Mallorcas besinnliches Herz
Aufwendig organisierte Osterprozessionen beherrschen dieser Tage den Alltag auf der Insel Mallorca. Es ist dies die Semana Santa, die Heilige Woche, die die Menschen nicht nur hier bei uns, sondern auch in ganz Spanien Jahr für Jahr aufs neue bewegt. Die Menschen gedenken wie überall auf der Welt in dieser Woche vor Ostern dem Leiden Jesus Christus, trauern um sein Sterben, man tut Buße in dieser Zeit.
Es sind dies zahllose Bruderschaften, deren Anhänger mit der Spitzhaube traditionell zur Anonymität maskiert, in die typischen langen Büßerkutten gehüllt, oft auch noch barfüßig, durch die Straßen der Inselgemeinden laufen.
Nicht nur die vielen Gläubigen, sondern auch alle anderen, die den Straßenrand säumen, die im Lichte der Fackeln ergriffen auf die Pasos mit den Heiligenfiguren blicken, erleben dann einen für sie wichtigen Moment der Besinnung in einem sonst oft von den Zwängen des Alltags bestimmten Lebens. Einem Leben, in dem die Zeit oft nicht genügt, die Zeit nachzudenken, das Reflektieren von Diesem und auch Jenem.
Ich denke mir in dieser Woche, es ist schön, daß die Menschen in so großer Zahl einmal zu etwas Besinnung kommen. Tourismus hin oder her. Daß jeder dann auch einmal seinen eigenen, ganz persönlichen Blick auf das Leben richtet. Und auf das Leben von ihm, dessen Leiden nach christlicher Überlieferung für das Leiden aller steht und der das Leiden aller, ohne eine einzige Ausnahme, auf seine eigenen, doch so schmächtigen Schultern nahm.
Vielleicht bleibt etwas hängen, von diesem nachdenklichen Moment, in dem Herzen des Einen oder Anderen, was für seinen Nächsten, dann wieder Beispiel gebend ist.
Besinnliche Ostergrüße von mir an alle hier, und nach Deutschland, Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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