Der unsichtbare Mallorca-Tourist
Es wird geflunkert, dass sich die Balken biegen, hier auf den Baleraren und vor allem bei uns hier, auf der Insel Mallorca.
Jetzt kennt der Mallorca Kolumnist dieses Brauchtum bereits seit Jahrzehnten, dennoch, daran gewöhnen konnte dieser sich noch nie.
Und, soweit meine germanische Erziehung dies noch verhindern kann, werde ich den hier praktizierten Etikettenschwindel auch in den nächsten Jahren keinesfalls gut heissen können.
Wo man nur hinschaut Hurrameldungen, sei es vom Flughafen oder dem Tourismusministerium, sei es beim Hotelverband an der Playa de Palma oder auch bei anderen hier auf der Insel. Ich frage mich einmal mehr, wie so oft schon, was wollen die eigentlich damit bezwecken.
Bauchpinseln diese Verbands- und Politikerkopfeten sich selbst, ist es die Aussendarstellung gegenüber dem Balearenvolk, oder welche Strategie steckt dahinter. Aber worum geht es eigentlich.
Man stelle sich nur vor, es ist August, und ich schlendere einige der schönsten Strände auf Mallorca ab. Nun hat man ja bereits einige gut gefüllt Strände gesehen, über die letzten zwei Jahrzehnte auf unserer Insel, so dass es nun angesichts der sichtbaren grossen Lücken, verbunden mit den ständig Ausgebucht-, Überbucht- und So gut wie nie zuvor-Meldungen eigentlich nur zwei Mutmassungen für meine Sichtweise der Dinge gibt.
Entweder sind mir riesige Tomaten auf meinen Augenlidern gewachsen, die die Sicht stark reduzieren, oder die Gattung Balearenurlauber-Mensch ist in seinen Körpermassen deutlich geschrumpft. Daher habe ich bei meinem gestrigen Strandbesuchen doch noch einmal genauer hingeschaut.
Der Grund? Ganz einfach, angeblich soll der subjektive Eindruck der zuweilen erschreckenden Leere an den Stränden, den Restaurants und sonstigen Geschäftsbetrieben vor allem daher rühren, dass die grosse Zahl an spanischen Urlaubsgästen vom Beobachter nicht als Tourist, sondern als Einheimische wahrgenommen wird.
Vom Unterbewusstsein versteht sich, denn dieses würde dem eigenen Verstand signalisieren, da, wo was los ist, da ists ja leer. Obwohls nicht so ist. Glauben Sie nicht? Ich auch nicht. Sie hat es gerade eben vom Stuhl gehauen?
Mich am gestrigen Abend auch, denn da kam mir diese wirklich kabarettreife Meldung unter die Augen. Noch dazu hatte ich sie wenig später in einer deutschen Inselpostille entdeckt, welche diesen Mostrich sogar noch in einer Reportage zum Besten gab.
Und da man als journalistisch Tätiger besser einmal zuviel als zuwenig recherchieren sollte, setzte ich mich also Richtung Mallorca Strände in Bewegung. Mit Argusaugen hin- und herstarrend, auf alles achtend was da deutsch, englisch, sonst wie touristisch oder gar einheimisch war.
Auch habe ich darauf geachtet, inwieweit mein Augenlicht ernsthaft tomatengeschädigt sein könnte oder ob tatsächlich doch Schrumpfung von Grösse und Umfang der Urlauberleiber zu sehen ist. Mit Erleichterung konnte ich dann zunächst feststellen, dass mein Augenlicht völlig klar und damit auch immer noch für zukünftige Motorradtouren auf den Serpentinen des Tramuntana-Gebirges geeignet ist.
Angesichts der eher gewachsenen denn geschrumpften Leibesfüllen des durchschnittlichen Mallorca-Touristen konnte ich schnell auch diese denkbare Möglichkeit einer Sinnestäuschung ausräumen.
Auch waren beileibe nicht mehr Einheimische oder Festlandspanier vorhanden, im Gegenteil, denn die wenigen, die es gab, die übersah man einfach nicht, selbst wenn man sich darum bemühte.
Mehr noch, obwohl ich mich ganz fest dazu entschlossen haben ausschliesslich nur auf west- oder nordeuropäische Touristen sowie auf meine Landsleute aus Spanien zu achten, gelang es mir beileibe nicht die anwesenden und aufdringlichen Nord- und Zentralafikaner sowie Osteuropäer zu übersehen, welche ihren illegalen Handelstätigkeiten nachgingen.
Irgendwie muss es in den Köpfen der Verbands- und Politik-Oberen Fähigkeiten geben, zu denen ein Normalsterblicher nicht in der Lage ist. Zu den Letzteren pflegt sich der Mallorca Kolumnist nunmal zu zählen, und daher nimmt er auch genau nur das wahr, was allüberall auf unserer Insel zu sehen ist.
Meine ersten Grüße gehen heute an die Statistik-Jongliere auf Mallorca. Es ist doch immer wieder bühnenreif, was ihr abliefert. Jedoch ich fürchte, dass ihr euch selbst irgendwann einmal mit eurer Vernebelungstaktik einen Bärendienst erweist.
Mein nächster Gruß hinüber nach Deutschland betrifft leider wieder einmal die schlimmen Kriegseinsätze deutscher Soldaten im Ausland. Wie nun bekannt wurde macht die Taliban die Einsätze deutscher Aufklärungsjets vom Typ Tornado für die US-amerikanische Luftkriegsführung in Afghanistan mitverantwortlich.
Die Bundespolitik in Berlin bringt Deutschland damit nicht nur in Misskredit, sie lässt deutsche Bürger im Ausland mehr und mehr zur Zielscheibe islamistischer Fanatiker werden. Und dann darf Wolfgang Schäuble mit seinen Online-Durchsuchungsplänen in euren Wohn- und Schlafzimmern rumschnüffeln.
Weil es ja auch sein könnte, dass der Terrorismus angesichts dieser Politik irgendwann einmal ins Inland kommt. Da kann man zwar keinen Terroristen mit erwischen, die sind da viel zu clever, aber die Bürger im eigenen Land kann man wenigstens damit dann so wunderschön überwachen.
Wie lange lasst ihr euch das bloss noch gefallen, anstatt endlich einmal lautstark gegen diese Art von Politik zu protestieren. Es ist doch schlimm, dass dort und auch an anderer Stelle unser Land für die Ermordung von Frauen, Kindern und Babys in Afghanistan mitverantwortlich gesehen wird.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel, auf der anscheinend ein grosser Teil der Badegäste unsichtbar ist.
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