Umfrage
Und wieder einmal ist die Zeit gekommen, mag sich die deutsche Politik und ihre willfährige Journallie in diesen Tagen vielleicht wieder einmal sagen, in der wir unseren Bürgern mit mit Hilfe von Meinungsumfragen so richtig Sand in die Augen streuen sollten. Frei nach dem Motto eines berühmten Rechtsgelehrten namens Georg Jellinek, der einst die genauso geniale wie zutreffende These der Normativen Kraft des Faktischen formulierte, soll es hier anscheinend immer wieder heißen, Egal was ihr so denkt, die Meinung machen wir, ihr werdet schon dahin gelenkt.
Die psychologische Wirkung von Meinungsumfragen ist wohl derart groß, daß selbst regelmäßig eklatante Abweichungen von der Realität nicht dazu geführt haben dieses eher an Zahlenlotterie erinnernde Brauchtum endgültig auszurotten. Wer sich dann einmal die Mühe macht, hinter die Kulissen eines, wie nicht nur ich meine, Meinungsumfragen-Schmierentheaters zu schauen, wird jedoch wenig veblüfft sein.
Getreu dem Zeitgeist, was ist schon Moral und Ethik im Vergleich zu Macht und Geld, offenbaren sich dann die gleichen Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien, wie es bereits seit Jahren gewohnt und damit auch gesellschaftsfähig ist.
Eine sogenannte Prognose-Industrie, die immer wieder gerne mit einem repräsentativen Querschnitt von 1000 deutschen Wahlberechtigten argumentiert, vermeidet es tunlichst im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen, daß das einzige Repräsentative daran die Chancengleichheit aller wahlberechtigten Bürger ist, per Zufall für die jeweilige Umfrage ausgewählt zu werden.
Wer jetzt glaubt, da käme noch etwas, der wird enttäuscht sein, denn, das wars dann aber auch schon.
So darf auch der Schweizer Mathematiker und Statistik-Professor Dr. Fritz Ulmer zum Leidwesen aller Meinungsforschungsinstitute auf seiner Website wahlprognosen-info.de veröffentlichen, daß Wahlprognosen eigentlich nur Tipps von Meinungsforschern sind, die als Umfrageergebnisse getarnt sind.
Weiter darf dieser Mann, der einst den Umgang mit dem Zahlenspiel zu seiner Berufung machte und der es deshalb auch genau wissen muss, behaupten, daß Trendmeldungen zu 100% fiktiv sind, und daß Demoskopen keine unabhängigen Berichterstatter sind, weil sie alle auf die gleiche Weise schummeln.
Und er bezeichnet das ganze als Zahlenprostitution, bei der ein Kartell des Schweigens herrsche, weil alle Beteiligten wenig Interesse daran haben das demoskopische Elend endlich einmal einzugestehen.
Prof. Ulmer, der anerkannte Kenner der Szenerie, skizziert auf seiner Website sehr anschaulich die kommerziellen Verbindungen zwischen allen Beteiligten, die dazu führen, daß eine objektive Berichterstattung genau nicht garantiert ist.
Eine lockere Seilschaft von Demoskopen, Schreiberlingen und Plaudertaschen, bezeichnet er das Ganze noch. Man gibt vor etwas wissenschaftlich gemessen zu haben, sagt er, obwohl man eigentlich nur spekuliert hat.
Und damit schließt sich nach Ansicht eines Kolumnisten wieder einmal ein Kreis. Denn dann eignen sich diese Umfragen ja genau zu einer Standortbestimmung deutscher Politik. Einer Politik, die unverblümt mit der Treuherzigkeit des braven Bürgers spekuliert, wie ich meine.
Der brave Bürger, von dem man ja gut weiß, nur die Zahlen, die er sieht, die machen ihn ganz heiß. Und bevor er dann noch einmal denkt, wird er zur nächsten Meinung gleich gelenkt. Und wer nicht glaubt an Nikolaus, der bleibt bei Wahlen gleich zuhaus. Die anderen, die noch sind ganz heiß, wählen wie immer, Jahr für Jahr, den gleichen ... .
Weitere Artikel in der Rubrik Politik:
