Dummer August
Einen größeren Blödsinn hat ein Kolumnist nur in ganz, ganz seltenen Fällen gehört. Volker Lange, so ist der Name desjenigen, der dieser Tage eine verbale Stilblüte zum Besten gegeben hat, bei der ich mich gefragt habe, in welcher Traumwelt lebt dieser Mann denn eigentlich.
Noch dazu als Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller, kurz VDIK genannt, da sollte man eigentlich nicht den Eindruck erwecken, als sei man in den ersten Lebensjahren mit dem Klammersack gepudert worden.
Worum geht es denn eigentlich. Nun, es geht um die schwache Binnenkonjunktur in Deutschland, die sich natürlich auch in den Verkaufszahlen bei Kraftfahrzeugen niederschlägt. In den ersten sieben Monaten hatten die Autohersteller in Deutschland nämlich acht Prozent weniger Wagen verkauft als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.
Und als Begründung des für seine Branche bedauerlichen Zustandes sagt nun dieser VDIK-Präsident Volker Lange, vor allem die zunehmende Verunsicherung der Verbraucher sei dafür verantwortlich, die langen Debatten und die Blockade in der Politik.
Er hätte gerne eine neue Kfz-Steuerpolitik, die sich am Ausstoß von Kohlendioxid orientieren solle, und eine Verschrottungsprämie für Altautos müsse her. Auf gut Deutsch, die Bürger sollen mit höheren Steuern für ihre derzeitigen Autos geschröpft werden, damit sie neue kaufen können.
Und, dann sollen sie noch dazu ein zweites mal geschröpft werden, indem mit ihren Steuergroschen dann Prämien für die Verschrottung ihres bisherigen Autos gezahlt werden. So hätte es dieser Volker Lange gerne, am besten alle bisherigen Autos verschrotten, damit jeder ein neues kaufen muss.
Wo bitte ist da nur der Intellekt geblieben, fragte ich mich angesichts derart dümmlicher Aussagen entsetzt. Jedoch, dieser Mann kann sich sogar selbst noch unterbieten. Denn weiter führt er aus, dass dies alles, also das soeben von ihm genannte, Grund dafür sei, dass Privatkunden ihren Autokauf einfach verschieben würden.
Und ich habe mir sodann die Frage gestellt, wieviel geistigen Dünnschiss kann ein normaler Mensch in einem einzigen Interview denn eigenlich so im Durchschnitt verzapfen, wenn er mal einen ganz schlechten Tag erwischt. Soviel geht doch eigentlich gar nicht, noch dazu als Präsident.
Diese bösen Verbraucher aber auch, ja, ja. Und die anhaltende Rabattschlacht auf dem deutschen Markt mit Preisnachlässen auf Rekordniveau betrachtet Volker Lange als ganz besonders besorgniserregend, wo er doch bisher immer gewohnt war, dass der deutsche August jeden noch so hohen Preis für seine Karre bezahlt hatte, während Volker Lange und seine Branche denselben deutschen August zeitgleich wegrationalisiert hatte, indem sie mehr und mehr Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlegten.
Dort wurde dann nicht selten zu Löhnen produziert, die man vor fünfzig Jahren selbst hier in Deutschland nicht einmal mehr kannte. Einmal ganz davon abgesehen, dass im Ausland die gleichen Autos oft deutlich günstiger zu kaufen waren. Aber den Auslandskauf hat man ja seitens der Automobilbranche zumeist erfolgreich mit aller Macht verhindern können.
Das mit der Verunsicherung des deutschen Verbrauchers, das könnte natürlich schon sein, mein lieber Volker Lange. Denn wenn dieser seinen Geldbeutel zückt und hineinschaut, dann fragt sich dieser Verbraucher ganz sicher in hohem Maße verunsichert, ist da nun Geld drin oder keines.
Geld ist natürlich keines drin, woher auch, wenn er arbeitslos ist oder sein Lohn aufgrund des Verhaltens der Industrie unter dem hohen Lohndumping-Druck stagniert oder meist sogar noch gesunken ist. Die Kaufkraft sogar besonders dramatisch.
Aber er schaut halt hin und wieder doch mal in seinen Gedlbeutel hinein, denn was zuletzt stirbt, das ist ja nunmal die Hoffnung, wie wir alle wissen. Und wenn er dann wieder mal hineinschaut in seinen Geldsäckel, dann kommen dem deutschen Verbraucheraugust ganz bitterlich die Tränen.
Weswegen er wiederum mit seinen verschwommenen Augen nicht auf Anhieb erkennen kann, ob nun in seinem Geldsack wider erwarten doch noch etwas drin ist, oder nicht. Wie soll dies auch funktionieren mit rot verweinten Augen.
Und das kann zuweilen schon für etwas Verunsicherung sorgen. Das mit dem Geldbeutel öffnen und hineinschauen, das macht der deutsche Verbraucher eigentlich, und da hat der Volker Lange sogar einmal wirklich recht, immer seltener. Denn, wieso soll er etwas öffnen, was sowieso leer ist?
So, und damit haben wir die wahre Ursache, denn wo nichts drin ist, da kann man auch nichts mehr herausholen. Das müsste der Herr Lange eigentlich auch von selbst gut wissen.
Geld pumpen wäre ja auch eine Möglichkeit, aber selbst dies kann der Verbraucher schon lange nicht mehr, denn dieses Geld haben die deutschen Bänker lieber für unverantwortliche Risikoanlagen in den USA versenkt. Und zwar in gewaltig Mengen, wie man mittlerweile weiß.
Das dürften einige Billionen Dollar in den vergangenen fünf Jahren gewesen sein, und man müsste sich eigentlich einmal vorstellen, was geschehen wäre, die Banken hätten diesen riesigen Betrag einfach einmal hier im Inland spendiert. Dann hätten wir einen wirklichen Aufschwung erlebt, keinen verbalen, den es Wirklichkeit nie gegeben hatte.
Mit Ausnahme in den Bilanzen der Großunternehmen, wie auch den Mitgliedern Deines VDIK-Verbandes, lieber Volker Lange. Da nämlich hat der Aufschwung über viele, viele Jahr angehalten, und da dies so ist, hätte ich auch gleich einen guten Vorschlag für euer Autoverkaufs-Problem.
Kauft ihr doch eure Blechkisten selbst und schenkt sie den auch Dank euch so arg gebeutelten deutschen Verbrauchern. Mit dieser durchaus generösen Aktion würdet ihr dann sogar zwei Fliegen mit einer einzigen Klappe schlagen.
Zum einen sorgt ihr dann für einen tollen Aufschwung in der deutschen Wirtschaft und in den Geldbeuteln der arg geschundenen Bürger, und zum anderen würdet ihr damit sogar auch Buße tun. Denn diese wäre ganz sicher heute angesagter denn je.
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