Weiser Mann
Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begründung nur wenig von dem heutigen unterscheidet, was wir in der Begründung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht.Dies sagte er einmal im Deutschen Bundestag zu Joschka Fischer, als es um die Frage der atomaren Abschreckung im Rahmen des sogenannten Nato-Doppelbeschlusses ging. Dies sagte ein Mann, gut
20 Jahre ist dies nun her, der stellvertretend für einen zumindest größeren Teil einer Politikergeneration steht, die nicht nur aufgrund leidvoller Erfahrungen ihrer Kindheit noch ganz andere Werte vertreten haben, als dies bei ihren Nachfolgern heutzutage leider all zu oft der Fall ist.
Der Mann, dem zum Glück die Flucht gelang, als er im zarten Alter von nur 14 Jahren kurz vor Schluß des Zweiten Weltkrieges von den Nazi-Schergen zum Schanzdienst eingezogen wurde, und der später dann ein Parteibuch gewählt hatte, welches ihm im Laufe seines langen Politikerlebens immer wieder einmal zu einer schweren Bürde werden sollte. So wie auch heute wieder.
Heiner Geißler heißt der Mann, über den ich heute spreche. Der promovierte Jurist war Zeit seines Lebens ein Philosoph, und er ist es auch heute noch. Nicht nur wegen seiner Studien in diesem Fach.
Seine Gegner warfen ihm immer vor, er polarisiere, Willi Brandt stellte ihn eben wegen des oben Zitierten sogar einmal in einen Zusammenhang mit dem schlimmen Nazihetzer Joseph Goebbels. Das mag ihm weh getan haben, diese Kritik, ausgerechnet auch noch von einem der Großen.
Als ehemaliger Jesuit des Kolleg St. Blasien wird er diesem ebenfalls Aufrechten der Deutschen Politik damals schon verziehen haben. Es ging zu seiner Zeit halt auch manchmal etwas hemdsärmlicher zu. Ganz bestimmt auch etwas ehrlicher. So unverfälscht und ungeschminkt, wie damals vieles über den Äther und die Bildschirme kam, so ist es leider heute nicht.
Dies hatte der passionierte Bergsteiger und Gleitschirmflieger ebenfalls schon früh erkannt. Er stellte schon eher als manch anderer die Fragen zum Sinn des Lebens. Wo ist Gott oder die soziale Frage waren Themen, mit denen er sich als Bestseller-Autor beschäftigte. Ich war nicht immer seiner Meinung, die zuweilen auch wirklich etwas deftig war.
Aber ich bin sicher nicht nur ich vermißte diesen Mann, und ich war deshalb freudig überrascht, als er sich jetzt noch einmal zu Wort meldete. Gerade jetzt und heute, in einer Zeit, in der es die weisen Töne nicht mehr zu geben scheint. Und wie immer hat er den scharfen Blick für das Wesentliche nicht verloren.
Heiner Geißler kommentierte das neue Grundsatzprogramm seiner Partei, der CDU, mit den Worten, es sei zu wirtschaftsfreundlich. Seine Partei müsse das Konzept einer internationalen sozialökologischen Marktwirtschaft entwickeln, denn die Menschen fühlen sich den globalen Mächten ausgeliefert.
Der Börsenwert eines Unternehmens stiege um so mehr, desto mehr Leute wegrationalisiert werden, und ein solches Wirtschaftssystem sei unsittlich und nicht konsensfähig.
Vor kurzem ist Heiner Geißler 77 Jahre alt geworden. Und ihr alle, die ihr im Bundestag sitzt, ihr solltet euch eigentlich jetzt so richtig schämen. Denn wegen eurer Politik, und das muss euch ausgerechnet ein Mann in seinem Alter sagen, müssen sich heute so viele Menschen in Deutschland, zum Teil auch noch ganz fürchterlich, grämen.
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