Aufschwung
Das totale Fiasko einer deutschen Politik der letzten Jahre wird mit dieser erschreckenden Meldung wieder einmal in ganz besonderer Weise offenbart. Und nicht nur ich frage mich angesichts der Tatsache, daß die Mächtigen in unserem Land die Zahlenspielereien bekanntermaßen wunderbar wie beklemmend beherrschen, ob es nicht noch viel schlimmer ist, als man es sowieso schon lesen kann.210.000 Lehrstellen fehlen in unserem Land, wird vermeldet. Nicht ohne in diesem Zusammenhang auch noch das Wort Aufschwung zu erwähnen, ein Wort, daß ja im Zusammenhang mit schlechten Meldungen nie fehlen darf. Ein Begriff, den schon niemand mehr hören kann. Ein Begriff, der seit Jahren seitens der Politik immer wieder gerne verwendet wird, und der schon fast wie ein Damokleschwert über dem deutschen Volk zu schweben scheint.
Aufschwung, wann immer ich dieses Wort die letzten Jahre aus dem Munde eines deutschen Politikers höre, wird mir besonders kalt ums Herz. Es löst dieses seltsame Phänomen in mir aus, welches man mit Frieren und Schwitzen zugleich umschreiben kann. Nicht nur, daß es mich wieder einmal fröstelt, wie gesagt, auch der Angstschweiß bricht dann immer wieder zeitgleich aus.
Schon wieder einmal nichts zu sagen, und schon wieder einmal geht es unserem Land ein kleines bißchen schlechter. Diese Reaktion meines Verstandes ist schon fast zu einem gewohnten Ritual geworden, wann immer ich dieses Wort Aufschwung höre.
Eigentlich müßte es nicht nur zum Unwort des Jahres, sondern zum Unwort des Jahrzehnt und am besten gleich noch zum Unwort einer ganzen Politikergeneration gewählt werden. Einer Generation von Politik, die Lemmingen gleich ihr eigenes Volk in ein globales Disaster astronomischen Ausmaßes zu führen scheint, und die, so vermute ich, die von ihnen in aller Regelmäßigkeit präsentierten Zahlenspielereien mittlerweile auch noch selbst zu glauben scheint.
Dabei übersehen sie geflissentlich, daß sie es sind, die das Zurechtfeilen dieser Statistiken zu einer nie gekannten Perfektion haben werden lassen, und daß Auswertungen nach den Rechenschemata von vor 10 oder 20 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Drama nach dem anderen offenbaren würden.
Schreckensmeldungen, die sich natürlich niemand so gerne zumutet, und die ja auch nicht so ganz passen würden in das allseits bekannte Selbstverständnis der Vertreter deutscher Politik.
Und daher singt man Monat für Monat, und Jahr für Jahr, immer das gleiche deutsche Aufschwung-Lied, während die Bürger dieser Republik schon gar nicht mehr hinhören und sich statt dessen einfach nur abwenden. Die einen hauen einfach ins Ausland ab, dem Ruf der Globalisierung folgend, weil sie wissen, daß wenn überhaupt, dann nur dort der Aufschwung ist.
Die anderen bleiben halt im deutschen Land, weil sie's halt müssen, und halten dabei noch den Rand. Den Aufschwung, den sehen die Leute schon, nicht das ihr noch denkt, das wären alles Flaschen. Sie sehen ihn halt nicht bei sich, sondern nur in euren eigenen tiefen Taschen.
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