Wartet's ab!
Das Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión bewegt zur Zeit die Gemüter vieler Menschen hier auf Mallorca. Nachdem die balearische Politik in den letzten Wochen und Monaten einer begierig darauf wartenden Journallie eine politische Kabarettnummer nach der anderen zu präsentieren scheint, zumindest aus der Sicht des Inseltourismus, hofft genau eben dieser betroffene Tourist, daß es nun endlich wieder einmal vorbei sein möge.
Daß jetzt endlich einmal Schluß sei mit der ganzen Gezeterei und daß er dann, wie jahrelang immer gewohnt, in Ruhe seinen Urlaub genießen kann. Und wenns ihm dann gefällt, daß er dann, wie ehedem, auch einfach seine Zelte hier auf der Insel aufbauen kann. So steht es zumindest geschrieben, daß er das auch darf, zumindest wenn er einen EU-Staat sein Heimatland nennt.
Damit er dies kann, braucht er das zuoberst genannte. Und weil sich das so wichtig anhört, wiederhole ich es gerne hier noch einmal. Es geht um das Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión, was übersetzt nicht etwa Urkunde für Quadratköpfe lauten soll. Und es soll, so hört man jedenfalls, auch nicht Urkunde von Quadratköpfen lauten, auch wenn das pro cedere der Aushändigung nicht wenige daran erinnern mag.
Wie man hört soll eine Wartezeit von dreieinhalb Stunden bereits absolute Rekordzeit sein, wenn man sich in das Registro Central de Extranjeros eintragen lässt. Gemeint ist das zentrale Ausländerregister im Polígono de Levante in Palma de Mallorca, bei dem sich alle hier auf der Insel lebenden EU-Ausländer eintragen lassen müssen.
Die Zustände dort sollen eine Zumutung sein, wie man hört, was zur Folge hat, daß viele sich nach Stunden aus der wartenden Schlange verabschieden, oder sich gar nicht erst anstellen.
So kann man natürlich die Europapolitik der EU auch unterlaufen, denke ich mir. Ganz schön clever die Jungs, so scheint es, wenn gleich sie nicht mit der Hartnäckigkeit mancher Zeitgenossen gerechnet haben dürften. Es sollen angeblich sehr viele Bulgaren und Rumänen dabei sein, die den sehr weiten Weg von zuhause hinüber zur Schlaraffeninsel Mallorca auf sich genommen haben, und die sich dann natürlich nicht von acht, neun Stunden Wartezeit abschrecken lassen.
Aber das haben Jaume Matas und Maria Antonia Mùnar bestimmt vorher gewusst, weshalb ich nun einmal vermute, daß diese langen Wartezeiten so etwas wie eine Hommage an die neuen EU-Mitgliedsstaaten sein sollen. Und dies, so findet ein Kolumnist, ist nun wieder eine sehr menschliche Geste dieser Balearenregierung.
Heute geht mein erster herzlicher Gruß einmal hinüber nach Bulgarien und Rumänien. Da jedoch nur zu denen, die unserer Weltanschauung nach zu den ehrlichen Bürgern zählen. Was, wie ich trotz allem Erlebten und Erzähltem glaube, die weitaus größte Mehrheit von euch ist.
Und wenn dem so ist, wäre es schön, wenn ihr einmal so etwas wie positive Imageebildung betreiben könntet, indem ihr dafür sorgt, daß möglichst die Guten zu uns kommen. Dies kann eigentlich ganz einfach funktionieren, nämlich, indem man die Gauner einfach rechtzeitig wegsperrt.
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