Hollywood
Und da war sie auch schon wieder drin, hinter diesen schwedischen Gardinen, so wie ein Gefängnis hierzulande so gerne genannt wird. So schnell kann es gehen. Da ist die Tinte der zumeist aufgebrachten Kommentatoren dieser Welt noch nicht einmal richtig abgetrocknet, da überschlagen sich die Ereignisse im Strafverfahren von Paris Hilton auch schon wieder. Der in diesem Verfahren zuständige Staatsanwalt Rocky Delgadillo hatte die erneute Anhörung beantragt, da er genauso wie die in dieser Angelegenheit nahezu vereinte Weltöffentlichkeit von einer Klassenjustiz ausging und deshalb die Haftentlassungsgründe in Frage stellte.
Zu entscheiden hatte dann der Richter wieder einmal. Seinen Namen wird man denn auch lange nicht vergessen. Richter Michael Sauer meinte nach einer kurzen kurzen Anhörung, Paris Hilton müsse wieder zurück in den Knast. Angeblich sogar für volle 45 Tage, nicht wie vorher gedacht für 23, bei entsprechend guter Führung.
Nun kann man davon ausgehen, daß in einem von Lobbyismus geprägten Amerika gerade in diesem Moment hinter den Kulissen alle Messer gewetzt werden. Jedweder Macht und Einfluss in der Strafrechtssache Paris Hilton prallen nun aufeinander und ich frage mich, ob dann ein aufrichtiger Staatsanwalt und ein US-amerikanischer Richter sich da wirklich dagegen stemmen können.
Sie haben sich damit sicherlich nicht nur Sheriff Lee Baca, dem das betreffende Frauengefängnis Lynwood untersteht, zum erklärten Feind gemacht. Dieser hatte die Entscheidung des Richters scharf kritisiert, und meinte, Paris Hilton hätte einige ernste Probleme, auf die er dann reagieren wolle, wenn es noch schlimmer käme.
Nun ja, vielleicht kann dieser Mann Entzugserscheinungen eines Junkies besser beurteilen als ein Richter. Nicht wenige vermuten denn auch, daß Paris Hilton in diesen Tagen einen Cold Turkey erleben könnte.
Damit bezeichnet man die Folgen eines Totalentzugs, besungen in dem gleichnamigen Song von John Lennon Mitte der 70-er Jahre. Ich vermute einmal, wenn dies so stimmt, daß es nur daran liegt, daß man in einem Frauengefängnis nicht so leicht an Koks herankommen kann. Aber das könnte man doch einfach ändern, werden ihre Anhänger vielleicht jetzt sagen.
Nun ist sie erstmal in der Krankenstation des Twin Tower Gefängnis von Los Angeles. Dort wird sie angeblich untersucht, bevor dann die Entscheidung darüber fällt, in welche Strafanstalt sie endgültig kommen wird.
Mich würde nicht wundern, wenn nun Tag für Tag immer wieder neuerliche Premium-Schlagzeilen dieser Art über Paris Hilton von Kalifornien nach Deutschland kommen, denn für die hohen Herren an den Schalthebeln dieser Welt kann es ja eigentlich nichts besseres geben, als daß sich die Weltöffentlichkeit mit Paris Hilton anstatt mit im Vergleich zu ihr völlig belanglosen Themen wie Armut, Krieg und Globalisierung beschäftigt.
Auch wenn der eifrige Staatsanwalt nach der erneuten Urteilsverkündung in die zahlreich bereit gestellten Mikrofone kund tat, daß diese Entscheidung ein Signal sei und daß niemand über dem Gesetz stände, egal wie reich oder mächtig er auch sei, und daß damit an diesem Tage einmal der Gerechtigkeit Genüge getan worden sei - ich persönlich mag dem erneuten Paris Hilton Theater einfach nicht so recht trauen, zu durchtrieben ist mir der Eindruck, den sie bei ihren öffentlichen Auftritten nicht selten hinterläßt.
Und so würde es mich denn auch nicht wundern, wenn es noch einmal so ein wenig in der Art weiter ginge. Rein und raus, dann wieder rein, und wieder mal raus. So könnte dann innerhalb von 23 oder 45 Tagen ein Paris Hilton Thriller auf den Markt kommen.
Ein erneuter Bestseller, der dann diesmal nicht nur unter den besten 10, sondern sogar an der Spitze der Bestenliste der New York Times stehen wird, und mit dem Paris Hilton dann vielleicht noch einmal um 50 Millionen reicher wird.
Und am Besten dann hinterher auch noch einen Film, so quasi in der Fortsetzung des bekannten, aber angeblich ziemlich langweiligen Sexvideos 1 Night in Paris. Jetzt kann es dann einfach 1 Night im Frauenknast lauten, und gespickt mit den schlüpfrigsten Darbietungen, die sich ein menschliches Hirn vostellen kann, ist das dann nicht nur genau das, was die weite Öffentlichkeit so herrlich gierig-lechzend sehen will.
Nein, vielmehr sogar, ihrem Intellekt entsprechend hätte die gerade genannte Zielgruppe dieses Video dann sogar auch noch verdient. Hollywood lässt grüßen.
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