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Wasserwelten auf Mallorca

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDie bis über beide Ohren vollgelaufene Metro in Palma de Mallorca ist Thema Nummer eins in diesen Tagen hier bei uns auf der Insel.

Mallorca hat eine Metro, werden sich vielleicht jetzt viele meiner Leser ganz erstaunt fragen, und ein Kolumnist sagt dann dazu, jawohl, es ist zwar kaum zu glauben, und eigentlich auch überflüssig wie ein Kropf, jedoch, sie ist nunmal da.

Na ja, was heisst überflüssig, ganz schön ist es ja doch, wenn man ruckizucki von dem einem Fleckchen zu einem anderen kommt.

In den U-Bahn-Waggons gibt es zwar kaum Sitzplätze, aber dafür jede Menge Stehplätze. Das ist ja schon mal was, und das langt im Prinzip ja auch. Zwar müssen sich diejenigen, die sich da für wenige Minuten die Beine in den Bauch stehen, bei ihrem Nebenmann festhalten, da es kaum Haltestangen gibt, und die über den Köpfen für einen durchschnittliche gewachsenen Mallorquiner unerreichbar sind, aber was solls. So schlimm ist das doch nicht.

Hin- und herfallen tut man dann so nicht. Ausserdem, das hier ist Mediterranien, sagen wir zu so etwas, da nimmt man alles easy und locker, nicht so quadratköpfisch wie ihr da drüben in Deutschland. Na ja, mit Ausnahme vielleicht, wenn es um die Beachtung einiger Rechtsvorschriften für EU-Ausländer und da insbesondere euch Deutsche geht.

Nicht ganz so locker wollte man hier seitens der Balearenregierung in Palma auch den Umstand nehmen, dass die Metro bereits bei den ersten Regengüssen des Jahres im wahrsten Sinne des Wortes so richtig schön abgesoffen ist.

Dann musste die Bahn erstmal pausieren, was ja nicht so schlimm ist, denn wir haben ja genügend Buslinien, die da noch in Palma verkehren. Übrigens, riesige, moderne Busse, richtig Freude bereitet es mit diesen Dingern zu fahren.

Und bezahlt wurden die sogar auch noch mit eurem Geld via Brüssel, ebenso wie die Metro, und dann kauft und baut man doch so etwas auch gerne. Kost ja nix. Aber nun fährt sie wieder, wenngleich eine komplette Station vorerst einmal geschlossen bleiben muss.

Als Insider auf Mallorca stelle ich mir allerdings die Frage, was geschieht denn eigentlich mit der Metro, wenn es bei uns erstmal so richtig regnet, denn die schlappen fünfundzwanzig Liter pro Quadratmeter, die da am vergangenen Dienstag vom Himmel kamen, das ist ja eigentlich hier bei uns nichts Besonderes.

Im Vergleich dazu kamen in den Bergen des Tramuntana zur gleichen Zeit etwa gut das Dreifache des Lebenselixiers heruntergeprasselt. Und dies kann schnell auch mal an anderen Stellen auf unserer Insel geschehen.

Und wird es auch, denn, man bedenke, das Jahr ist ja noch gar nicht mal rum. Die Regenzeit nimmt gerade jetzt ihren Anfang und wenn es so weitergeht, dann wird unser Metro vielleicht doch einem völlig anderen sinnvollen Zweck überführt. Denn, dann wird sie vielleicht ganz voll laufen, nicht nur den schlappen halben Meter wie bei der zentralen Station Son Fuster.

Und dann hätten wir doch noch einen weiteren dringend benötigten Wasserspeicher, und müssten uns dann nicht mehr soviele Gedanken ums Wasser sparen und neue, dieses kostbare Nass so verschwenderisch verbrauchende, Golfplätze zu machen.

Vielleicht war das auch der Gedanke unseres letzten Balearenpräsidenten Jaume Matas, als er seinen Untertanen einst das Prestige-Objekt Palma-Metro vorstellte. Ein Vorrausdenker, Visionär gar, ist dieser Mann vielleicht sogar gewesen, was man eigentlich schon locker an seiner Giganto-Sydney-Oper hätte sehen können, die da vor kurzem im Hafen von Palma de Mallorca abgeblubbert ist.

Abgeblubbert zwar nur im übertragenen Sinne, aber welch eine fast schon spirituelle Augenweide ist das doch für uns alle hier gewesen, und es gibt nicht wenige Augenzeugen, die beschwören können, sie hätten am Wahlabend zu vorgerückter Stunde in der Playa de Palma etwas untergehen sehen.

Die wichtigste Erkenntnis, die sich uns Normalsterbliche leider erst jetzt erschliesst, die Aneinanderkettung aufregender Vorgänge rund um diese nun fast schon sagenumworbende Person Jaume Matas, der Mann hat was mit dem Wasser.

Und zwar ganz eindeutig. Und ich, der ich mich immer selbst als komplex und hintergründig denkender Schreiberling sehe, ich ärge mich unheimlich darüber, dass mir dies bis zum heutigen Tage völlig entgangen ist.

Mea culpa, Jaume Matas, diese Worte sollen Dir jetzt dafür ganz laut nachschallen, und ich hoffe Du vernimmst sie noch. Tja, Jaume Matas hat es mit dem Wasser, mit der wichtigsten Ressource unseres Planeten, da habe ich den Mann wohl einfach nur unterschätzt.

Nicht nur, weil der Mann nach seiner für ihn unerwarteten Wahlschmach sein Heil in der Flucht über den grossen Teich gesucht hatte. Nein, nein, das ganze scheint mir sehr viel tiefgründiger zu sein.

Den Jaume Matas, den haben wir alle wohl gründlich verkannt, nicht nur ich, sondern auch alle anderen hier auf Mallorca. Denn so wie es nun angesichts der Wassermetro in Palma ausschaut, muss der Mann ein Okö-Vordenker gewesen sein.

Greenpeace und all die anderen Umwelt- und Öko-Heinis sollten sich eigentlich schämen, und sich ab sofort an dem Mann ein Beispiel nehmen, denn als heimlicher Mallorca Umweltschützer Nummer eins, der Jaume Matas nach heutigen Erkenntnissen ganz sicher ist, hat er bei den seinerzeitigen Bauplanungen sogar dafür gesorgt, dass zu Beginn der Regenzeit in der Metro sogleich der Strom ausfällt. Der wird dann sogar vollautomatisch abgestellt.

Denn nur so können die U-Bahn-Röhren in den nächsten Wochen dann in aller Ruhe voll laufen, schön langsam, aber stetig, und in einer Weise, dass da nicht noch jemand irgendwie zu Schaden kommt.

Dann grüße ich doch glatt noch einmal diesen Mann am heutigen Tage. Unseren ehemaligen Präsidenten hier auf den Balearen, Jaume Matas. Und seine konservative PP am besten gleich mit. Die Mädels und Jungs, die immer so schön der ganz dicken Kohle nachgejagd sind, immer an vorderster Stelle, stets direkt an den Rändern der üppig gefüllten Tröge der Baleareninseln.

Und die nun, so vermute ich jetzt einmal, wahrscheinlich eher in etwas sicherer Deckung verharrend darauf warten und schauen, ob die von ihnen als Mega-Image- und Prestigeobjekt angepriesen Metro nun tatsächlich und wirklich auch voll laufen wird.

Mein nächster Gruss geht wie immer hinüber nach Deutschland. Auch ihr hättet unsere Metro bauen können, dann wäre das auch etwas geworden. Aber Siemens und Co dürfen sich ja seit längerem nicht mehr an Ausschreibungen mit Zahlung von Handgeldern beteiligen. Selbst dran schuld, dass eure Politiker mit ihren Beinen so hoch oben in den Wolken stehen. Und ihr wählt sie schliesslich sogar auch noch selbst. Könntet ihr ja auch endlich mal lassen.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, auf der ich doch zu gerne mal in Erfahrung bringen würde, wer sich denn da alles im Zusammenhang mit dem Metro-Bau die Taschen vollgeschaufelt hat. Der da oben, der wird das wohl wissen, und wer weiss, vielleicht wird der ganze Metrovorgang ja doch noch einmal so richtig heiss.



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