie Playa de Palma am vorletzten Wochende im Mai. Schon fast bedrohend wirkt die äußerst ruhige Szenerie.

Außergewöhnlich wenig Touristen um diese Jahreszeit, und ich bin doch etwas überrascht, daß es hier im südlichen Teil der Insel Mallorca nicht doch etwas anders ist als im Norden.

Nun haben sie wohl beide gründlich vertrieben, stelle ich mit grimmiger Miene fest, die Engländer und die Deutschen. Und dann auch noch das. Oh weh, Jaume Matas und Maria Antonia Munar werden wohl wenig amused gewesen sein, als sie diese Meldungen vernommen haben.

So entrinnt es mir, als ich diese beiden Schlagzeilen des größten deutschen Wochenmagazin der Baleareninsel direkt vor meinen Augen sehe. Zu übersehen sind sie nicht, eher sind sie fast schon vom Strand aus zu lesen, so groß und bedrohlich erscheinen sie mir.

Sie werden die deutsche Berichterstattung über ihre Insel ganz sicher kennen, die beiden führenden Personen der Inselpolitik, denn beide sehen sich ja sicher selbst als absolute Politprofis.

Im Vorbeigehen nicht zu übersehen, wie gesagt, heißt es in großen Lettern, Bulgarien statt Mallorca, und, Amt schikaniert Ausländer. Das Bild von einem Totalfiasko, verursacht von den Wahlkampfstrategen des amtierenden Ministerpräsidenten und seiner Partei Partido Popular, und besonders seitens der Inselratspräsidenten und ihrer Partei Unión Mallorquina, scheint immer deutlichere Formen anzunehmen.

Auffällig bei der deutschsprachigen Berichterstattung auf der Insel Mallorca ist die vornehme Zurückhaltung eines zweiten großen Magazins, welches in der Verkaufsauslage direkt neben dem anderen zu sehen ist. Dort sucht man vergebens nach den Meldungen, die die Tourismusindustrie in diesen Wochen so sehr bewegen.

Ein Hauch von Hofberichterstattung, weil man Rücksicht auf das mallorquinische Mutterhaus nehmen muss, frage ich mich da natürlich gleich, oder was sind die Gründe dafür, daß gerade diese wichtigen Schlagzeilen in dem Blatt überhaupt nicht zu finden sind. Wenn dies mal nicht ein klassisches Eigentor ist, genauso wie dies vielleicht die nationalistisch ausgelegte Wahlkampfstrategie der beiden genannten Parteien eines sein mag.

Vielleicht sieht es hinterher so aus, als wenn man da nur von hier bis zur nächsten Tischkante gedacht hat. Denn wenn es ans Eingemachte geht, an Existentielles, dann könnten diese Parolen der letzten Monate zum Bumerang mit einer ganz besonders scharfen Klinge werden.

Oder glaubt man dort einfach, das Volk der Balearen wird davon schon nichts mitbekommen, weil sie ja sowieso kein Deutsch können, und vielleicht auch kein Englisch. Wenn man sich da nicht einmal täuscht.

Aber vielleicht sind wir ja doch schon soweit, und die Strategen haben dann doch richtig gelegen, mit ihrer Vermutung, daß der Mensch einfach nicht mehr liest. Oder gerade mal noch das Notwendigste. Und die Aufnahmefähigkeit dann nur noch für das Flimmern der Bildschirme gegeben ist, evtl. noch verbunden mit einigen Fetzen der Landesprache. Das wäre fatal fürwahr. Amerikanismus pur.

Dann allerdings sind wir schon soweit, daß wir das Buch am besten gleich zuklappen sollten. Aufhören mit dem Schreiben und statt diesen Zeilen einige mit sinnleerem Rap unterlegte Videoclips auf unseren Internetseiten präsentieren.

Meine Grüße richte ich daher heute einmal vor allem an den Verstand aller hier auf der Insel Mallorca, vor allem an den der Wähler. Macht auf eure Augen und Ohren, und beobachtet jetzt einmal genau die Inselszenerie. Denn dann bin ich mir auch sicher, ihr vergesst so manches davon nie.


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