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Fähnlein



Es sei dies keine Politikverdrossenheit des deutschen Bürgers, sondern auch Faulheit, Desinteresse und der Glaube, daß man mit seiner Wählerstimme nichts erreichen kann. Dies soll in diesen Tagen ein hoher politischer Beamter gesagt haben, als er die geringe Wahlbeteiligung seiner Landsleute am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt kritisierte.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse heißt dieser Beamte, und ich frage mich woher er dies denn wissen kann. Er, der vor der Wende für das Ministerium der Kultur der DDR tätig war, und damit sich damit brav in die Reihen der Staatsdiener seines ehemaligen Landes einreihte, die immer schön brav Ja und Amen nickten, war in den Zeiten der Wende plötzlich auch wieder in den Reihen derer, die bis dahin ihren den Kopf hingehalten hatten, und die dafür sorgten, daß diese Mauer dann wenige Tage später endlich einmal gefallen ist.

Dann waren Sie plötzlich wieder an der richtigen Stelle, Herr Thierse. Die Hand zum sozialistischen Gruß war da kaum unten, da ging auch schon die andere wieder hoch. Sie wählten nach der Wende ebenfalls den bequemen Weg, und betteten sich wiederum einmal mehr sanft in ein weiteres staatliches Kissen, dieses mal mit dem Namen BRD.

Kissen sagte ich, nicht Ruhekissen, obwohl Sie es wie viele andere Ihrer Zunft nie von einer anderen Seite erleben dürfen. Das richtige Leben. Nicht die Wähler sind faul und bequem, Herr Thierse, vielleicht sollte Ihre Zunft einmal mehr selbst in die Spiegel unserer Welt hinein schauen. Vielleicht erkennen Sie dann, und dies beinahe täglich, daß es nicht der Glaube ist, der Ihre Wähler verzweifeln läßt, und damit leider in eine schon fast depressive Mutlosigkeit drängt.

Und es ist auch schon gar nicht die Faulheit Ihrer Wählerschaft im Osten, diejenigen, die jetzt bei den letzten Kommunalwahlen zu Hause geblieben sind. Ihre Wähler, die sich auch Dank Ihrer Politik, und der Ihrer Genossen, für Löhne teils unter 3 Euro die Stunde schon verdingen müssen, während Ihres gleichen an den reichhaltigen Banketten dieser Republik verkehren, und während sie gleichzeitig Ihre Wählerschaft belehren.

Ihre Zunft, die es gewohnt ist, sich an besonderen Speisen und Getränken zu laben, die seitens vieler Lobbyisten aus der Wirtschaft hofiert wird, und die dann des öfteren vielleicht einmal den richtigen Blickwinkel für das Leben verlieren kann.

Könnte es nicht vielmehr so sein, Herr Thierse? So, wie jetzt wieder einmal auch bei Ihnen, Herr Thierse?

Vielleicht sollten Sie Ihren Wählern jetzt gleich doch einmal selbst zeigen, was Sie unter Engagement, Interesse und Unverdrossenheit verstehen. Gerade heute können Sie vor Ihren Wählern einmal aufstehen und Ihren Standpunkt von Ehrlichkeit und Verhaltensethik erläutern, in dem Sie einmal laut und deutlich, für alle Ihre Wähler vernehmbar, die Herren Schäuble und Schily, sowie die Bundesregierung für Ihr Verhalten in der Frage der rechtswidrigen Online-Untersuchungen kritisieren.

Sie könnten Ihren Wählern jetzt einmal so richtig Vorbild sein, indem Sie Ihr Fähnlein nicht wieder halten in den Wind, sondern in Ihren eigenen Reihen endlich einmal den richtigen Namen nennen von diesem, Ihre Wähler frustrierenden, Kind.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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