Still und leise
Es ist das erste Wochenende im September, unsere Insel Mallorca ächzt weiterhin unter der grossen Hitze. Zum Glück weht hier und da eine leichte Brise, selbst tief drinnen, im Landesinnern, kann man sie zumindest etwas verspüren.
Jedoch, ein Hauch, mehr nicht. Und daher eilt man so schnell es geht an die Küste, sucht sich ein etwas ruhigeres Plätzchen, abseits von dem, was man den Massentourismus nennt. Und da gibt es genügend, ein Kolumnist bevorzugt den Ausritt in und über die Berge, mit einem Feuerstuhl macht das dann auch noch ein riesiges Vergnügen.
Dort drüben, da hat es manch romantisches Eckchen, man muss nur wissen wo. Dann kann man in Ruhe entspannen, kein Mensch weit und breit, das Wasser an diesen Seite der Insel ist kristallklar, meine Trauminsel Mallorca wurde an diesem ersten Wochenende eines Herbstmonats einmal mehr Wirklichkeit.
Schön ist es gewesen an diesem Sonntag morgen. Mit einer Flasche Rotwein und einer Jause, so würde dies ein Alpenländler nennen, hin zu einem paradiesischen Fleckchen Erde.
Kein Stimmengewirr, kein Lärm, Boote und Yachten nur in sicherer Entfernung, sehr wahrscheinlich ist mein ganz persönlicher Strand auf Mallorca noch nicht einmal den allermeisten Einheimischen bekannt. Oder zu unbequem zu erreichen, mit dem Auto geht das nicht.
Und auch ansonsten muss man genau wissen, wie einem dies gelingen kann. Es gibt Dinge im Leben, die behält man eben für sich, Schweigen ist da manchmal Gold, und genauso hüte ich mein Geheimnis bereits seit mehr als zwanzig Jahren.
An anderer Stelle gabs mehr Trubel und Gejubel. Nach Camp de Mar hätte es mich auch hinziehen können, an jenem Wochenende. Man hat noch versucht mich umzustimmen, alleine, etwas Derartiges, nein, das brauche ich nun wahrlich nicht.
Playing for good, hiess wieder einmal ein Golfturnier, in dem sich Stars und Sternchen tummeln, oder zumindest einige, die sich so gerne dafür halten. Zumeist kommen vermehrt diejenigen dahin, die das Lichte der Öffentlichkeit doch so dringend wieder einmal gebrauchen könnten.
Damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten, und zudem sehen sie es nicht ungerne, wenn ihr Name in gleichem Atemzug mit wirklich schlagzeilenträchtigen Grössen des Zeitgeschehens genannt werden.
Diese bekommt man allerdings in der Regel nur dahin, wenn reichlich von dem Geld fliesst, was man an einer solchen Veranstaltung eigentlich einsammeln will. In diesem Jahr ist dies, wie kann es anders sein, Paris Hilton, alles andere war da schon zweit- bis viertklassik.
Und die soeben genannte, im Gegenteil zu vielen meiner Kollegen kann ich mir erlauben zu sagen, die tu ich mir nicht an. Paris Hilton und Wolhltätigkeit, na klar, der Teufel liebt das Weihwasser.
Hoffentlich kommt wenigstens ein Teil des Geldes dahin, wo es in diesen Fällen dann angeblich landen soll. Ein trauriges Kapitel, welches sich mit dem Namen Wohltätigkeit verbindet. Und da dies schon lange so traurig ist, geht zumindest ein Mallorca Kolumnist schon lange nicht mehr dahin.
Vielmehr rät dieser all denen, die da wirklich und ernsthaft helfen möchten, das ganz persönlich genau da zu tun, wo Not am Mann ist. Und leider, leider Gottes muss man da oft nur etwas mehr als über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Der Europapolitik sei Dank, seit Jahren gibt es hier bei uns viel, viel Armut, insbesondere bei Familien mit Kindern.
Und nicht nur weil ich Kinder über alles liebe, ich finde, die Familien, die das Abenteuer Kinder heute überhaupt noch wagen, sie sollten wir schon in unserem Eigeninteresse unterstützen.
Meine ersten Grüße geht daher heute einmal an die Inselprominenz. Macht nicht so ein Tamtam, sondern helft einfach. Die wirkliche und ehrliche Barmherzigkeit geht ganz still und leise ihres Weges.
Mein nächster Gruß hinüber nach Deutschland betrifft das gleiche Thema. Millionen von Familien mit Kindern leben auch dort unter oder an der Armutsgrenze, ein Skandal von vielen unserer Zeit.
Zu verantworten von einer über alle Massen egoistischen und ignoranten Politikergeneration, der Begriff der feisten Toscanafraktion betrifft längst schon alle vier etablierten Parteien. Selters predigen und selbst Sekt trinken, und dabei immer schön geheuchelt in alle Kameras winken.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der scheinbaren Wohltätigkeit.
Weitere Artikel in der Rubrik Mallorca:
