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Heisse Luft

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenDie Bilanz des G-8-Gipfel sorgt für Ernüchterung. Der Aufwand dagegen, der für diesen gerade einmal drei Tage andauernden Gipfel betrieben wurde, war enorm. Da wurde ein 12 km langer und 2,5 Meter hoher Zaun rund um Heiligendamm gebaut. Dieser wird nun abgerissen. Dazu kommt ein 4,5 km langes Unterwassersperrnetz in der Ostsee. Auch das wird nun wieder abmontiert.

Fast 18000 Polizisten und 43 Hubschrauber waren in Einsatz und die stolze Zahl von weit über 1 Million Überstunden stehen zu Buche. Bei den zum Teil bürgerkriegsähnlichen Krawallen wurden 443 Polizisten verletzt, darunter befinden sich 10% Schwerverletzte. Es gab über 1000 Festnahmen, wovon mehr als 100 auch jetzt noch in Haft sind.

Die Feuerwehr wurde über 600 mal zu Einsätzen gerufen. Schlußendlich verloren zahlreiche Bauern ihr Ernte, weil diese von tausenden von Demonstranten zertrampelt wurde. Ob diese jemals hierfür seitens der öffentlichen Hand entschädigt werden können, ist mehr als fraglich.

Die Deutsche Bundesregierung, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, läßt sich dennoch für einen angeblichen Gipfelerfolg feiern. Der neutrale Betrachter fragt sich allerdings sofort, wieso sie dies tut, denn die Gipfelbeschlüsse lassen den mindestens insgesamt 118 Millionen teuren Aufwand, bei näherer Betrachtung nur noch als heiße Luft erscheinen. Wobei bei diesen 118 Millionen noch nicht einmal die vielen Millionen privater Schäden mit eingerechnet sind.

Ein Kolumnist schaut sich denn angesichts derartig vollmundiger Aussagen diese tollen Gipfelergebnisse einmal genauer an. So wird man sich von jetzt an bei zukünftigen G8-Gipfeln einen halben Tag Zeit nehmen, Meinungsunterschiede zu besprechen. Dies ist ein erster Gipfelbeschluss. Aha, sage ich mir da, und lese weiter.

Die G8 werde ihre bisherigen Versprechen hinsichtlich Entwicklungs- und Aidshilfe erfüllen. Ich sage nochmals aha, um mir selbst noch hinzuzufügen, daß dies wahrscheinlich bedeuten solle, daß Politik ja normalweise ihre Versprechen nicht erfüllt. Von dieser Seite betrachtet macht eine derartige Aussage natürlich Sinn.

Weiter wird verkündet, daß bis zum Jahr 2050 der Treibhausgas-Ausstoß halbiert und Erderwärmungs auf 2 Grad begrenzt werden soll, alles dem Klimaschutz zuliebe, selbstverständlich.

Bravo, sage ich mir, da spielt man also gleich auch noch den lieben Gott, ohne zu sagen wie man dies machen will. Denn daß der Mensch auf die Erwärmung Einfluß nehmen kann, ist mehr als umstritten im Rückblick vieler Jahrmillionen der Erdgeschichte. Dies haben Eiszeiten und Hitzeperioden mehrfach bewiesen. So gesehen macht es ja dann doch wieder Sinn, daß auch hier nur eine Absichtserklärung formuliert wurde.

Man kann so wunderbar miteinander diskutieren, ist auch eines der Gipfelergebnisse. Ein Regierungschef soll sogar gesagt haben soll, er zehre von dem Treffen ein ganzes Jahr lang. Ich frage mich, ob er damit die reichhaltigen Leibesgenüsse gemeint haben könnte.

Ein weiterer Gipfelerfolg ist das offizielle Lob aller Teilnehmer für Führungsstärke, Geschick und Charme von Frau Merkel, sowie für die deutsche Gastfreundschaft. Sie kamen ja auch alle mit heiler Haut davon, denn niemand musste in irgendweiser Weise konkrete Zugeständnisse in den jeweils brennenden Fragen einräumen. Das Schulterklopfen kostet ja nichts und ist Teil des üblichen Rituals.

Des weiteren wurde erklärt, daß die Anliegen derer gehört werden, die in friedlichen Demonstrationen ihren Protest ausdrücken, und das dieser friedliche Demonstrationsprotest in jedem Falle helfen würde. Hm, dies steht ja auch so in unserer Verfassung, murmele ich jetzt schon mit einem Anflug von Verstimmung vor mich hin.

Vor allem die USA und Großbritannien sperren sich weiter gegen weltweit schärfere Regeln für Kapitalinvestoren, hört man weiter. Gemeint sind die sogenannten Hedgefonds, die mit einem weltweites Volumen von mehr als 1,6 Billionen Dollar die Arbeitswelt zunehmends unsozialer werden lassen, weil ihrem ausschließlichen Profitgedanken weite Teile der an Verhaltens- und Sozialethik geopfert werden. Forderungen nach internationalen Sozialstandards wurden denn auch nur müde belächelt.

Ich bemühe mich diese Gipfelergebnisse völlig neutral zubeurteilen, gelange jedoch auch nach längerer Überlegung nur zu folgendem Schluss. Nicht nur daß die G-8-Gipfelergebnisse reine Luft darstellen, selbst die Volumendimension dieser heißen Luft würde wahrscheinlich gerade einmal in einen Luftballon hineinpassen, der dann allerdings dann auch folgerichtig sofort platzen würde.

Frau Merkel meinte noch abschließend, sie könnten ja nicht alle Probleme der Welt in zwei Tagen lösen. Nein, Frau Merkel, alle nicht. Nur ein einziges Problem, Frau Merkel, nur eines. Dies hätte schon genügt.


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