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Philosophisch

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenAuf Mallorca ist Hochsommer, wie schon gestern anschaulich beschrieben, und Themen für einen Kolumnisten bieten sich dieser Tage quasi an jeder Straßenecke dieser Insel an.

Ob es nun die von Müll, Algen oder sogar von Fäkalien verdreckten Strände sind, kriminelle Ereignisse, Korruptionsskandale, Verstöße gegen die Richtlinien eines freien europäischen Binnenmarkt oder ob es die, zum Teil zumindest schmutzigen, politischen Ränkespiele sind. Auf den Balearen und Mallorca wird es da für einen Schreiberling nie langweilig.

Ich persönlich allerdings empfinde es nicht selten als bedrückend, wenn sich Tag für Tag immer wieder neue menschliche Abgründe vor mir aufmachen, und ich stelle mir dann immer wieder dieselbe philosophische Frage nach einem Sinn allen irdischen Lebens. Und daran verzweifle ich dann auch in aller Regelmäßigkeit, weil ich, wie könnte es auch anders sein, diesen einfach nicht zu entdecken vermag.

Nun wird der geneigte Leser vermutlich abwinken und sagen, mit diesem Thema beschäftige sich die abendländische Philosophie bereits seit weit mehr als 2000 Jahren, und wieso die Antwortfindung nun jetzt ausgerechnet mir gelingen solle.

Alle Philosophen nehmen für sich in Anspruch, daß ihnen quasi als hauptberufliche Grübler und Denker die effektivsten Methoden zur Verfügung stehen. Die erfolgreiche Entdeckung von Lebenswerten und vor allem dem Lebenssinn soll zu einer ethischen und erfüllten Lebensperspektive führen.

Und die wiederum, und dies ist letztendlich das Entscheidende, zu Erfolg und Zufriedenheit in Beruf und Privatleben eines jeden von uns. In der Philosophie geht es daher auch und vor allem darum Visionen zu entwickeln, Visionen, die dann hoffentlich zu neuen Ideen eines besseren menschlichen Zusammenlebens führen werden.

Wie Sie sehen, beschäftige auch ich mich sehr intensiv mit philosphischen Fragen des Lebens, ohne gleich in jeder Minute meines Lebens in ein von anderen kaum nachvollziehbaren geistiges Nirwhana zu entschwinden.

Ich bin kein Freund der Esoterik und meditiere auch nicht, stelle mich nicht auf den Kopf oder benötige auch nicht die berühmte Pfeife, wenn mich meine recht starke philosphische Leidenschaft wieder einmal so richtig packt.

Aus dem gesagten folgt, dass mich recht wenig mit Aristoteles vereint, der überall Gründe fürs Philosophieren finden konnte und damit auch nahezu jedwedes Problem lösen wollte. Soweit hat es mich nie von allem irdischen enthoben, da mir ein gesunder Pragmatismus immer erhalten geblieben ist. Diesen betrachte ich schon immer als eines wesentlichen Elemente zur Erfassung tagtäglicher Lebenssachverhalte. Dennoch gelingt es mir oft nicht.

Sokrates, der älteste und für viele auch der größte aller abendländischen Philosophen, er sah die Sorge um die Seele der Menschen als seinen wichtigsten Lebensinhalt. Für ihn war die Philosphie die Liebe zur Weisheit.

Der Mann, dem das Orakel zu Delphie einst sagte, Niemand sei weiser als Sokrates, und den man als den weisesten aller Weisen seiner Zeit befand, suchte Zeit seines Lebens Antworten auf zahllose Lebensfragen. Diese Antworten fand er aber nicht.

Der Mann, der sich als einziger Gelehrter seiner Zeit nicht für seine Dienste bezahlen ließ, kam auch am Schluß seines Lebens nur zu der Erkenntnis, die da lautete, Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Sokrates, der kluge und stolze Mann wurde dennoch wegen Gottlosigkeit durch Verabreichung des Schierlingsbechers verurteilt. Er hielt die Wahrheit für wichtiger als sein Leben, und alleine deshalb musste er letztendlich sterben.

Die Wahrheit ist eine Tugend, für die man heute nicht mehr sterben müsste, und die daher vielen von uns gut zu Gesichte stehen würde. gnothi sautón, Erkenne dich selbst. So lautet bekanntermaßen die Inschrift des Apollontempels in Delphi. Und dabei müssten diese Lettern im Grunde doch überall stehen.

Erkenne dich selbst! Mit diesem Aufruf grüße ich heute einmal all die üblen Zeitgenossen auf unserer schönen Insel, die anderen das Leben so schwer machen. Die an allerlei Kriminellem beteiligt sind, und die leider nur zu oft gelernt haben nur an sich selbst denken.

Mit den Worten, Erkenne Dich selbst, grüße ich auch hinüber nach Deutschland. Dort beschäftigt gerade ein Regierungsskandal um Thomas de Maizière die Öffentlichkeit. Man könnte den Glauben an die Menschen in diesen Tagen wieder einmal verlieren. Aber ich tue es, zumindest vorerst, noch nicht.


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