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Wahlkampf vs. Tourismus

Marlons Sicht aus Mallorca und seine GedankenWie sich die Bilder doch gleichen. Politik in Zeiten des Wahlkampfes ist anscheinend überall auf der Welt zuweilen ein außerordentlich bizzares Schauspiel, bei dem die Damen und Herren eben dieser Politik nicht gerade zimperlich sind, wenn es um ihre Wahlkampfversprechen geht.

Der Wahlkampf auf Mallorca steht dem in nichts nach, im Gegenteil, mittlerweile scheint er geradezu groteske Züge anzunehmen. So macht dieser Tage das Versprechen der Bürgermeisterin von Palma de Mallorca die Runde, daß diese nach ihrer Wiederwahl innerhalb von nur drei Tagen alle Schäden der teils sehr sanierungsbedürftigen Straßen und Bürgersteige dieser Großstadt reparieren lassen will.

Catalina Cirer soll dies gesagt haben, wenn man den kursierenden Insel-Meldungen überhaupt noch glauben schenken darf. Denn der Glaube scheint momentan das wichtigste zu sein, was die Volksvertreter in der heißen Endphase des Wahlkampfes bewegt und man wird den Eindruck nicht los, daß der Eine oder Andere, oder auch die Eine oder Andere, genau diesen Glauben, an den eigenen Erfolg zumindest, verliert.

Wie sonst ist es zu erklären, daß man in immer größerem Maße auch nationalistische Argumente in die balearischen Wahlkampfarenen schleudert. Dabei ist der Hinweis auf die Abgrenzung durch die eigene Sprache und deren historische Bedeutung im Überlebenskampf der Katalanen über die vielen Jahrhunderte auch für den Außenstehenden eher noch nachvollziehbar.

Wenn jedoch nach den touristischen Eigentoren wie die Ballermann-oder-Golfspieler Diskussion, sowie der verstärkten Jagd auf deutsche Autokennzeichen, jetzt auch noch Umfragen lanciert werden, in denen eine wachsende Überfremdung der balearischen Inseln durch Ausländer beklagt wird, dann ist auch für den gutmütigsten aller neutralen Betrachter die Grenze endgültig erreicht.

Wenn diese Grenze nicht sogar in einer Weise überschritten ist, bei der viele derjenigen, die dieser schönen Insel bisher immer so wohlwollend gegenüber standen, das Buch Mallorca jetzt einfach einmal zu klappen.

Ob sie denn denken ihr Sprache verstehen die da drüben in Deutschland und auch in England nicht, grübele ich kopfschüttelnd vor mich hin. Die deutsche Bildzeitung hat schon die ersten Salven abgefeuert, und die waren alles andere als hilfreich für uns alle hier.

Jetzt müssen nur noch Sun, Mirror und all die anderen Revolverblätter nachziehen. Da drüben auf der anderen Insel, da kennen sie noch ganz andere Kaliber. Da sind die Meldungen der Bildzeitung das reinste Honigschlecken dagegen.

Das schlimmste ist aber, wenn dies noch an ganz anderer Stelle zu Ohren kommt. Wenn ich jetzt ein Marketingexperte der Urlaubsgebiete an der Schwarzmeerküste und in Jugoslawien wäre, würde ich diese einmalige Chance sofort beim Schopfe packen. Ich würde mir denken, laß die da auf Mallorca nur mal machen, denn bald werden nur wir uns noch in unsere Fäuste lachen.

Ein ganz besonders verständnisloser Gruß geht deshalb heute einmal an die Inselpolitik. Mir scheints, ihr seid den Lemmingen gleich, weil so richtig gefeit gegen jedwede Kritik.


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